ND Filter + Graufilter – Tabelle, Test & welche Stärken [2018]

Was ist ein ND Filter?

Ein ND Filter ist ein Filter, mit dem man in der Fotografie einen Teil des einfallenden Lichtes blockieren kann. ND Filter werden auch Neutraldichtefilter, Neutral Density Filter oder Graufilter genannt. Sie kommen in erster Linie in der Landschafts- und Architekturfotografie zum Einsatz.

Hier gibt es einen sehr ausführlichen Artikel dazu. Wenn du nicht alles lesen willst, sondern eine kurze Empfehlung für Filter suchst, dann wirf einen Blick auf die folgende Tabelle:

Hoya
Kleines Budget
Einsteiger
Nur minimaler Farbstich
Preis anzeigen
Lee
Großes Budget
Profi
Fast immer farbneutral
Preis anzeigen

Wozu brauche ich ND Filter?

ND Filter dienen dazu, die Belichtungszeit zu verlängern. Warum sollte man die Belichtungszeit verlängern? Szenen, die sehr komplex sind und viele Details beinhalten, können mit einer längeren Belichtungszeit vereinfacht werden. In der Landschaftsfotografie kommen Graufilter dann zum Einsatz, wenn man Details im Wasser verschwimmen lassen will. Auch um den Wolkenzug aufzunehmen, können die Filter eingesetzt werden. Mit diesen Filtern lassen sich also Langzeitbelichtungen bei Tageslichtverhältnissen machen.

Für diese beiden Anwendungsfälle entsteht damit ein Bild, was das menschliche Auge so in der Realität nicht sehen kann. Man entfernt sich damit also von der ursprünglichen dokumentarischen Fotografie und schafft einen surrealen Effekt. Die Vereinfachung dieser Szenen funktioniert natürlich primär dann, wenn sich Elemente im Bild befinden, die sich während der Belichtungszeit weiterbewegen. Auf diesem Bild sind das die Wolken und das Wasser.

Langzeitbelichtung bei Wolken

Langzeitbelichtung bei Wolken

Ein ND Filter kann aber zum Beispiel auch dann eingesetzt werden, wenn man mit offener Blende (z.B. 1.4) ein Portrait bei starkem Licht fotografieren möchte. Mit einem leichten ND Filter kannst du hier trotz Mittagssonne mit Blende 1.4 fotografieren, ohne dass das Bild überbelichtet wird. Für diesen Zweck reicht in der Regel ein Filter mit leichter Stärke wie der ND8 aus. Manche Kameras, wie die Fujifilm X100F, haben einen solchen Filter auch schon eingebaut, der sich per Knopfdruck zuschalten lässt.

ND Filter ND8 und ND400 von Hoya

Schraubfilter ND8 und ND400 von Hoya

Welche Abstufungen und Bezeichnungen gibt es? – Die ND Filter Tabelle

Die Filter sind in unterschiedlichen Stärken erhältlich. Die Filterhersteller haben dabei verschiedene Bezeichnungen für den Abdunklungsgrad. Zum einen wird in Blenden gerechnet, zum anderen um wie viel sich die Belichtungszeit verlängert.

Dichte Blenden Faktor Belichtungsverlängerung
ND 0.3 1 Blende ND2
ND 0.6 2 Blenden ND4
ND 0.9 3 Blenden ND8
ND 1.8 6 Blenden ND64
ND 3.0 10 Blenden ND1000

Mit einem ND 0.3 Filter verlängert sich also die Belichtung um den Faktor zwei. Sie verdoppelt sich also praktisch. Mit einem ND 0.6 dunkelst du das Bild um 2 Blenden ab, musst also viermal so lange belichten. Eine Blende mehr verdoppelt immer die Belichtungszeit.

ND Filter NDX8 von Hoya

ND Filter NDX8 von Hoya

Worauf du vor dem Kauf achten solltest – Kriterien

Unterschied zwischen Schraubfiltern und Steckfiltern

Graufilter sind als Schraub- oder Steckfilter erhältlich. Steckfiltersysteme wie z.B. Cokin haben oft das Problem, dass am Filtereinschub oder am Filterhalter durch Schlitze Licht eindringen kann. Da man länger belichtet, sind diese dann als Lichtflecke oder kontrastarme Stellen im Bild sichtbar. Ich würde daher Schraubfilter vorziehen.

