Polfilter – Der ultimative Guide 2017

Was ist ein Polfilter?

Ein Polfilter ist ein Filter, der in der Fotografie eingesetzt wird, um Licht zu polarisieren. Er dient dazu, Spiegelungen von nichtmetallischen Oberflächen zu entfernen. Polfilter ist eine abgekürzte Schreibweise für Polarisationsfilter.

Polfilter Pro1 Digital von Hoya

Polfilter Pro1 Digital von Hoya

Meine Empfehlungen für Polfilter

Hier gibt es einen sehr detaillierten Artikel über Polfilter. Wenn du nicht alles lesen willst, sondern eine kurze Empfehlung für einen Filter suchst, dann wirf einen Blick auf die folgende Tabelle:

Hama
Kleines Budget
Einsteiger
günstig
brauchbare Qualität
Preis anzeigen
B+W
Großes Budget
Profi
maximale Qualität
robust + langlebig
Preis anzeigen

Wie funktioniert ein Polfilter?

Licht schwingt naturgemäß dreidimensional. Lichtstrahlen werden von einer Lichtquelle ausgesendet, von anderen Gegenständen reflektiert und von manchen Oberflächen auch absorbiert. Wenn sich Lichtstrahlen durch den Raum bewegen, schwingen sie also dreidimensional. Ein Polfilter sorgt dafür, dass Licht nicht in mehreren Ebenen schwingt. Er transformiert es so, dass es nur auf einer Ebene schwingt. Die Kollegen von www.3d-brillen.de haben dankenswerterweise dazu eine schöne Grafik erstellt.

Funktionsweise eines Polfilters

Funktionsweise eines Polfilters

Bevor das Licht auf den Polfilter trifft, schwingt es in allen möglichen Ebenen, nach dem Filtern schwingt es nur noch in einer Ebene. Jeder Polfilter lässt sich drehen, um die Richtung und den Grad der Polarisierung einzustellen.

Wie sieht der Unterschied mit und ohne Filter aus?

An den folgenden Beispielbildern siehst du den Effekt mit und ohne Filter.

Beispiel 1

Beispiel 2

Beispiel 3

Im dritten Beispiel ist ein Motiv aus dem Ilsetal im Harz zu sehen. Hier werden die Reflektionen des Himmels auf der Wasseroberfläche und auf den Pflanzen wunderbar entfernt, was zu kräftigeren Farben und mehr Details im Wasser führt. Helle Stellen im Wasser, die sonst ausfressen, werden dabei etwas gedämpft. Der Nebel wird ganz leicht reduziert.

Wozu braucht man einen Polfilter?

Ein Polfilter wird in der Fotografie immer dann eingesetzt, wenn man Reflektionen entfernen will. Folgende Szenarien sind gebräuchlich:

Reflektionen auf einer Brille entfernen

Wenn dein Model bei einem Portraitshooting eine Brille trägt, dann willst du normalerweise trotzdem die Augen gut im Bild festhalten können. Mit einem Polfilter kannst du die Spiegelungen der Umgebung auf der Brille entfernen.

Durch die Wasseroberfläche fotografieren

Wenn du beispielsweise in einem Park die Fische in einem Teich fotografieren willst, dann spiegelt sich auf der Wasseroberfläche oft der Himmel. So sind die Fische auf dem Foto kaum zu sehen. Mit einem Polfilter kannst du die Reflektionen des Himmels auf der Wasseroberfläche fast vollständig eliminieren, sodass du die Fische viel besser aufs Bild bekommst. Natürlich müssen es nicht immer Fische sein, auch Felsen oder Wasserpflanzen können von Interesse sein.

Bodefälle bei Braunlage

Bodefälle bei Braunlage

Farben in der Landschaftsfotografie verstärken

Besonders an trüben Tagen sehen die verschiedenen Grüntöne in der Natur oft sehr ähnlich aus. Mit einem Polfilter kannst du hier strahlende Farben erzeugen. Was ist der Grund dafür? Auch auf den Blättern spiegelt sich der Himmel wider. Die Oberfläche spiegelt nicht so sehr wie beispielsweise Wasser, aber das Weiß des Himmels wird auch hier reflektiert. Dadurch sind die Grüntöne nicht so stark wie an einem sonnigen Tag. Durch einen Polfilter kannst du also die Reflektionen entfernen und so sehr farbintensive Bilder erzeugen. Dieser Effekt lässt sich in fast allen Bereichen der Naturfotografie einsetzen. Je nach Lichtsituation lässt sich auch Dunst mit einem Polarisationsfilter abschwächen.

