Die optimale Planung für Landschaftsfotografie in 7 Schritten

Für die Landschaftsfotografie ist eine gute Planung unerlässlich. Jeder kennt das: Du verreist und packst die Kamera ein, aber nach der Reise hast du das Gefühl, die Zeit dort nicht optimal genutzt zu haben. Du hättest irgendwie mehr herausholen können. Heute möchte ich dir zeigen, wie du dich optimal für die Landschaftsfotografie vorbereitest und so die besten Ergebnisse erzielst.

Zeit sparen und optimal vorbereitet sein

Ziel dieses Beitrags ist, dass du die Zeit vor Ort bestmöglich nutzen kannst. Ich zeige dir, was du alles berücksichtigen solltest, mit welchen Websites und Apps ich für die Planung arbeite und wie du dich auch vor Ort noch vorbereiten kannst.

1. Der grundlegende Schritt: Berücksichtige die Jahreszeiten

Für fast jede Location gibt es eine optimale Jahreszeit, um diese zu fotografieren. Damit will ich nicht sagen, dass man an Ort X nur im Frühling fotografieren darf. Was optimal bedeutet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich fahre beispielsweise nächste Woche in das Bodetal. Es handelt sich dabei um ein Flusstal, das von steilen Felsen umgeben ist. An den Hängen wachsen viele Bäume. Dieser Ort ist auch im Frühling reizvoll, aber wenn die Bäume ihre herbstliche Färbung anlegen, dann ist es für mich die optimale Zeit. Ich habe auch irgendwann festgestellt, dass es sich für mich nicht lohnt, im Winter dort zu fotografieren, weil die Bilder denen aus Herbst oder Frühling hinterherhinken. Ich kann also sagen, dass der Herbst für das Bodetal für mich die beste Zeit ist.

Herbst im Bodetal bei Thale

Herbst im Bodetal bei Thale

Wenn du diese Planung noch etwas weiter spinnst, dann kannst du dir das kommende Jahr Locations aussuchen. Danach kannst du dann auch planen, zu welcher Jahreszeit du welche Locations besuchst und gewissermaßen eine Jahresplanung aufstellen.

2. Die besten Locations vor Ort finden: Fotoseiten, Google Maps und Google Earth nutzen

Der nächste Schritt für mich bei der Vorbereitung einer Fototour ist nun die richtigen Locations zu finden. Ich nutze dafür Fotoseiten und – Communites wie DeviantART, Fotocommunity, 500px und Flickr. Dort gebe ich in der Suchfunktion den Ort ein (Land, Region, Strand oder Gebirge probieren) und schaue mir die besten oder populärsten Fotos an. Danach schaue ich auf Google Maps, wo die Fotos aufgenommen sind.

Google Maps

Google Maps

Tipp: Google Earth nutzen

Ich schaue mitunter lieber die Fotos in Google Earth an, als die Fotocommunities durchzugehen. Das liegt daran, dass dort eher Schnappschüsse zu finden sind. Ich will ungern das gleiche Foto noch einmal machen, was jemand anderes bereits geschossen hat.

Genau das kann aber passieren, wenn ich mir zu viele Fotos in den Fotocommunities anschaue. Daher schaue ich mir lieber die Schnappschüsse in Google Earth an, um trotzdem Eindrücke der Locations zu bekommen und am Ende möglichst unvorbelastet dorthin zu reisen. Eine Mischung aus beidem ist hier der gesunde Mittelweg.

Google Earth

Google Earth

Exkurs – Planung für Architekturfotografie: Mimoa

Für Städte- und Architekturfototouren gehe ich im Prinzip ganz ähnlich vor. Aber es gibt noch eine weitere Seite, die sich für Architekturfotografie lohnt: www.mimoa.eu. Mimoa steht für Minimal Modern Architecture und ist damit genau der Architekturstil, den ich mag. Hier lässt sich nach der jeweiligen Stadt suchen. Man bekommt dann eine Liste, welche Gebäude von anderen Nutzern für diese Stadt bereits eingepflegt wurden. Zu fast jedem Gebäude gibt es drei Bilder, sodass man gleich einen Eindruck bekommt.

Unabhängig davon, ob ich eine Landschafts- oder Architekturfototour mache, habe ich nun eine Liste von Locations, die ich fotografieren möchte.

3. Den optimalen Zeitpunkt für eine Location finden

In der Landschaftsfotografie reden wir oft davon, dass zum Sonnenauf-, Sonnenuntergang und während der blauen Stunde das beste Licht ist. Doch auch bei bewölktem Himmel und Langzeitbelichtungen ist es wichtig zu wissen, wo die Sonne steht.