Meine Erfahrungen mit Farbechtheit

Bei den ND Filtern besteht das gleiche Problem der Infrarotstrahlung wie bei den Grauverlaufsfiltern. Neben dem sichtbaren Licht lassen die meisten Filter auch Licht in den Infrarot-Wellenlängen durch. Diese Kombination erzeugt dann bei längeren Belichtungszeiten einen Farbstich. Dieser Farbstich lässt sich zum Teil in der Nachbearbeitung korrigieren, besonders bei stärkeren ND Filtern (zum Beispiel dem ND1000) leidet hier jedoch die Bildqualität. Wie genau du den Farbstich in der Nachbearbeitung entfernen kannst, zeige ich dir weiter unten.

Tipp: Hitech IRND

Hitech hat kürzlich den IRND auf den Markt gebracht, der sowohl das sichtbare, als auch das infrarote Licht blocken soll. Ich habe den Filter selbst noch nicht genutzt, aber die Rezensionen der Amazon Kunden sehen vielversprechend aus.

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Exkurs: Langzeitbelichtung mit einem Infrarotfilter

Einige Fotografen benutzen Infrarotfilter, um damit Langzeitbelichtungen zu machen. Besonders bei Canon Kameras verlängert sich durch den internen Infrarot-Sperrfilter die Belichtungszeit stark, weshalb sich dieser Effekt eben für Langzeitbelichtungen zunutze machen lässt. Die Farben sehen damit natürlich ganz anders aus, weshalb dieser „Workaround“ sich nicht als Ersatz für Neutraldichte Filter anbietet. Dennoch finde ich diese Art der Fotografie spannend. Mehr zu Infrarotfotografie…

Ilsetal Infrarot

Ilsetal Infrarot

Brauche ich ein Stativ, wenn ich ND Filter nutzen will?

Ja. Außer du nutzt den Filter, wie oben beschrieben, um auch bei Blende 1.4 und Mittagssonne ein Portrait fotografieren zu können. In der Regel werden ND Filter ja eingesetzt, um längere Belichtungszeiten zu erreichen. Dabei gilt die Faustregel: Maximal 1/Brennweite kannst du noch aus der Hand halten. Beim Einsatz von Graufiltern für Langzeitbelichtungen sprechen wir ja meist von Zeiten zwischen einer und dreißig Sekunden. Dafür brauchst du definitiv ein Stativ, da das Bild sonst verwackelt wird. Meine Empfehlung: Das Manfrotto Befree.

Welche Filtergröße brauche ich?

Dafür musst du wissen, an welchem Objektiv du die Filter verwenden möchtest. Schau auf das Objektiv, denn dort ist vermerkt, welchen Filterdurchmesser du benötigst. Ich fotografiere meist mit einem Weitwinkelobjektiv, welches einen Filterdurchmesser von 77mm hat. Sofern du planst, dich intensiver mit Langzeitbelichtungen zu beschäftigen, würde ich dir ohnehin raten, 77mm oder je nach Objektiv gleich einen 82mm Filter zu kaufen, und diese per Step-down Ring auf das jeweilige Objektiv zu schrauben.

Warum? Weil du dir sonst erst für dein 18-55mm einen Graufilter mit 58mm Durchmesser kaufst, um dann bei deinem späteren Weitwinkelobjektiv oder einem lichtstärkeren Standardzoom feststellst, dass du nochmal in die Tasche greifen musst, weil du dafür einen anderen Filterdurchmesser brauchst. Wenn du gleich von Beginn an 77mm nimmst, dann entgehst du diesem Problem.

Sonnenuntergangslicht am Ponta de São Lourenço

Sonnenuntergangslicht am Ponta de São Lourenço

Videokurs – Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop

Videokurs Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop

Möchtest du mehr darüber lernen, wie ich meine Landschaftsfotografie Bilder mit Adobe Photoshop nachbearbeite? In meinem Videokurs bringe ich dir alle Schritte bei, die du dazu wissen musst. Egal welchen Wissensstand du hast.

Mehr über den Videokurs erfahren

Ich habe vom Variablen / Vario ND Filter gehört, taugt der was?

