Stativ für die Fotografie: Der ultimative Guide [2017]

Im heutigen Artikel zeige ich dir, auf was du achten solltest, wenn du dir ein (neues) Stativ zulegen willst.

Ein Rat gleich zu Beginn: Nimm kein billiges 20 Euro Stativ, denn dann wirst du ein halbes Jahr später nach einem neuen Ausschau halten. Ein Stativ wirst du im Normalfall über mehrere Jahre nutzen, deshalb lohnt es sich hier ein wenig mehr Budget einzuplanen. Meine Empfehlungen weiter unten bewegen sich in der Preisspanne zwischen 100 und 220 Euro.

Wozu brauche ich ein Stativ?

Du liest diesen Guide bestimmt, weil du über den Kauf eines Stativs nachdenkst. Vielleicht hast du deine Spiegelreflexkamera schon eine Weile und willst jetzt mehr vom Stativ aus fotografieren. Vielleicht denkst du auch über den Kauf einer neuen Kamera nach und willst gleich ein Stativ dazu kaufen. Dann könnte übrigens mein Beitrag über eine Spiegelreflexkamera für Einsteiger für dich interessant sein.

Mein Equipment mit Kamera, Stativ und Fotorucksack im Torrent de Pareis auf Mallorca

Mein Equipment mit Kamera, Stativ und Fotorucksack im Torrent de Pareis auf Mallorca

Doch wann ist ein Stativ überhaupt sinnvoll? Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn du bei wenig Licht fotografierst und deine Aufnahmen sonst verwackeln würden. Doch wie stellst du die Grenze fest, ab wann deine Fotos verwackelt sind?

Die Eins-durch-Brennweite-Faustregel

Als Leitsatz gilt: Ohne Stativ kannst du maximal 1/Brennweite halten.

Ok, jetzt wird es etwas technisch. Welche Brennweite du nutzt, kannst du an deinem Objektiv ablesen. Ein 18-55mm Objektiv hat die Brennweite 18-55mm, je nachdem, ob du herangezoomt hast oder nicht. Welche Brennweite du gerade nutzt, kannst du vorne am Objektiv ablesen.

Je nachdem, welchen Modus deiner Kamera du nutzt (z.B. A, P, AV, TV oder M) siehst du, wenn du den Auslöser halb durch drückst, deine Belichtungszeit im Sucher eingeblendet. Das kann beispielsweise 1/200 Sekunde sein, 1/50 Sekunde oder auch 1/10 Sekunde. Der Zeitraum von 1/200 Sekunde ist viel kürzer als 1/10 Sekunde. Bei 1/200 Sekunde ist die Wahrscheinlichkeit, dass du dein Bild verwackelst, viel geringer als bei 1/10 Sekunde.

Je länger die Belichtungszeit, umso wahrscheinlicher ist es, dass du dein Bild ohne Stativ verwackelst. Wenn du also beispielsweise ein Bild mit der Brennweite 50mm fotografierst, dann kannst du maximal 1/50 Sekunde verwacklungsfrei ohne Stativ aufnehmen. Hast du eine Belichtungszeit von 1/25 Sekunde, wird das Bild wahrscheinlich verwackelt. Hast du eine Belichtungszeit von 1/100 Sekunde mit dieser Brennweite, dann bekommst du wahrscheinlich ein scharfes Bild.

Objektive oder Kameras mit Bildstabilisator helfen hier natürlich noch ein Stückchen nach. Mit Bildstabilisator kannst du ein Bild mit einem 50mm Objektiv noch bei einer Belichtungszeit von 1/10 Sekunde halten.

Ein Stativ brauchst du also immer dann, wenn du bei wenig Licht fotografierst oder auch ganz gezielt Langzeitbelichtungen machen willst. In den meisten Fällen kommt ein Stativ in der Landschaftsfotografie und in der Architekturfotografie zum Einsatz.

Schwere Stürme bei Cabo da Roca, Portugal.

Portugal 2

Passt jede Kamera auf jedes Stativ?

Die Stativanschlüsse sind bei digitalen Spiegelreflex-, spiegellosen Kameras und auch Kompaktkameras mittlerweile genormt. Man kann also sagen, dass die gebräuchlichen Kameras auf jedes gebräuchliche Stativ passen. Hier musst du nichts Besonderes beachten.