Sicherlich kennst du das Sprichwort: Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen.

Dies liefert den ersten Anhaltspunkt, wann sich welche Location lohnt.

Bei gründlicher Recherche im vorherigen Schritt mit Google Maps weißt du bereits, wo die Location liegt und in welche Richtung du dabei ungefähr fotografieren wirst. Nun musst du dir Gedanken machen, ob du hier mit Seitenlicht, Licht im Rücken oder gegen die Sonne fotografieren willst.

Sonnenaufgang am Cap Formentor

Sonnenaufgang am Cap Formentor

Ich persönliche fotografiere gern vor Sonnenaufgang / nach Sonnenuntergang in Richtung Sonne. Die Sonne ist dann unter dem Horizont und strahlt im Optimalfall von unten gegen die Wolken. Diese Konstellation hat großes Potential für tolle Farben im Himmel. Es gibt aber auch Locations, die mehr von Seitenlicht oder Licht hinter mir profitieren.

The Photographers Ephemeris

Um eine genauere Vorstellung zu bekommen, nutze ich das Tool The Photographer’s Ephemeris (kurz TPE). Es ist sowohl über die Website als auch als App zu erreichen. Das Programm basiert auf Google Maps. Hier lässt sich eine Location und ein Datum angeben. Nun sehe ich, aus welcher Richtung das Licht bei Sonnenaufgang und aus welcher Richtung es bei Sonnenuntergang kommt.

The Photographer's Ephemeris

The Photographer’s Ephemeris

Hier wird auch klar, dass je nach Jahreszeit der Sonnenaufgang nicht exakt im Osten ist, sondern sich im Frühling nach Nordosten und Winter nach Südosten verschiebt. Genauso verhält es sich mit dem Sonnenuntergang: Im Juni ist die Sonne beim Untergehen mehr im Nordwesten, im Dezember mehr im Südwesten.

In The Photographers Ephemeris lassen sich darüber hinaus auch die Mondphasen einsehen und so für die eigenen Bilder berücksichtigen.

Aufteilung nach Sonnenauf- und Sonnenuntergang

Nach der Planung mit TPE teile ich nun meine Locations nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf. Bei einer Reise an die Küste wie beispielsweise nach Rügen habe ich dann Locations im Osten für Sonnenaufgang vorgemerkt, während die Locations im Westen für Sonnenuntergang auf dem Plan stehen.

Tipp: Zeiten zum Sternenhimmel fotografieren

Wenn du Sternenhimmel oder Startrails fotografieren willst, dann siehst du in TPE auch die Zeiten für die verschiedenen Phasen der blauen Stunde (Civil Twilight, Nautical Twilight, Astronomical Twilight). Als Faustregel gilt: Wenn du Nachtaufnahmen ohne das Restlicht der Sonne machen willst, dann kannst du erst ab zwei Stunden nach Sonnenuntergang fotografieren und musst zwei Stunden vor Sonnenaufgang fertig sein.

Startrails über dem Mittelmeer

Startrails über dem Mittelmeer

4. Alles zusammenfügen – Locations und Route planen

Nun hast du eine Liste von Locations und weißt, ob du diese bei Sonnenauf-, Sonnenuntergang oder vielleicht auch nachts fotografieren willst. Dementsprechend kannst du eine Route für deine Reise festlegen oder wenn möglich eine zentrale Unterkunft buchen, von der du alle Orte innerhalb einer Stunde erreichen kannst.

5. Planung vor Ort – Postkarten und Kalender

Selbst wenn du bereits bei Ankunft deiner Reise gut vorbereitet bist, kann der folgende Schritt für dich hilfreich sein: Geh in den nächsten Kiosk und sieh dir dort Postkartenmotive an. So findest du Bilder von lokalen Fotografen und vielleicht die ein oder andere Location, die du noch nicht kanntest. Wenn es ein größerer Kiosk ist, findest du vielleicht sogar Kalender. Notier dir die Locations und schau dann auf dem Handy in Google Maps, ob sich die Orte in deine Planung einbauen lassen.

6. Wettervorhersagen nutzen, um den Tag optimal zu planen

Ich bin kein Freund davon, zuhause die Wettervorhersage anzuschauen und dann erst zu entscheiden, ob ich losfahre. Die heutige Wettervorhersage ist maximal für den nächsten Tag aussagekräftig. Vielfach ist es auch einfach Glück, ob das Licht mitspielt oder nicht. Daher kann die einzige Taktik nur sein, so oft wie möglich Zeit draußen zu verbringen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, an der Location zu sein, wenn dort dann auch spannendes Licht ist.