Den einzigen Vario ND Filter, den ich empfehlen würde, ist der Vari-ND von Singh-Ray. Alle anderen Fotografen, mit denen ich bisher gesprochen habe, die sich einen Vario ND Filter einer anderen Marke gekauft haben, waren damit nicht zufrieden. Vielfach gab es starke Farbverschiebungen, oft waren die Ergebnisse schlichtweg unscharf. Diesen Vorteil lässt sich Singh-Ray natürlich gut bezahlen.

Entstehung einer Langzeitbelichtung am Cap Formentor, Mallorca

Entstehung einer Langzeitbelichtung am Cap Formentor, Mallorca

Kann ich Langzeitbelichtungen ohne ND Filter machen?

Natürlich ist das möglich, einfach während der späten blauen Stunde oder eben Nachts fotografieren. Tagsüber ist es sonst zu hell, um ohne Filter auf längere Belichtungszeiten zu kommen. Hier kommt der Vorteil von Graufiltern her: Du kannst eben nicht nur zu diesen Tageszeiten Langzeitbelichtungen machen, sondern auch tagsüber.

Brauche ich für meine Canon, Nikon oder Sony Kamera jeweils einen bestimmten ND Filter?

Nein, es spielt keine Rolle, welchen Kamerahersteller du nutzt. Du kannst alle erhältlichen ND Filter an allen Kameras nutzen, solange der Filterdurchmesser passt.

Diese Filter nutze ich selbst

Wenn du Belichtungszeiten zwischen 10 Sekunden und 2 Minuten haben willst, dann empfehle ich dir einen Hoya ND8 und einen Hoya ND400. Wieso zwei Filter? Du kannst nur einen der Filter benutzen oder beide kombinieren. Im Zusammenspiel mit der Blende kannst du damit sehr variabel deine Belichtungszeit dosieren, je nachdem, welchen Effekt du haben willst. Diese Filter haben zusammen einen geringen Blaustich, der sich jedoch bei Nachbearbeitung korrigieren lässt. Daher ist diese Kombination für Farbfotografie geeignet.

Wenn du eher Belichtungszeiten zwischen 2 und 10 Minuten anpeilst und auf Schwarz-Weiß aus bist, dann empfehle ich dir den B+W 106 und den B+W 110. Auch hier kannst du im Zusammenspiel mit der Blende sehr variabel die Belichtungszeit beeinflussen. Die B+W Filter haben in Kombinationen einen ausgeprägten Rotstich, der sich nur schwer per Nachbearbeitung entfernen lässt. Daher benutze ich sie nur für Schwarz-Weiß Fotografie.

verschiedene ND Filter

verschiedene ND Filter

Ich habe diese vier Filter fast immer in meinem Fotorucksack dabei. So kann ich für Langzeitbelichtungen je nach Wolkenart, Wolkengeschwindigkeit, Wellengang und Lichtverhältnissen fast jede gewünschte Belichtungszeit realisieren.

Weiterführende Infos

Noch einen empfehlenswerten Artikel zu ND Filtern gibt es im Online Bereich der Photographie.

Beispielbilder

Wenn du mehr Bilder sehen willst, dann kannst du einen Blick in meine Landschaftsfotos werfen. Alternativ kannst du in die Serie „Dark Monuments“ schauen. Hier sind praktisch alle Bilder mit Graufiltern entstanden.

Empfehlungen für den Kauf – Mein ND Filter Test & Vergleich (Graufilter Test)

Die nachfolgenden Empfehlungen sind wie ein kleiner Vergleich von mir. Ich habe noch nicht alle auf dem Markt befindlichen ND Filter testen können, aber zumindest viele.

Kleines Budget – Hoya

ND Filter von Hoya bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und sind darüber hinaus relativ farbneutral. Beim Kauf solltest du darauf achten, die vergütete HMC-Variante zu nehmen. B+W stellt ebenfalls Filter her, die aber etwas mehr Kosten als die Hoyas. Bitte beachte, dass die B+W Filter in bestimmten Aufnahmesituationen einen Rotstich haben können und damit eher für Schwarz-Weiß Fotografie geeignet sind.