Das für mich wichtigste Kriterium: Gewicht

Das ideale Stativ ist immer ein guter Kompromiss aus Eigengewicht und Stabilität. Ein 200 Gramm Stativ wird in den seltensten Fällen stabil sein, während ein 5 kg Stativ zwar fast immer stabil ist, aber eben auch schwer. Die von mir weiter unten empfohlenen Stative wiegen zwischen 1,4 kg und 2,7 kg.

Entstehung einer Langzeitbelichtung am Cap Formentor, Mallorca

Entstehung einer Langzeitbelichtung am Cap Formentor, Mallorca

Welche Höhe ist nötig?

Spannend wird es bei der Frage, wie groß denn das Stativ sein sollte. Das ist von deiner Körpergröße abhängig. Dein Stativ sollte so groß sein, dass du ohne ausgezogene Mittelsäule relativ bequem durch den Sucher schauen kannst. Auf diese Weise kannst du bequem fotografieren und dich auf deine Bildkomposition konzentrieren, ohne dich dabei verrenken zu müssen.

Drehverschlüsse oder Klemmverschlüsse

Um die Beine deines Statives auszuziehen und dann zu fixieren, sind bei jedem Stativ gewisse Verschlüsse verbaut. Meist kommen hier Klemmverschlüsse zum Einsatz. Du hast jedoch beim Kauf auch die Wahl, ein Stativ mit Drehverschlüssen zu erwerben. Ich habe Stative mit beiden Verschlüssen genutzt und ich kann nicht sagen, dass ich einen bestimmten Favoriten hätte.

Klemmverschlüsse

Klemmverschlüsse

Natürlich ist es schwerer, sich am Drehverschluss die Finger zu klemmen. Manche Kollegen sagen, dass sie Stative mit Drehverschlüssen schneller aufbauen können, aber bei der Arbeit mit einem Stativ ist mir die zwei Sekunden längere Aufbauzeit nicht so wichtig. Meine Meinung: Welche Verschlüsse du nimmst spielt keine Rolle.

Auf die Tragfähigkeit achten

Dagegen spielt eine Rolle, wie viel deine Kamera samt Objektiv wiegt. Jedes Stativ hat eine festgelegte maximale Tragfähigkeit. Diese Tragfähigkeit sollte natürlich über dem Gewicht deines Fotoequipments liegen.

Wenn du nicht auf diesen Wert achtest, kann es passieren, dass sich dein Bildausschnitt während der Belichtung nach unten absenkt. Wenn du das Stativ zu stark belastest, kann es darüber hinaus beschädigt werden.

Regenbogen am Cap Formentor

Der Unterschied bei der Nutzung von Weitwinkel und Teleobjektiven

Eine weitere Faustregel: Für ein Teleobjektiv brauchst du ein stabileres Stativ als für die Arbeit mit einem Weitwinkelobjektiv. Das liegt daran, dass mit der langen Brennweite eines Teleobjektivs die Bilder wieder leichter verwackeln können. Das gilt eben auch für ganz kleine Stupser am Stativ selbst. Oder auch bei Situationen mit starkem Wind. Teleobjektive im Zusammenspiel mit dem Stativ kommen besonders in der Tier- und Sportfotografie zum Einsatz.

Das Packmaß: Die Größe für den Transport (im Flugzeug)

Eine weitere Information findest du ebenfalls bei den Daten deines neuen Statives: Die Angabe zum Packmaß. Diese Zahlen bedeuten, wie groß dein Stativ im zusammengebauten und eingefahrenen Zustand ist. Diese Daten spielen dann eine Rolle, wenn du dein Stativ transportieren willst.

Hier solltest du schauen, ob dein Stativ an deinen Fotorucksack oder in den Koffer für die Flugreise passt. Für den Transport im Flugzeug schraube ich meist den Stativkopf ab und transportiere Stativ und Kopf zwischen meinen Sachen gepolstert im Koffer. Meinen Fotorucksack, einen Lowepro Flipside 500AW, habe ich immer als Handgepäck bei mir.

Meine Fotoausrüstung für die Reise

Meine Fotoausrüstung für die Reise

Die Wahl zwischen Holz, Aluminium und Carbon

Stative werden meist aus drei verschiedenen Materialien gefertigt: Aluminium, Carbon und Holz.