WeatherPro

WeatherPro

Smartphone mit Google Maps und WeatherPro ist unerlässlich

Auf Fototouren komme ich sehr gut ohne Computer aus, aber ich bin froh, ein Smartphone mit Internetverbindung zu haben. Selbst wenn es nur das WLAN in der Unterkunft ist. Vor Ort ist die wichtigste Information die Wettervorhersage. Nachdem ich einige Wetter-Apps getestet habe, bin ich mittlerweile bei WeatherPro gelandet. Damit lassen sich Wettervorhersagen anzeigen, bei denen der Tag in drei-Stunden-Blöcke aufgeteilt ist. Diese Genauigkeit reicht für mich aus, um mir auszusuchen, welche Location ich wann fotografiere. Hilfreich ist zudem das Niederschlagsradar der App von Wetter.com.

7. Tagsüber scouten

Wie ich oben schon geschrieben habe, nutze ich oft das Licht bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang zum Fotografieren. Das bedeutet also etwa zwei Stunden morgens und zwei Stunden abends. Und die restliche Zeit? Tagsüber schaue ich mir die Locations an, die ich auf meiner Liste habe. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn das Licht mal nicht optimal ist. Oft habe ich dabei keine Kamera oder zumindest kein Stativ dabei. Es ist aber deshalb so wichtig, damit ich mir bereits Gedanken über die Bildkomposition und das optimale Licht machen kann. Denn bei all der Vorbereitung kommt es vor Ort manchmal vor, dass eben doch Licht aus Westen besser passen würde als aus dem Osten. Den Tag verbringe ich also mit Locations anschauen, damit ich dann zu den richtigen Zeiten gut vorbereitet bin. Diesen Vorgang nenne ich scouten.

Mallorca, Cap Formentor

Dieses Bild ist während einer Scouting Tour entstanden – manchmal passt das Licht auch dann.

Location kennen, bevor man erstmals den Sonnenaufgang dort fotografiert

Was ich ebenfalls gelernt habe: Ich fotografiere zum Sonnenaufgang nur noch an Locations, die ich mir vorher schon angesehen habe. Grund ist, dass ich nach dem Scouten, weiß:

  • Ob sich die Location lohnt
  • Welches Licht das Beste ist
  • Wie lange ich brauche, um dorthin zu gelangen

Üblicherweise bin ich eine Stunde vor Sonnenaufgang an der Location, um in Ruhe die Natur wahrnehmen zu können, mein Equipment aufzubauen und das Licht beobachten zu können. Wenn ich aber vorher noch nicht weiß, dass ich von der Unterkunft zur Location erst einmal zwei Stunden brauche, dann gerate ich in Stress und verpasse vielleicht das beste Licht.

Zusammenfassung

Die einzelnen Schritte zum Schluss noch einmal zusammengefasst:

  1. Jahreszeiten berücksichtigen
  2. Fotoseiten, Google Maps und Google Earth nutzen
  3. Mithilfe von The Photographers Ephemeris die Locations nach Sonnenauf- und Sonnenuntergang einteilen
  4. Locations und Route planen
  5. Postkarten und Kalender vor Ort anschauen
  6. Wettervorhersagen nutzen
  7. Tagsüber scouten

Nun bist du gut vorbereitet, um auf deinen nächsten Reisen und Fototouren die Zeit optimal für die Landschaftsfotografie einsetzen zu können.

Wenn der Beitrag für dich hilfreich war, dann freue ich mich, wenn du diesen teilst oder mir hier einen Kommentar schreibst. Wenn du Anregungen hast, wie du in der Planung vorgehst oder noch genauere Apps kennst, dann freue ich mich ebenfalls über einen Kommentar.

Ich hoffe dieser Artikel war für dich hilfreich. Wenn du möchtest, kannst du deine E-Mail Adresse da lassen. Dann schicke ich dir jedes Mal, wenn ich einen neuen Blogbeitrag online stelle, eine kurze Notiz.

4 Kommentare

  1. Hallo Matthias

    Herzlichen Dank für diesen Beitrag, ich mache mir ähnliche Gedanken für die Vorbereitung meiner Fotosessions.

    Betreffend Sonnenstand nutze ich oft Google Earth und blende den Schieberegler für den Sonnenstand ein.

    Um den Sonnenstand einer Locations zu prüfen, nutze ich das App Sun Surveyor (http://www.sunsurveyor.com/).

    Schöne Zeit und immer gut Licht

    Gusti

    • Hallo Gusti,

      stimmt, Google Earth geht natürlich mittlerweile auch. Danke dir für den Tipp mit der App, werde ich mal ausprobieren!

      Liebe Grüße und ebenfalls gut Licht,

      Matthias

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