Wie oben erwähnt nutze ich Hoya ND8Hoya ND400B+W 106 und den B+W 110. Ich bin mit dieser Filterkombination sehr zufrieden und kann damit praktisch jede Belichtungszeit zwischen 5 Sekunden und 5 Stunden erreichen.

Mittleres Budget – Hitech

Hitech Firecrest ND Filter sind laut den Amazon Rezensionen relativ farbneutral und werden von verschiedenen Fotografen daher sehr geschätzt.

Großes Budget – Lee

Lee Filter und besonders der Big Stopper sind bei den professionellen Landschaftsfotografen ebenfalls sehr beliebt.

Gibt es ein ND Filter Set?

Ja, auf Amazon gibt es verschiedene ND Filter Sets, allerdings würde ich dir stattdessen empfehlen, einfach einen Hoya ND8 und einen Hoya ND400 zu kaufen. Damit kannst du sehr viel machen und bleibst auch preislich einigermaßen im Rahmen.

Update 05.02.17: Es gibt mittlerweile ein Set vom Hersteller Haida. Von diesem Set habe ich nun schon von mehreren Kollegen aus der Landschaftsfotografie Gutes gehört. Auch die Amazon Rezensionen sehen gut aus.

Weiteres Zubehör für Langzeitbelichtungen

Welches Zubehör benutze ich noch für Langzeitbelichtungen? Ein stabiles Stativ, eine Wasserwaage und ein Fernauslöser sind bei mir immer im Einsatz. Ich benutze das Manfrotto Befree, eine Hama Wasserwaage und einen Canon Kabelfernauslöser.

Anwendung – Fotografieren mit ND Filtern mit meiner QuickTest Methode

Ich gehe folgendermaßen vor: Ich nehme mir als Erstes genug Zeit, um mein Motiv auszusuchen. Bei Langzeitbelichtungen kann ich für eine einzelne Belichtung durchaus 20 Minuten zubringen, daher sollte man sein Motiv gut auswählen. Wenn du dann dein Motiv gefunden hast, heißt es das Stativ in der richtigen Position aufbauen, Kamera drauf klemmen und die Bildkomposition machen.

Zum jetzigen Zeitpunkt befindet sich der ND Filter noch nicht am Objektiv. Wenn der nämlich aufgeschraubt ist, dann siehst du weder durch den Sucher noch über den Live View etwas. Demnach ist es sinnvoll, vorher die Bildkomposition zu machen und zu fokussieren. Ich nutze zum Fokussieren vom Stativ fast immer Live View und den Kontrast-AF. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht.

Nun stelle ich mein Objektiv von AF auf MF um, damit die Kamera nicht nach dem Aufschrauben des Filter versucht, wieder zu fokussieren (und durch den ND Filter der AF nicht trifft). Auch den Bildstabilisator deaktiviere ich direkt am Objektiv. Es kann sonst passieren, dass der Bildstabilisator während der Belichtung anfängt zu arbeiten und dir damit ein unscharfes Bild beschert. Nun schraube ich den oder die ND Filter auf.

Tipp: Sucher abdecken

Während einer Langzeitbelichtung kann auch durch den Sucher Licht in die Kamera einfallen. Bei normaler Belichtungszeit spielt das keine Rolle. Wenn man jedoch beispielsweise 5 Minuten belichtet, dann ist jeder Lichteinfall in die Kamera auf dem Bild sichtbar. Das kann sich dann als Lichtfleck im Bild äußern. Daher empfehle ich dringend, den Sucher während einer Langzeitbelichtung abzudecken. Fast alle DSLR-Kamerahersteller liefern eine Abdeckung mit. Bei Canon befindet sich diese in Form eines schwarzen Gummis am Kameragurt. Andere Kameras haben neben dem Sucher einen kleinen Schalter, mit dem sich der Sucher verschließen lässt.

Belichtungszeit mit einer Testbelichtung kalkulieren – der Kern der QuickTest Methode

Dann mache ich eine erste Testbelichtung mit beispielsweise ISO 1600, Blende 8 und 10 Sekunden. Nach dieser ersten Testbelichtung schaue ich mir das Histogramm an. Ich möchte das Histogramm so weit wie möglich nach rechts geschoben haben, ohne dass mir die Lichter ausbrennen. Diese Technik nennt sich expose to the right. Wenn nun noch Platz im Histogramm nach rechts hin ist, verändere ich die Belichtungszeit so, dass ich rechts gerade so an die Kante heran reiche.