Eigenschaften von Holzstativen:

  • Sehr stabil
  • Sehr schwingungsarm
  • Hohes Gewicht

Eigenschaften von Aluminiumstativen:

  • Geringes Gewicht
  • Angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Robust

Eigenschaften von Carbonstativen:

  • Sehr geringes Gewicht
  • Schwingungsarm
  • Im Winter ohne Handschuhe problemlos nutzbar
  • Hoher Preis
Carbonstativ

Carbonstativ von Manfrotto

Holzstative werden wegen des hohen Eigengewichtes mittlerweile eher weniger genutzt. Deine Entscheidung wird also wahrscheinlich auf Carbon- oder Aluminiumstativ fallen.

Lohnt sich der Aufpreis für ein Carbonstativ?

Wenn du viel zu Fuß mit dem Stativ unterwegs sein wirst, wie beispielsweise in der Landschaftsfotografie, dann kannst du noch einmal etwas Gewicht mit einem Carbonstativ sparen. Im Vergleich zu einem Aluminiumstativ sind es etwa 20-30 % weniger. Carbonstative kosten dafür wesentlich mehr. Dieser Gewichtsunterschied ist mir persönlich den Aufpreis nicht wert. Ich bleibe eher bei meinem Aluminiumstativ und kann dieses auch finanziell problemlos ersetzen, wenn es kaputt gehen sollte. Ein empfehlenswertes Carbonstativ ist das Manfrotto MT190CXPRO4.

Sind Spikes nötig?

Spikes sind kleine Spitzen aus Metall, die sich per Drehmechanismus aus den Stativfüßen ausfahren lassen. Sie sind dann sinnvoll, wenn du öfter auf rutschigem Boden arbeitest. In der Landschaftsfotografie ist das dann der Fall, wenn du dein Stativ auf Schnee, Eis oder Matsch aufstellen willst. Die meisten Stative haben Gummifüße, die auf fast allen Untergründen gut halten. Ich habe in den letzten 10 Jahren keine Situation erlebt, in der ich mir Spikes gewünscht hätte. Für mich sind Spikes demnach kein Entscheidungskriterium.

Gummifüße

Gummifüße am Manfrotto Befree

Ist der Anstellwinkel der Beine wichtig?

Bei einigen Stativen kannst du einstellen, in welchem Winkel sich die Beine anstellen lassen. Dadurch steht das Stativ breiter und somit standfester da. Gleichzeitig ist es dann aber natürlich auch niedriger. Der Anstellwinkel bedeutet also, dass du die Stativbeine weiter abspreizen kannst. Ich nutze dieses Feature an meinem Manfrotto Befree ab und an, wenn ich in sehr windigen Situationen fotografiere. Dann hat das Stativ noch etwas mehr Halt.

Interessant ist dieses Feature auch, wenn du auf eine besonders tiefe Aufnahmesituation aus bist. Viele meiner Bilder sind relativ nah am Boden aufgenommen, die Stativbeine sind gar nicht ausgezogen. Durch eine solche Bildkomposition im Zusammenspiel mit einem Weitwinkelobjektiv lässt sich sehr viel Tiefe im Bild erzeugen. Wenn ich dann durch den Anstellwinkel der Beine noch etwas näher an den Boden und das Motiv heran komme, kann das durchaus hilfreich sein.

Einstellung für den Anstellwinkel der Beine

Einstellung für den Anstellwinkel der Beine

Die Aufnahmehöhe und der Anstellwinkel sind auch für Makrofotografen interessant. Wenn deine fotografische Welt sich also auf Insekten und Pflanzen konzentriert, dann kannst du mit diesem Feature näher an deine Motive herankommen.

Wann lohnt sich eine umklappbare Mittelsäule?

Manfrotto 190 XPROB

Manfrotto MT190XPRO4

Ebenfalls interessant für Makrofotografen ist die umklappbare Mittelsäule. Wie der Name schon sagt, kannst du damit deine gesamte Mittelsäule nicht nach oben, sondern als Art Ausleger seitlich zum Stativ anbringen. Die Mittelsäule lässt sich also um 90 Grad kippen. Das spielt dann eine Rolle, wenn du dein Stativ nicht direkt am Motiv aufstellen kannst, sondern etwas daneben. Mit der umklappbaren Mittelsäule sitzt die Kamera dann nicht zentral über dem Stativ, sondern seitlich davon. Dieses Feature gibt es beispielsweise beim Manfrotto MT190XPRO4.