Sonnenaufgang am Cap Formentor

Mallorca 07

Das Blau des Himmels verstärken

Wenn sich dein Motiv in einem Winkel von 90° zur Sonne befindet, dann kannst du mit einem Polfilter das Blau des Himmels deutlich verstärken. In Kombination mit dem letzten Punkt lassen sich so tolle Farben nur mit Hilfe dieses Filters erreichen.

Wann lohnt es sich, einen Polfilter einzusetzen?

Ich setze diesen Filter oft dann ein, wenn ich an einem bewölkten Tag in Flusstälern im Wald fotografiere. Hier treten drei Effekte ein:

  1. Die Farben im Wald werden wesentlich satter, weil die Reflektion des Himmels auf den Blättern verschwindet.
  2. Die Reflektionen auf der Wasseroberfläche verschwinden und das Wasser erscheint dunkler.
  3. Weil der Filter Licht schluckt, verlängert sich die Belichtungszeit. So kann ich oft ohne ND Filter den Bach länger belichten, was die Strukturen im Wasser vereinfacht und einen surrealen Effekt durch längere Belichtung erzeugt.

Was ist der Unterschied zwischen Linear und Zirkular?

Ich könnte jetzt den physikalischen Hintergrund dazu erklären, aber eigentlich musst du nur wissen: Für analoge Fotografie kannst du beide Varianten einsetzen, für digitale Fotografie musst du einen zirkularen Polfilter nutzen.

Das Bodetal im Herbst

Bodetal Autumn 20

Was musst du beachten, wenn du einen Polfilter kaufen willst?

Als Erstes musst du wissen, mit welchem deiner Objektive du den Polfilter nutzen willst. Oft kommt dein Standardzoom, also beispielsweise das 18-55mm in Frage. Hier kannst du am Objektiv oder in der Objektivbeschreibung ablesen, welchen Filterdurchmesser dein Objektiv hat. Übliche Größen sind 49mm, 52mm, 58mm, 62mm, 67mm, 72mm, 77mm und 82mm. Dann brauchst du einen Polfilter in genau dieser Größe.

Tipp: Filter mit unterschiedlichen Objektiven nutzen

Wenn du mehrere Objektive besitzt, für die du deine Filter nutzen willst, dann haben deine Objektive oft unterschiedliche Filterdurchmesser. Du kannst für jedes Objektiv einen eigenen Filter kaufen. Alternativ kannst du mit einem Step-Up-Ring arbeiten. Dabei solltest du den Filter für das Objektiv mit dem größten Filterdurchmesser kaufen. Mit dem Step-Up-Ring hast du dann einen Adapter zwischen den unterschiedlichen Filtergewindedurchmessern. Ein Step-Up-Ring kostet oft nur ein Bruchteil eines neuen Filters.

Step-Up-Ringe

Step-Up-Ringe

Dieser Tipp gilt prinzipiell für alle Filter in der Fotografie, wie beispielsweise ND Filter oder Grauverlaufsfilter. Wenn mir das damals zu Beginn meiner Fotografie klar gewesen wäre, dann hätte ich gleich für 77mm Filter gespart und nur diesen gekauft. Für meine Objektive mit kleineren Filterdurchmessern hätte ich dann mit Step-Up-Ringen gearbeitet. So hatte ich einen Polfilter für 58mm, einen für 52mm, einen für 49mm und einen für 67mm. Das bedeutete Extrakosten, die ich mit Step-Up-Ringen hätte einsparen können.

Polfilter gibt es von den verschiedensten Herstellern, beispielsweise Hoya, B&W, Hama, Heliopan, Haida, Lee, Cokin, Zeiss, Käsemann und Rodenstock.

Filter von B+W und Hoya

Filter von B+W und Hoya

Weiter unten gibt es einen Vergleich, welche Polfilter ich bereits genutzt habe und welche davon ich empfehlen würde.

Schraub- und Steckfilter

Wie viele andere Filtern in der Fotografie gibt es Polfilter als Schraub- oder Steckfilter. Steckfiltersysteme sind besonders bei Grauverlaufsfiltern üblich, da diese in der Höhe verschiebbar sein müssen. Für solche Systeme wie von Cokin, Hitech oder Lee gibt es Polarisationsfilter, die im Filterhalter platziert werden und sich dann drehen lassen.

