Landschaftsfotografie lernen – 10 Schritte zum Erfolg

2005 habe ich mit Fotografie ernsthaft begonnen. Damals habe ich mir meine erste digitale Spiegelreflexkamera gekauft. Ich kann dir heute nicht mehr genau sagen, wie ich welche Schritte gelernt habe. Gewissermaßen ist dieser Artikel also das, was ich in den letzten 14 Jahren gelernt habe. Wenn du überhaupt keine Vorkenntnisse hast und mich fragst, wie du Landschaftsfotografie am schnellsten und effektivsten lernen kannst, dann gebe ich dir hier 10 Schritte an die Hand!

Landschaftsfotografie: Mallorca 44

Mallorca 44

Ausgangslage ist, dass du einen Computer besitzt und Lust hast, diese Art der Fotografie zu lernen. Dafür wirst du mit viel Spaß, Zeit in der Natur und tollen Bildern belohnt.

Wie lerne ich Landschaftsfotografie? – Meine 10 Schritte:

Schritt 1: Kameraequipment kaufen

Als erstes brauchst du natürlich eine Kamera. Es sollte eine Spiegelreflexkamera oder Systemkamera sein, Hauptsache du kannst du Objektive wechseln. Das sichert dir, dass du auch in Zukunft neue Richtungen in der Fotografie einschlagen kannst. Welchen Hersteller du dabei nehmen solltest? Ich finde das ziemlich egal. Am Ende geht es nur darum, dass du deine Kamera gut kennst und ohne groß nachzudenken bedienen kannst. Ich habe meine Empfehlungen in den beiden Artikeln Spiegelreflexkamera für Einsteiger und Systemkamera für Einsteiger geschrieben. Zu Beginn würde ich das Objektiv nehmen, was bei den meisten Kameras dabei ist: ein 18-55mm. Es deckt sehr viele Anwendungsbereiche ab und später kannst du immer noch in anderen Objektive investieren, wenn du deine eigenen Foto-Gewohnheiten kennst.

Zusätzlich zur eigentlichen Kamera empfehle ich dir

Wenn du ein paar Anregungen für dieses Zubehör brauchst, kannst du hier nachschauen, was ich für Equipment benutze. Einen detaillierten Artikel zu Grauverlaufsfiltern habe ich hier geschrieben.

Quirang

Quirang

Schritt 2: Software kaufen: Adobe Photoshop + Neat Image

Melde dich für das Fotografie-Programm von Adobe an. In diesem Paket sind Photoshop und Lightroom enthalten. Damit hast du fast alles, was du zum Bearbeiten deiner Bilder brauchst. Der große Vorteil gegenüber Gimp: die mit Abstand meisten Tutorials für Nachbearbeitung sind auf Adobes Produkte ausgerichtet. Ich habe einen Großteil meines Wissens über Nachbearbeitung aus Photoshop Tutorials. Ein Plugin würde ich dir noch dazu empfehlen: Neat Image. Es dient dazu, deine Bilder zu entrauschen, wenn du auch mal mit höherer ISO fotografierst oder eine Langzeitbelichtung machst.

Photoshop Logo

Adobe bietet mit dem Fotografie-Programm Lightroom und Photoshop für 13 Euro pro Monat an.

Schritt 3: Ziele studieren und Reisen planen

Was ist Landschaftsfotografie ohne eine schöne Landschaft? Dabei hat jeder seine eigene Vorstellungen von diesem Begriff. Überleg dir, wohin du reisen möchtest. Vielleicht hast du ja auch schon Orte im Sinn, die du bereits besucht hast und nun fotografieren willst. Vielleicht liegt die Landschaft, die du fotografieren willst, auch vor deiner eigene Tür. Wohin auch immer es gehen soll: Plan deine Reisen und nimm dir Zeit dafür. Du kannst dir schon in Google Maps die Landschaft anschauen. Ich fotografiere gern zu Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Zu diesen Zeiten hat man das beste Licht. Bei deiner Planung solltest du also auch berücksichtigen, ob du vielleicht erst dort hin wandern und dementsprechend mehr Zeit einplanen musst.