Histogramm meiner Canon EOS 700D

Histogramm meiner Canon EOS 700D

Dabei ist ein Balken im Hintergrund des Histogramms immer eine Blende (bei Canon). Wenn ich nun beispielsweise die Einstellungen ISO 1600, Blende 8 und 15 Sekunden habe und damit ein richtig belichtetes Bild habe, kann ich anfangen zu rechnen. Jetzt geht es darum, welche Belichtungszeit ich bei ISO 100 benötige. Wieso ISO 100? Weil ich damit die maximale Bildqualität aus meiner Kamera heraushole. Noch mehr Tipps für Bildqualität findest du hier. Aktuell habe ich 15 Sekunden bei ISO 1600.

Pro ganzer ISO-Stufe verdoppelt sich immer die Belichtungszeit:

  • ISO 1600 – 15 Sekunden
  • ISO 800 – 30 Sekunden
  • ISO 400 – 1 Minute
  • ISO 200 – 2 Minuten
  • ISO 100 – 4 Minuten

Um also in dieser Beispielsituation ein gut belichtetes Bild bei ISO 100 zu bekommen, muss ich 4 Minuten belichten.

Die Belichtung mache ich also nun im manuellen Modus. Bei einigen Kameras muss man den Modus Bulb benutzen, um mehr als 30 Sekunden zu belichten. Ich benutze dafür meinen Fernauslöser und schaue mich während der Belichtung gleich noch nach weiteren Motiven um oder genieße einfach die Landschaft. Am Ende kontrolliere ich natürlich noch einmal das finale Ergebnis, auch um zu sehen, ob das Histogramm stimmt. Fertig ist das Bild.

Tipp für Langzeitbelichtungen bei Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang

Während Sonnenuntergang (und natürlich auch bei Sonnenaufgang) ändert sich das Licht sehr schnell. Wenn du beispielsweise kurz vor Sonnenuntergang deine Testbelichtung machst, errechnest du einen Wert für die Belichtungszeit, der der aktuellen Lichtmenge entspricht. Nun wird das Licht relativ schnell weniger, weil die Sonne untergeht. Wenn du nun einfach den errechneten Wert beibehältst, dann wird dein Bild wahrscheinlich unterbelichtet sein. Als Faustregel hat es sich als brauchbar erwiesen, in einer solchen Lichtsituation einfach ein Drittel der errechneten Zeit noch hinzu zu addieren. Auch hier gilt: Nutze das Histogramm, um danach deine Belichtung zu beurteilen und gegebenenfalls zu korrigieren. Genau anders herum verhält es sich bei Sonnenaufgang.

Wie kann ich den Farbstich in der Nachbearbeitung korrigieren?

Dafür musst du natürlich die Bilder im RAW-Format aufnehmen. Wenn du nun das Bild in einem RAW-Programm wie zum Beispiel Adobe Camera RAW öffnest, kannst du mittels der Pipette die Stelle für den Weißabgleich wählen.

Pipette für den Weißabgleich

Pipette für den Weißabgleich

Hier solltest du ein möglichst farbneutrales Objekt wählen, also etwa einen grauen Stein. Nun rechnet das RAW-Programm den getätigten Weißabgleich auf das gesamte Bild um. Der Farbstich sollte nun korrigiert sein.

An dieser Stelle musst du dir noch einmal vor Augen führen, dass sich leider nicht jeder Farbstich in der Nachbearbeitung korrigieren lässt. Insofern lohnt es sich schon beim Kauf, in einen guten Graufilter zu investieren.