Beim Polfilter bin ich ein Freund von Schraubfiltern. Ich nutze in meiner Fotografie selten Steckfilter. Bei einem schlecht abgedichteten Steckfiltersystem kann von außen Licht auf die Filter fallen, was sich dann in den Bildern in flauen Kontrasten oder Lichtlecks bei Langzeitbelichtungen zeigt. Das kann bei Schraubfiltern nicht passieren.

Levels

Levels – Belichtung im Bodetal(Harz) mit Pol- und ND Filter

Canon oder Nikon Kamera – muss ich etwas Bestimmtes beachten?

Einen Polfilter kannst du unabhängig vom Hersteller deiner Kamera kaufen. Es spielt also keine Rolle, ob du Canon, Nikon oder Olympus nutzt.

Fotografieren mit dem Polfilter – Anwendung – So nutzt du den Filter optimal

Ein Polarisationsfilter hat abhängig vom Lichtstand immer einen Bereich, in dem er besonders stark wirkt. Wenn es dir um einen dunkelblauen Himmel geht, dann sollte sich dein Motiv in einem Winkel von 90 Grad zur Sonne befinden.

Polfilter Wirkungsgrad

Polfilter Wirkungsgrad

Das bedeutet also beispielsweise bei Sonnenuntergang, dass die Sonne zu deiner linken oder rechten Seite stehen sollte. Dann hast du auf deinem Motiv Seitenlicht und kannst mit einem Polfilter den Himmel dahinter optimal abdunkeln.

Ein lauer Sommernachmittag in der Nähe von Dessau.

Diving Tree

Die 90 Grad Regel gilt natürlich auch dann, wenn die Sonne zur Mittagszeit direkt senkrecht über dir steht. Dann hast du am Horizont die stärkste Polarisierung.

Polfilter wirken natürlich auch in anderen Winkeln, aber bei weitem nicht so stark. Wenn du etwa gegen die Sonne oder mit der Sonne im Rücken fotografierst, wirst du fast keinen Effekt mit diesem Filter erreichen.

Jeder Polfilter lässt sich drehen. Durch die Drehung kannst du die Intensität einstellen. Ich empfehle dir, die Intensität an deinem Bild festzumachen. Denk darüber nach, welche Bildstimmung du erzeugen willst. Wenn du den Filter immer auf die maximale Wirkung drehst, dann hast du knackige, intensive Farben. Aber passt das auch zu deinem Bild? Oder willst du lieber weichere Pastelfarben erzeugen, weil das eher der Bildstimmung entspricht, die du einfangen willst?

Der Effekt des Polfilters ist oft mit nicht maximalem Wirkungsgrad besser platziert.

So kannst du deinen Polfilter optimal reinigen

Um die Oberfläche deines Filters nicht zu beschädigen, solltest du beim Reinigen keine Chemikalien verwenden. Ich empfehle ein weiches Mikrofasertuch. Von Hama gibt es den Lenspen, der sich ebenfalls gut nutzen lässt. Hartnäckige Fingerabdrücke konnte ich mit Hama Optikpapier gut entfernen. Für wirklich grobe Verschmutzungen sollte ein nasses Tuch ohne Seife eine gute Wahl sein.

Hama Lenspen

Hama Lenspen

Kann ich einen Polfilter in der Nachbearbeitung erzeugen?

Der Polfilter ist einer der wenigen Filter, der sich nicht in der Nachbearbeitung erzeugen lässt. Dahinter steht wie oben erläutert ein physikalisches Prinzip, was sich nicht durch Photoshop ersetzen lässt. Deshalb ist dieser Filter für mich neben dem ND Filter und Infrarotfilter einer der Filter, die ich immer nutzen werde.

Wie viel Licht schluckt dieser Filter?

Ein Polfilter lässt durch seine Funktion weniger Licht zum Sensor durch. Als Faustregel gilt, dass er etwa zwei Blenden Licht schluckt. Das kann ein Nachteil sein, weil du je nach Lichtsituation dann mit dem Stativ arbeiten oder deine ISO erhöhen musst. Andererseits kann es auch ein Vorteil sein, wenn das Motiv vielleicht bei einer etwas längeren Belichtung besser zur Geltung kommt.

Sommer im Bodetal bei Thale

Thale 05

Kann ich einen Polfilter auf allen Objektiven einsetzen?

Prinzipiell gibt es hier keine Einschränkung. Du kannst Polfilter also auf allen Objektiven nutzen, die ein Filtergewinde besitzen.