Lohnt sich die Nutzung des Hakens an der Mittelsäule?

Manche Stative bieten am unteren Ende der Mittelsäule einen Haken. An diesem Haken lässt sich zusätzliches Gewicht am Stativ anbringen, um die Stabilität zu erhöhen. Denkbar ist beispielsweise den Fotorucksack anzuhängen. Ob sich die Stabilität damit wirklich erhöht, hat Traumflieger in einer Studie getestet.

Die Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass es kaum einen Unterschied macht, ob man zusätzliches Gewicht an diesen Haken hängt oder nicht. Aufgrund dieses Tests ist der Haken an der Mittelsäule für mich kein Entscheidungskriterium.

Ein nettes Feature gegen kalte Hände: Die Moosgummi Beschichtung

Wenn du schon einmal ein Stativ hattest, vielleicht aus Aluminium, dann kennst du die Situation im Winter. Unter 0 Grad ist das Material für die Finger sehr kalt. Wenn du das Stativ dann ohne Handschuhe trägst und aufbaust, hast du danach richtig kalte Hände.

Abhilfe dagegen schafft eine Moosgummi Beschichtung. Bei manchen Stativen ist eines der Beine als Tragemöglichkeit damit beschichtet, bei manchen alle drei Beine. Damit werden die Finger beim Hantieren nicht so kalt.

Es ist definitiv nicht nur ein Feature für Warmduscher – Ich kann mich viel besser auf die Fotografie und die Bildkomposition konzentrieren, wenn ich mich dabei wohlfühle. Warme Hände tragen im Winter auf jeden Fall dazu bei.

Gummibeschichtung am Stativbein

Gummibeschichtung am Stativbein

So findest du den richtigen Stativkopf

Im Prinzip setzt sich jedes Stativ grundsätzlich aus dem Dreibein an sich und dem Stativkopf zusammen. Viele Stative werden deshalb mit verschiedenen Köpfen oder generell erst einmal ohne Stativkopf verkauft. Weiter unten gebe ich Tipps zu bestimmten Bundles, die ich als sinnvoll empfinde.

Kugelkopf des Manfrotto Befree

Kugelkopf des Manfrotto Befree

Welche Stativköpfe gibt es?

Kugelkopf

Kugelkopf Manfrotto 496 RC2 Compact

Kugelkopf Manfrotto 496RC2 Compact

Beim Kugelkopf sitzt die Basis des Kopfes in einer Art Gelenk. Oben auf dieser Basis sitzt dann die Kamera. Der Vorteil dieses Kopfes ist die schnelle Einstellbarkeit bei gleichzeitig guter Stabilität. Der Kugelkopf ist der meistgenutzte Stativkopf. Wie fest die Kugel sitzt, lässt sich mit einem Drehregler einstellen. Ein Kugelkopf ist nicht ganz so einfach für exakt ausgerichtete Panoramen zu verwenden, da du beim Verschieben des Bildausschnittes, also beim Lockern der Position, schnell auch die Höhe veränderst. Insgesamt ist es aber der universellste Kopf.

3-Wege-Neiger

3 Wege Neiger

3 Wege Neiger

Mit einem 3-Wege-Neiger kannst du jede Achse getrennt voneinander einstellen. Das ist dann sinnvoll, wenn du deine Bilder und damit die Kameraposition sehr genau ausrichten willst. Dieser Prozess nimmt jedoch mehr Zeit in Anspruch. Wann ist dieser Kopf sinnvoll? Wenn du deine Bilder auf den Millimeter genau ausrichten willst. Das kann bei Reproduktionen von Gemälden sinnvoll sein, oder bei der Architekturfotografie. Immer dann, wenn es auf den Millimeter genau ankommt.

2-Wege-Neiger

2 Wege Neiger

2 Wege Neiger

Ein 2-Wege-Neiger reduziert die Einstellmöglichkeit auf zwei Achsen. Er ist damit eine einfachere Version des 3-Wege-Neigers und wird oft als Videokopf bezeichnet, da er für diesen Zweck gut nutzbar ist. Wenn du also planst, viele Videos zu drehen, dann ist dieser Kopf besonders gut für dich geeignet. Damit lassen sich weiche Kameraschwenks realisieren. Durch das Drehen am langen Hebel lässt sich die Feststellung bedienen. Ich habe unwissentlich einen 2-Wege-Neiger sehr lange für meine Landschaftsfotografie eingesetzt. Insofern ist dieser Kopf auch für Fotografie geeignet.