Kalibrierung der Filter

Bei Graufiltern kommt es vor, dass die vom Hersteller angegebene Stärke nicht mit der tatsächlichen Stärke übereinstimmt. So macht man wie unten angegeben eine Testbelichtung, rechnet dann hoch und stellt am Ende fest, dass die Belichtung nicht gepasst hat. Wie kannst du das umgehen? Es ist ratsam, die Filter mal zu testen. Das Vorgehen:

  1. Belichtung ohne Filter
  2. Zeit merken
  3. Belichtung mit Filter nach der angegebenen verlängerten Belichtungszeit (ND1000 Filter = ursprüngliche Belichtungszeit x 1000)
  4. Histogramm prüfen, ob die Verteilung einigermaßen übereinstimmt oder korrigiert werden muss
  5. Bei Korrektur danach den tatsächlichen Verlängerungsfaktor berechnen für zukünftige Nutzung

Wenn du diesen tatsächlichen Verlängerungsfaktor dann kennst, kannst du deine Belichtungszeit entsprechend exakter berechnen. Ich muss gestehen, dass ich oft die unten angegebene Methode einsetze. Wenn ich dann sehe, dass im Histogramm noch Platz nach rechts ist, dann mache ich noch eine zweite, längere Belichtung. Das kostet natürlich mehr Zeit. Irgendwann hat man aber auch Erfahrungswerte, ob man etwas länger oder kürzer als berechnet belichten muss.

Langzeitbelichtung in Ribeira da Janela

Langzeitbelichtung in Ribeira da Janela auf Madeira

Videokurs Architekturfotografie: Langzeitbelichtungen in Schwarz-Weiß

Videokurs Architekturfotografie: Langzeitbelichtungen in Schwarz-Weiß

Möchtest du mehr darüber lernen, wie ich Langzeitbelichtungen in Schwarz-Weiß mache? Möchtest du wissen, wie meine Serie „Dark Monuments“ entstanden ist? In meinem Videokurs zeige ich dir wie. Du lernst alle Schritte von der Vorbereitung über Bildkomposition bis hin zur Bildbearbeitung.

Mehr über den Videokurs erfahren

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26 Kommentare

  1. Nutzer Avatar
    Eder Thomas

    Hallo,
    Als Fan von Ihnen, finde ich diesen Bericht wieder perfekt. Bei unserem letzen Fotoclubabend hat uns Rollei ihr Filtersystem vorgestellt. Nach Aussage des Technikers gibt es bei diesem System keine Farbverfälschung. Haben sie da schon Erfahrung damit.
    Grüße Thomas Eder

  2. Nutzer Avatar
    Thomas Franke

    Hallo Matthias,

    Wie immer habe ich nicht alles aber einen großen Teil gelesen. Schön das du dein Wissen öffentlich zugänglich machst. Auf ein paar Punkte möchte ich vielleicht noch hinweisen.

    Du schreibst du machst deine Einstellung im manuellen Modus für 4 min. Bei den meisten Kameras geht dieser nur bis 30s du meinst sicher den Modus Bulb. Bei einigen Kameras befindest sich dieser im M-Modus wenn man versucht länger als 30s zu belichten. Ich finde das verwirrt. Vielleicht kannst du noch den Bulb-Modus näher bringen.

    Du schreibst bei manchen Filtern wird der Wert in Blenden angehen oder als Verlängerungsfaktor. Vielleicht kannst du noch darauf eingehen wie diese Faktoren zusammen hängen um die Berechnungen zu vereinfachen. Die Blende hat die Basis 2, die Dichte die Basis 10. 10^3,0=1000 und das ist rund 2^10=1024. Vielleicht verwirrt es aber auch. Mir hat es damals geholfen die Werte zu verstehen.

    Ein Thema, führt auch regelmäßig zu falschen Belichtungen bei langen Belichtungen. Z.b. Wenn die Sonne gerade am unter gehen ist, belichtet man selbst wenn man es vorher über eine Testmessung ermittelt zu kurz. Da sich die Lichtverhältnisse während der Aufnahme verschlechtern (es weil es dunkler wird). Umgekehrt ist es bei sonnenaufgang. Hier muss man ggf. die ermittelte Belichtungszeit noch verringern. Mit einem 1/3 mehr oder weniger lässt sich dieser Effekt korrigieren.

    Bei Steckfilter kann ich dir ohne Sorge zu den Format hitech firecrest raten. Wenn du willst, kann ich dir mal Testmaterial für deine Seite zukommen lassen. Also Bilder mit und ohne Filter. Vielleicht kannst du das zentral sammeln. Bei den Schraubfilter nicht kann ich dir die Marke Breakthrough Photography ans Herz legen. Kein Farbtisch keine Vignetierung und auch sonst mehrfach vergütet.