Kann ich einen Polfilter immer auf dem Objektiv lassen?

Ja das kannst du, ich würde es aber nicht empfehlen. Wie oben beschrieben, schluckt der Polfilter Licht. Dein Bild wird also abgedunkelt, was zu längeren Belichtungszeiten führt. Der Effekt dieses Filters ist auch nicht in allen Situationen erwünscht. Ich empfehle daher, diesen Filter nur dann einzusetzen, wenn du ihn wirklich brauchst.

Wieso du Polfilter bei Weitwinkelobjektiven nicht nutzen solltest

Wie bereits erwähnt, dunkelt der Filter blauen Himmel noch weiter ab. Dieses Verhalten wirkt am besten in einem Winkel von 90 Grad zur Sonne. Mit einem Weitwinkelobjektiv hast du einen großen Bildwinkel auf deinen Fotos. So kann es passieren, dass ein Teil des Himmels durch den Polfilter abgedunkelt ist, während der restliche Teil normal erscheint. Das sieht sehr unnatürlich aus.

Hiddenseeer Leuchtturm mit Polfilter

Hiddenseeer Leuchtturm mit Polfilter

Ich nutze den Polfilter beim Weitwinkel deshalb nie, um damit den Himmel abzudunkeln. Dafür nutze ich Grauverlaufsfilter oder mache mehrere Belichtungen, die ich dann in der Nachbearbeitung zusammensetze. Mehr Infos dazu, wie ich meine Landschaftsfotos nachbearbeite, gibt es hier.

Warum ich von günstigen Filtern abrate

Manche Fotografen geben 800 Euro für ein gutes Objektiv aus und sparen dann am Polfilter, indem sie einen für 10 Euro kaufen. Das Problem ist: Das Licht muss durch diesen Filter hindurch, wenn es auf dem Weg zum Sensor ist. Wenn du einen schlechten Filter kaufst, dann kann sich das negativ auf deine Bildqualität auswirken. Dann hat sich das viele Geld für das scharfe Objektiv nicht gelohnt. Es ist also wenig sinnvoll, am falschen Ende zu sparen.

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Filter zu fest angezogen? So löst du ihn wieder.

Besonders bei einem Polfilter kann es passieren, dass du diesen zu fest anschraubst und er sich dann nicht mehr vom Objektiv lösen lässt. Du kannst es mit Fingerspitzengefühl probieren. Wenn das nicht klappt, dann gibt es dieses hilfreiche Werkzeug.

Filterzange

Filterzange

Polfilter Test & Vergleich – welches ist der Beste?

In den letzten 12 Jahren habe ich verschiedenste Polfilter benutzt. Angefangen habe ich mit Hama, dann hatte ich einen Hoya und für mein Weitwinkel einen B&W. Meinen Polfilter Test habe ich nach Budget sortiert, wobei der Hoya Pro1 das für mich beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat.

Einsteiger

Für den ersten Polfilter kann man Hama benutzen. Hama stellt selbst keine Filter her, sondern kauft bei anderen Herstellern ein und labelt die Filter danach. So kann man nie genau sagen, von welchem Hersteller der Filter wirklich ist. Es kann sich aber auch ein Hoya Filter dahinter verbergen.

Fortgeschritten

Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten die Filter von Hoya. Besonders die Pro1 Serie ist unter Landschaftsfotografen beliebt.

Profi

Wer einen Polfilter sucht, der maximale Qualität liefert, wird bei B+W fündig. Die Stärke der Polarisation unterscheidet sich nach meinen Erfahrungen nicht von den Hoyas. Laut den Erfahrungen anderer Fotografen sind die Filter jedoch noch robuster konstruiert.

Hama
Kleines Budget
Einsteiger
günstig
brauchbare Qualität
Preis anzeigen
B+W
Großes Budget
Profi
maximale Qualität
robust + langlebig
Preis anzeigen

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7 Kommentare

  1. Heinz Gerlich

    Hallo Matthias, wieder mal ein interessanter Artikel von Dir, der mich auch wieder um einige Erkenntnisse weiter gebracht hat.

    Viele Grüße
    Heinz

  2. Ralf Brumann

    Sehr Lehrreich, und sehr verständlich geschrieben.
    Mach weiter so.
    Viele grüße Ralf

  3. Danke für den tollen Artikel. Hat mir sehr geholfen, die Zusammenhänge zu verstehen!!!

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