Schritt 4: Kamerahandbuch lesen

Nach dem Kauf der Kamera probieren viele Menschen die Kamera erst einmal aus und sind im ersten Moment von den Funktionen und Einstellmöglichkeiten überwältigt. Das ist auch gut so und macht riesig Spaß. Um die Kamera aber wirklich zu bedienen und dich an ihr Potential heranzutasten, kommst du nicht drum herum, das Handbuch zu lesen. Das Gute ist: ca 80% der technischen Infos, die du überhaupt für Fotografie brauchst, stehen in diesem Handbuch. Die wenigsten haben wirklich Bock es zu lesen, aber es lohnt sich wirklich!

Perception

Perception

Schritt 5: Kamera durch Training kennen lernen

Jetzt kann ich dir nur ans Herz legen, die Kamera noch vor deiner ersten Reise so viel wie möglich zu nutzen. Wichtig ist, dass du dich mit den Einstellungen vertraut machst und ohne Ende ausprobierst, auch die Arbeit mit den Filtern. Nur so kriegst du mit der Zeit ein Gefühl dafür, wie sich die Kamera in welchen Situationen verhält. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo du über die Einstellungen nicht mehr nachdenken musst, sondern nur noch minimale Anpassungen machst. Dann kannst du dich auf das wirklich Wichtige konzentrieren: Was vor der Kamera abläuft.

Schritt 6: Bilder anderer Künstler studieren

Ich habe sehr viel gelernt, in dem ich mir andere Bilder angeschaut und analysiert habe. Noch vor meiner ersten Spiegelreflexkamera hatte ich eine kleine Kompaktkamera. Damals habe ich Bilder von deviantART angeschaut und versucht mit meiner kleinen Kamera nachzuahmen. Es ist nichts Verwerfliches dabei, zu Beginn andere Bilder nachzuahmen. Du kannst dabei unglaublich viel lernen. Schau dir andere Bildern an, sei es bei 500px, deviantART oder 1x. Sieh dir an, wie die Bilder aufgebaut sind, welches Licht der Künstler benutzt hat, welche Wettersituation dort war. Daraus kannst du viel für deine eigene Fotografie lernen.

Schiffswrack Talmine Beach

Schiffswrack Talmine Beach

Schritt 7: Bildkomposition Buch lesen

Bildkomposition ist eines der Themen, das für mich gute Fotos ausmacht. Wenn du dich anfängst, damit zu beschäftigen, siehst du in deinem Alltag unglaublich viele Bildkompositionen und Fotomöglichkeiten. Das ist eine wirklich geile Zeit. Um das zu lernen, legen ich dir dieses Buch ans Herz:

Michael Freeman - der fotografische Blick

Ich kann nicht besser erklären, wie Bildkomposition funktioniert, wie man Formen gut einsetzt, was sich hinter Farben verbirgt und was noch alles dazu gehört. Michael Freeman macht hier einen überragenden Job. Auch wenn du schon eine Weile fotografierst, ist dieses Buch eine Bereicherung.

Schritt 8: Reisen antreten und viel fotografieren, besonders Sonnenauf- und Sonnenuntergänge

Nun ist es Zeit, dass du die ganze Vorbereitung in die Praxis umsetzt. Du weißt jetzt etwas über Bildkomposition, hast dich mit den Einstellmöglichkeiten deiner Kamera angefreundet und weißt, wie die Filter funktionieren. Los gehts! Konzentriere dich auf das, was vor der Kamera passiert. Probiere viel aus. Das Licht zum Sonnenauf- und Sonnenuntergang ist besonders reizvoll, genau wie die blaue Stunde. Nutze auf deinen Reisen diese Zeit!

Sonnenaufgang am Cap Formentor

Mallorca 06

Schritt 9: Nachbearbeitung lernen

Nach deiner Reise ist es Zeit für die Nachbearbeitung. Wenn du Grauverlaufsfilter gekauft und benutzt hast, sparst du Zeit am Rechner und brauchst vielleicht nur Lightroom für die Bildbearbeitung. Jedoch lassen sich nicht alle Motive mit einem Grauverlaufsfilter einfangen, weil der Horizont selten gradlinig ist. Bei mir kommen diese Filter nur in 10 % der Fälle zum Einsatz. Es ist also wichtig, dass du auch die Nachbearbeitung lernst. Und wie lernst du Bildbearbeitung nun am besten? Ich habe dazu einen Videokurs über Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop erstellt.