    Wünsche dir eine schöne Woche.

    • Nutzer Avatar

      Hey Thomas,

      sehr cool, vielen Dank für das konstruktive Feedback. Sowas hilft mir ungemein, den Artikel noch besser zu machen.

      Bulb Modus: hinzugefügt.

      Werte: Ist mir etwas zu technisch, daher habe ich es weggelassen.

      Belichtung bei Sonnenuntergang: hinzugefügt.

      Hitech Firecrest: Habe ich als Tipp bereits gelistet, da würde ich mich natürlich riesig über Testmaterial freuen.

      Danke nochmals, dir auch eine schöne Woche!

      Matthias

  3. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias, auch dieser Artikel wieder hilfreich mit der Schritt-für-Schritt-Anweisung. Danke! Bevor ich ans Testen gehe stelle ich mir schon folgende Frage bezüglich Live-View und Kontrastfokus: Wenn ich dann von AF auf MF schalte und den Bildstabilisator deaktiviere, verschiebt sich dabei die Fokussierung nicht leicht von selbst?
    Und zum Bild mit dem fliessenden Wasser und den grünen Blättern am oberen Bildrand: wie lange war da deine Belichtungszeit?
    Danke nochmals und eine schöne Woche.
    Carmen

    • Nutzer Avatar

      Hallo Carmen,

      freut mich sehr, dass der Beitrag für dich hilfreich ist. Zu deinen Fragen:

      Wenn du auf MF umschaltest, verschiebt sich der Fokus leichter, aber mit ein wenig Achtsamkeit ist das kein Problem.

      Die Belichtungszeit bei dem Bild war 25 Sekunden.

      Liebe Grüße und dir auch eine schöne Woche,

      Matthias

  4. Nutzer Avatar

    Sehr informativ und mega Bilder zur Inspiration 👍🏼 Dankeschön dafür! Hat mir einiges mit auf den Weg gegeben ☺️

  5. Nutzer Avatar
    Karl-Heinz

    Ein Artikel wie ich ihn mir wünsche. Fundiert, aber nicht abgehoben und gut nachvollziehbare Anleitungen die aus der Praxis entstanden sind (das beweisen auch dien tollen Fotos). Und zu guter Letzt ein paar Kaufempfehlungen, die dem Hobby-Fotografen noch die Wahl lassen sich je nach Geldbeutel und Anspruch zu entscheiden. Klasse Artikel. Danke.
    Grüße, Karl-Heinz

  6. Nutzer Avatar
    Andreas Golubar

    Hallo,
    ein sehr schöner Artikel und super verständlich erklärt. Bin gerade dabei mich in alles einzulesen. Die Umstellung von AF auf MF erfolgt während ich den Auslöser noch halb durchgedrückt halte? Ist das so richtig?
    Warum die Testbelichtung nicht gleich mit ISO 100? Dann hab ich dort schon eine längere Belichtungszeit und beim hochrechnen müsste es dann doch auch wieder passen? Vielen Dank schon mal.

    • Nutzer Avatar

      Hi Andreas,

      danke dir für das Lob! Zu deinen Fragen:

      1. Bei der Umstellung von AF auf MF musst du den Auslöser nicht halb durchgedrückt halten. Erst halb durchdrücken zum Fokussieren, dann wieder loslassen und den Schalter auf MF stellen.

      2. Kannst du machen, aber dann ist die Spitze im Histogramm so schmal, dass es schwer wird zu beurteilen, wieviel Platz da noch nach rechts ist.

      Liebe Grüße,

      Matthias

  7. Nutzer Avatar
    Andreas Golubar

    Frag mich nur wie ich die Langzeitbelichtung bei hohem Kontrastumfang wie z.B. gegen den Sonnenuntergang fotografieren hinbekomme ohne dass der Himmel überbelichtet ist oder der dunkle Teil des Bildes unterbelichtet. Durch zusätzliche Verwendung eines Grauverlaufsfilters?
    Hab das eben versucht, der dunklere Teil war total abgesoffen 🙁