Getriebeneiger

Getriebeneiger

Getriebeneiger

Der Getriebeneiger ist im Grunde genommen ein 3-Wege-Kopf, bei dem jedoch die Achsen millimetergenau mit einem machanischem Getriebe verstellt werden können. Dementsprechend bietet sich dieser Kopf für sehr feine Einstellungen bezüglich der Kameraposition an.

Panoramakopf

Panoramakopf

Panoramakopf

Wenn du fast ausschließlich Panoramen fotografierst, dann ist ein passender Panoramakopf für dich interessant. Die Besonderheit ist hier eine Gradeinteilung, mit der du die Überlappung für die einzelnen Bilder genau bestimmen kannst. Meist haben Panoramaköpfe eine Wasserwaage integriert, damit du den Horizont genau ausrichten kannst. Beim Aufbau sollte das Stativ damit exakt ausgerichtet werden, damit du keine Verzerrungen im Bild hast. Wenn du nun deine Brennweite genau kennst, kannst du dein Panorama nur anhand der Gradeinteilung aufnehmen, weil du genau ablesen kannst, um wie viel Grad du nach der Aufnahme weiter drehen musst.

Auch für den Stativkopf gilt, dass diese bezüglich des Gewindes genormt sind und so gut wie jeder Kopf auf fast jedes Stativ passt.

Meine Empfehlung zum Stativkopf: Der Kugelkopf – beispielsweise ein Manfrotto 496RC2 Compact. Damit kannst du deine Kamera komplett frei und relativ schnell einstellen.

Kugelkopf Manfrotto 496 RC2 Compact

Kugelkopf Manfrotto 496 RC2 Compact

So transportierst du dein Stativ am besten

Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten, das Stativ bei Wanderungen zu transportieren:

  • In der Hand tragen
  • Mit einer Umhängetasche tragen
  • Am Fotorucksack befestigen

Ich ziehe die dritte Möglichkeit vor, da sich das Stativ so auch über längere Distanzen gut tragen lässt. Hier musst du natürlich beim Kauf eines Fotorucksacks darauf achten, dass sich das Stativ daran gut befestigen lässt. Nicht zu vernachlässigen sind hier auch ergonomische Aspekte wie die Gewichtsverteilung oder dass das Hauptgewicht möglichst nah am Körper getragen wird.

Stativ mit abgeschraubtem Kopf direkt im Fotorucksack

Stativ mit abgeschraubtem Kopf direkt im Fotorucksack

Stativtasche

Stativtasche

Einige Hersteller liefern Taschen zum Stativ direkt mit. Alternativ gibt es auch gepolsterte Taschen zu kaufen.

Langlebigkeit: So wartest du dein Stativ richtig

Der Wartungsaufwand bei Stativen hält sich in Grenzen. Alle paar Jahre ziehe ich die Schrauben der Klemmverschlüsse etwas nach. Theoretisch müsste bei einem Kugelkopf die Schmierung ebenfalls alle paar Jahre erneuert werden, allerdings war das bei mir noch nie nötig.

Wichtiger ist, dass du dein Stativ nach dem Fotografieren in anspruchsvollen Situationen abspülst und trocknen lässt. Dazu zählen Umgebungen mit Sand und Salzwasser. Wenn ich am Meer fotografiere, kommt es immer mal wieder vor, dass ich die Stativbeine direkt im Sand und im Wasser platziere, um meine Bildkomposition hinzubekommen. Abends in der Unterkunft ziehe ich dann die Stativbeine noch einmal voll aus und stelle das Stativ in die Dusche, um es abzuspülen. Damit vermeidest du, dass sich Sand in den Beinsegmenten sammelt und diese beim nächsten Aufbauen aneinander schleifen.

Stativ trocknet nach der Dusche

Stativ trocknet nach der Dusche

Spezielle Stative

Nachfolgend habe ich einige Spezialstative beschrieben, die je nach Anwendung für dich interessant sein könnten.