Schritt 10: Noch mehr Reisen

Nun hast du deine ersten Landschaftsfotografien gemacht. Ich hoffe du hast zum jetzigen Zeitpunkt schon die Zeit in der Natur genossen, die klare Luft zum Sonnenaufgang wahrgenommen und bist mit ein paar tollen Bildern nach Haus gekommen. Jetzt solltest du weiter machen und deine nächsten Reisen planen. Übung macht den Meister!

Irgendwann möchtest du vielleicht noch in ein Superweitwinkel-Objektiv investieren(ich benutze das Canon 10-22mm). Damit kannst du noch mehr Tiefe und Dreidimensionalität in deine Bilder bringen.

Wenn du noch weitere Hilfe brauchst und zu einem der Punkte eine Frage hast, dann schreib mir in den Kommentaren!

19 Kommentare

  1. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,
    ich fotografiere zwar schon seit über 40 Jahren, aber es heißt ja so schön „man lernt nie aus“. Deine Tipps für die Landschaftsfotografie werde ich beim nächsten Urlaub an der Nordsee mal ausprobieren.
    Probleme habe ich noch mit der Infrarotfotografie. Irgendwie sehen meine Fotos nie so „weiß“ aus. Ich habe mit Lightroom versucht, eine entsprechende Entwicklung zu machen, aber irgendwie bekommen die Fotos immer einen Farbstich. Hast du vielleicht einen Rat für mich?
    Liebe Grüße
    Sigrid

  2. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias, vielen vielen Dank für deine vielen Tipps zur Landschaftsfotografie. Ich werde mich gleich daran machen, das eben gelernte umzusetzen.
    Keep up your great work.
    LG, Paul

  3. Nutzer Avatar
    Monika Wessel

    Hallo Matthias,
    ich komme nochmal auf das von dir empfohlene Weitwinkel von Canon, das 10-22 mm, zurück. Auch ich favorisiere dieses Objektiv. Allerdings bin ich jetzt etwas irritiert wegen dem Bildstabilisator. Ich habe das so verstanden, dass dieses Objektiv einen Bildstabilisator besitzt. Allerdings hat es laut Datenblatt auf der Homepage von Canon aber KEINEN. Habe ich da was übersehen?
    Vielen Dank für deine Antwort
    Liebe Grüße
    Monika

  4. Nutzer Avatar
    Monika Wessel

    Hallo Matthias,
    ich bin begeistert, wie viel Zeit und Aufwand du betrieben hast, um andere an deinem Wissen teilhaben zu lassen. Fantastisch! Deine ausführlichen Beschreibungen zu deinem Equipment sowie Erfahrungen sind top erklärt. Ich bin auf deine Seite gestoßen, da ich auf der Suche nach einem Weitwinkel für meine Canon 60D bin. Auch für mich ist ein Bildstabilisator hier sehr wichtig, da ich viel aus der Hand fotografiere. Leider habe ich aus beruflichen Gründen sehr wenig Zeit für mein Hobby. Aber ich bin sicher, ich kann hier noch viel lernen, obwohl ich schon seit mehr als 30 Jahren fotografiere, schon zu Zeiten der Analogfotografie.
    Herzliche Grüße und vielen Dank für die tolle Website.
    Monika

  5. Nutzer Avatar

    Hallo,

    zum Kontrastausgleich verwende ich wenn möglich und ich Muse dazu habe Grau-Verlauffilter. Blichtungsreihen sind meist nur eine Notlösung und haben oft den Nachteil, daß bei Wind die Aufnahmen oft nicht deckungsgleich sind, weiß sich Gras und Laub bewegt haben. In HDR-Programmen entstehen so Geisterbilder die selten einfach zu vermeiden sind. Selbst bei der Bearbeitung mit Luminanzmasken in Photoshop braucht man viel Erfahrung und es ist dennoch recht zeitaufwändig. Deswegen favorisiere ich hier die klassischen Graufilter.

    LG
    Bernd

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