  8. Nutzer Avatar
    Achim Strunz

    Hallo Matthias,
    wirklich ein sehr interessanter und ausführlicher Artikel!
    Ich finde das Graufilter Set von Haida vom Preis/Leistungsverhältnis sehr gut. Es gibt davon allerdings auch eine MC vergütete Version, die jedoch fast das doppelte kostet. Lohnt sich diese Ivestition deiner Meinung nach?
    Viele Grüße,
    Achim

    • Nutzer Avatar

      Hallo Achim,

      danke dir! Ich würde bei Filtern, besonders bei NDs immer die MC Variante nehmen. Was Kontrast und Blendflecke angeht hast du hier einfach einen großen Vorteil. Ich habe meine ND Filter seit 5 bzw seit 8 Jahren. Wenn man das Equipment so lange benutzt, dann ist es auch vollkommen ok, dafür etwas Geld in die Hand zu nehmen.

      Liebe Grüße,

      Matthias

  9. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,
    sehr schön logisch aufgebauter Artikel.
    Hast Du Erfahrungen mit Cokin oder B&W gemacht, ich habe gerade nach ca. 10 Jahren wieder zur „Filterei“ zurück gefunden, kann aber, da ich instinktiv Deinen Rat (77mm kaufen) befolgt hatte und nun preiswert mit step-down Adaptern auf mein mFT System anpassen kann. Deine Beispielbilder sind einfach nur schön, besten Dank dafür.
    Gruß
    Michael

  10. Nutzer Avatar

    Hallo Mathias,

    klasse informativer Artikel. Eine Frage in eine andere Richtung: Thema ICM mit ND filtern welche Empfehlung würdest Du geben? Bleibt es bei der Auswahl?
    Danke im Voraus für die Antwort
    LG Johann

  11. Nutzer Avatar

    hallo, ich wollt mal fragen wie ich verhindern kann, dass sich die Einstellungen wie Focus und Schärfe verstellen, wenn ich den Filter aufschraube.
    Vielen Dank im Voraus für die Hilfe.
    Gruß,
    Axel

  12. Nutzer Avatar

    hallo,
    das ist ein guter und sehr informativer artikel, trotzdem habe ich noch 2 fragen:
    1. ich fotografiere immer im raw-format. habe ich in diesem fall bei der aufnahme von sonnenuntergängen trotzdem vorteile von einem nd-filter (welche?) oder kann ich mir für diesen zweck (keine langzeitbelichtung) einen nd-filter getrost sparen?
    2. ich reise bald nach südamerika und möchte in den anden (auf 3000-4500m) fotografieren. die atmosphäre und die lichtmenge ist dort anders, deshalb habe ich gelesen, dass der einsatz eines nd-filters empfohlen wird. leider habe ich keine info zur empfohlenen stärke. ich möchte ausdrücklich keine langzeitbelichtungen machen und auch nicht mit stativ fotografieren, aber ich möchte „normale“ belichtungszeiten und blendenöffnungen verwenden, mit denen ich auch ein portrait inklusive tiefenschärfe aufnehmen kann. wohl gemerkt alles im raw-format. welche stärke wird hier empfohlen?
    grüße,
    michael

    • Nutzer Avatar

      Hallo Michael.

      danke dir! Zu deinen Fragen:

      1. Mit einem ND Filter kannst du länger belichten. Wenn du keine Langzeitbelichtung machen willst, wüsste ich nicht wozu du sonst einen ND Filter brauchst. Also sparen! 🙂

      2. Ich sehe auch hier keinen Anlass ND Filter zu nutzen, außer du willst mit Blenden zwischen 1.4 und 2.8 fotografieren. Das könnte eben für die Portraits interessant sein, also vielleicht auch bei Punkt 1. Dafür würde ich dir einen ND8 Filter empfehlen.

      Liebe Grüße,

      Matthias

  13. Nutzer Avatar

    Wow.. sehr ausführlicher Beitrag! Vielen Dank. Vor allem die Erklärung der verschiedenen Bezeichnungen ist gelungen. Das kann am Anfang ziemlich verwirrend sein. Ich fliege demnächst nach Island und habe mich deshalb intensiv mit ND Filtern beschäftigt. Für das fotografieren von Wasserfällen unverzichtbar 🙂 Auch ein Video habe ich kürzlich zum Thema veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=YbXnrZt5HAU – Ich freue mich über Feedback!

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