Spezielle Stative: Gorillapod

Gorillapod

Gorillapod

Eine besondere Form von Stativen ist das Gorillapod. Es hat flexible Beine aus Kunststoff und lässt sich damit an Dingen wie Zäunen oder Bäumen befestigen. Das Gorillapod ist mit etwa 200 Gramm relativ leicht und somit praktisch zum Reisen. Nachteil ist, dass man bezüglich der Kameraposition sehr eingeschränkt ist. Natürlich lässt sich dieses Stativ auch direkt am Boden aufstellen. Die maximale Tragkraft ist 1 kg, es eignet sich also nur für kleinere Kameras.

Spezielle Stative: Mini Stative

Ministativ

Ministativ

Für Situationen auf Geburtstagen oder um mal eben die Kompaktkamera mit einem kleinen Stativ dabei zu haben gibt es die Mini Stative. Diese Stative sind meist nur etwa 10 cm hoch und haben eine geringe Tragkraft. Für ultimativ wenig Gewicht im Zusammenspiel mit einer Kompaktkamera lohnt sich der Blick auf ein Ministativ.

Spezielle Stative: Einbeinstativ

Manfrotto Einbeinstativ

Manfrotto Einbeinstativ

Einbeinstative kommen besonders in der Sport- und Eventfotografie gern zum Einsatz. Hierbei hat man praktisch nur ein Stativbein, um die Kamera abzustützen. Das ist bei längeren Brennweiten von Teleobjektiven sinnvoll. Für Langzeitbelichtungen ist es natürlich nicht geeignet. Vorteile eines Einbeinstativs sind das geringe Gewicht und dass man die Position sehr schnell ändern kann, an der das Stativ benötigt wird.

Tipp: Mittelsäule eingefahren lassen

Bei fast allen Stativen lässt sich die Mittelsäule ausfahren um die maximale Höhe des Stativs zu nutzen. Besonders eine voll ausgefahrene Mittelsäule nimmt dem Stativ jedoch einiges an Stabilität. Ich empfehle deshalb generell die Mittelsäule nur in Ausnahmefällen zu nutzen.

Was ist eine L-Schiene und wann lohnt sie sich?

Um die Kamera am Stativkopf anzubringen wird normalerweise eine Stativplatte eingesetzt. Diese Platte schraubst du an deine Kamera und hakst dann bei Bedarf die Kamera samt Platte auf dem Stativkopf ein.

Stativplatte

Stativplatte

Eine L-Schiene ist dann sinnvoll, wenn du oft zwischen Hoch- und Querformat wechselst. Es handelt sich dabei um eine Schiene, die ähnlich der Platte an der Kamera angebracht wird. Dabei kannst du zwischen Hoch- und Querformat wechseln, ohne den Stativkopf zur Seite kippen zu müssen.

L-Schiene

L-Schiene

Eine L-Schiene muss immer individuell für die jeweilige Kamera gekauft werden, damit die Anschlüsse an der Kamera noch frei bleiben.

Wann darf ich ein Stativ einsetzen?

In Deutschland gilt grundsätzlich die Panoramafreiheit. Das bedeutet, dass du von öffentlichem Grund und Boden mit einem Stativ fotografieren darfst. Sobald du innerhalb von Gebäuden und auf privatem Grund bist, empfehle ich, dass du dich vor dem Fotografieren informierst, ob du ein Stativ nutzen kannst.

Ein typisches Beispiel sind Kirchen. Zum Teil kannst du gegen einen geringen Obolus eine Fotoerlaubnis kaufen. Ich würde aber auf jeden Fall vorher nachfragen.

Im Ausland gibt es die Panoramafreiheit nicht durchweg. Es ist immer besser, sich vorher zu informieren, als sich dann mit Polizei oder Sicherheitspersonal auseinanderzusetzen.

Mein Stativ Test – diese Stative habe ich bereits genutzt

Ich habe in den letzten 12 Jahren verschiedene Stative genutzt. Zudem konnte ich bei befreundeten Fotografen immer wieder mal neue Stative ausprobieren. Aus diesen Stativen haben sich drei Modelle herauskristallisiert, die ich empfehlen würde. Es handelt sich bei allen drei Stativen um Manfrotto Modelle, weil ich mit der Qualität und dem Preis-Leistungs-Verhältnis dieses Herstellers einfach super zufrieden bin.

Es handelt sich also genau genommen nicht um einen echten Stativ Test, ich zeige dir an dieser Stelle meine persönlichen Empfehlungen.

Manfrot. Befree
Das Leichtgewicht
Stabil bis Windst. 4
Kompakt
relativ leicht
Inkl. Kugelkopf
Preis anzeigen
Manfrotto 055
Maximale Stabilität
Sehr stabil
Tolle Arbeitshöhe
Etwas schwerer
Kopf selbst wählbar
Preis anzeigen

Ich nutze in 95 % der Fälle das Manfrotto Befree, weil ich viel zu Fuß unterwegs bin und für mich das Gewicht eine entscheidende Rolle spielt. Das Befree ist auch noch als Carbon Variante erhältlich.

Brauchst du noch Hilfe? Wie sind deine Erfahrungen mit Stativen? Schreib mir in den Kommentaren!

Stativ für die Fotografie: Der ultimative Guide [2017]: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 2 abgegebenen Stimmen.
Loading...

7 Kommentare

  1. Nutzer Avatar

    Sehr gute Informationen für die Stativsuche.
    Anmerkungen nach meiner Erfahrung:
    Für erste Versuche ist ein 20 € -Stativ durchaus nützlich. Mir hat es lange gereicht bis ich zur Naturfotografie kam. Bei 20 € man nicht zuviel Lehrgeld gezahlt. Ein hochwertiges Stativ macht aber wirklich mehr Freude.
    Manche Hersteller geben die Traglast SEHR großzügig an.
    Ein Getriebeneiger hat in der Regel ein mechanisches Getriebe, Modelle mit Elektronik kenne ich nicht.

    • Nutzer Avatar

      Hallo Jürgen,

      da hast du recht, für die ersten Gehversuche ist es ok. Das mit dem Getriebe habe ich korrigiert, ist natürlich ein Mechanisches. Danke dir für den Hinweis!

      Liebe Grüße,

      Matthias

  2. Nutzer Avatar
    Mario La Greca

    Hallo Matthias,

    derzeit bin ich auf der Suche nach einem neuen Stativkopf von Manfrotto. Durch Deine Ausführliche Erklärungen bin ich zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.
    Prima und toll beschrieben. Praktisch finde ich die gut platzierten Links zu den Produkten.
    Top ! Freue mich auf die nächsten Beiträge .

    ( vllt könntest Du mir und anderen „Fotoeinsteigern/innen“ mal erklären, warum es interessant ist, eine kleine Kompakt Kamera mit sich zu führen- [oder gibt es diese Erläuterung schon?] )

    Liebe Grüße aus dem Herzen Kölns
    Mario

    • Nutzer Avatar

      Hallo Mario,

      danke dir für das Lob! Ich nehme eine Kompaktkamera immer dann mit, wenn ich keine Lust auf die Größe und das Gewicht meiner Spiegelreflexkamera habe. Das ist auch schon alles 🙂

      Liebe Grüße nach Köln,

      Matthias

  3. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,
    guter Artikel! Ich teile alle Deine Ausführungen, bis auf eine : der Stativkopf sollte Arca-Swiss kompatibel sein. Dies ist die universellste Art Kameras oder Zubehör auf einem Stativ-Kopf (sei es Kugelkopf, 3-Wege-Neiger, oder welche Art auch immer) zu befestigen. Es gibt sehr viele Hersteller von Arca-Swiss Kugelköpfen und Zubehör. Du bekommst Arca-Swiss auch weltweit! Preislich gibt es keinen Unterschied zu anderen Kugelköpfen!
    Wenn Du Interesse an mehr Infos hast :

    https://www.madhouse-fotos.com/blog/kameras-ausrüstung/stative/

    Gruss Rolf

  4. Nutzer Avatar
    Arnd Rössel

    Hallo Matthias, der Link hat heute funktioniert. Deinen Artikel habe ich aufmerksam gelesen. Du hast dir wieder sehr viel Arbeit gemacht und jemand der ein Stativ sucht findet darin sicherlich eine gute Entscheidungshilfe.

    Mit einem Billigeinstieg, es muss auch nicht gleich ein Manfrotto Stativ sein, gibt man immer zweimal sein Geld aus und hat dann anschließend unnötiges Equipment in der Ecke liegen. Dass Arca Swiss heute weitgehend Standard ist, ist richtig was ein Vorredner geschrieben hat, zumal heute schon einige Objektivhersteller (z.B. Tamron) diese Befestigung standardmäßig integriert haben. Man muss jedoch sehen für wen und welche Gruppe von fotografierenden Menschen du diesen Beitrag geschrieben hast. Und da ist er super 👌.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.