ND Filter + Graufilter – Tabelle, Test & welche Stärken [2019]

Was ist ein ND Filter?

Ein ND Filter ist ein Filter, mit dem man in der Fotografie einen Teil des einfallenden Lichtes blockieren kann. ND Filter werden auch Neutraldichtefilter, Neutral Density Filter oder Graufilter genannt. Sie kommen in erster Linie in der Landschafts- und Architekturfotografie zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Wozu brauche ich ND Filter?

ND Filter dienen dazu, die Belichtungszeit zu verlängern. Warum sollte man die Belichtungszeit verlängern? Szenen, die sehr komplex sind und viele Details beinhalten, können mit einer längeren Belichtungszeit vereinfacht werden. In der Landschaftsfotografie kommen Graufilter dann zum Einsatz, wenn man Details im Wasser verschwimmen lassen will. Auch um den Bewegung von Wolken aufzunehmen, können die Neutraldichtefilter eingesetzt werden. Mit diesen Filtern lassen sich also Langzeitbelichtungen bei Tageslichtverhältnissen machen.

Für diese beiden Anwendungsfälle entsteht damit ein Bild, was das menschliche Auge so in der Realität nicht sehen kann. Man entfernt sich damit also von der ursprünglichen dokumentarischen Fotografie und schafft einen surrealen Effekt. Die Vereinfachung dieser Szenen funktioniert natürlich primär dann, wenn sich Elemente im Bild befinden, die sich während der Belichtungszeit weiterbewegen. Auf diesem Bild sind das die Wolken und das Wasser.

Langzeitbelichtung bei Wolken

Langzeitbelichtung bei Wolken

Ein ND Filter kann aber zum Beispiel auch dann eingesetzt werden, wenn man mit offener Blende (z.B. 1.4) ein Portrait bei starkem Licht fotografieren möchte. Mit einem leichten ND Filter kannst du hier trotz Mittagssonne mit Blende 1.4 fotografieren, ohne dass das Bild überbelichtet wird. Für diesen Zweck reicht in der Regel ein Filter mit leichter Stärke wie der ND8 aus. Manche Kameras, wie die Fujifilm X100F, haben einen solchen Filter auch schon eingebaut, der sich per Knopfdruck zuschalten lässt.

ND Filter ND8 und ND400 von Hoya

Schraubfilter ND8 und ND400 von Hoya

Welche Abstufungen und Bezeichnungen gibt es? – Die ND Filter Tabelle

Die Filter sind in unterschiedlichen Stärken erhältlich. Die Filterhersteller haben dabei verschiedene Bezeichnungen für den Abdunklungsgrad. Zum einen wird in Blendenstufen gerechnet, zum anderen um wie viel sich die Belichtungszeit verlängert(Verlängerungsfaktor).

Dichte Blendenstufen Faktor Belichtungsverlängerung
ND 0.3 1 Blende ND2
ND 0.6 2 Blenden ND4
ND 0.9 3 Blenden ND8
ND 1.8 6 Blenden ND64
ND 3.0 10 Blenden ND1000

Mit einem ND 0.3 Filter verlängert sich also die Belichtung um den Faktor zwei. Sie verdoppelt sich also praktisch. Mit einem ND 0.6 dunkelst du das Bild um 2 Blenden ab, musst also viermal so lange belichten. Eine Blende mehr verdoppelt immer die Belichtungszeit.

ND Filter NDX8 von Hoya

ND Filter NDX8 von Hoya

Worauf du vor dem Kauf achten solltest – Kriterien

Was ist der Unterschied zwischen Schraubfiltern und Steckfiltern?

Graufilter sind als Schraub- oder Steckfilter erhältlich. Steckfiltersysteme wie z.B. Cokin haben oft das Problem, dass am Filtereinschub oder am Filterhalter durch Schlitze Licht eindringen kann. Da man länger belichtet, sind diese dann als Lichtflecke oder kontrastarme Stellen im Bild sichtbar. Ich würde daher Schraubfilter vorziehen. Das Filterglas von Schraubfiltern ist zudem kratzfester als der Kunststoff der meisten Steckfiltersysteme. Allerdings gibt es mittlerweile auch Steckfilter aus Filterglas.

Steckfilter nutze ich in erster Linie bei Grauverlaufsfiltern, da ich diese je nach Platzierung des Horizontes variabel verschieben kann. Für diese Verlaufsfilter ist ein Schraubfilter also nicht empfehlenswert.

Meine Erfahrungen mit Farbechtheit

Bei den ND Filtern besteht das gleiche Problem der Infrarotstrahlung wie bei den Grauverlaufsfiltern. Neben dem sichtbaren Licht lassen die meisten Filter auch Licht in den Infrarot-Wellenlängen durch. Diese Kombination erzeugt dann bei längeren Belichtungszeiten einen Farbstich. Dieser Farbstich lässt sich zum Teil in der Nachbearbeitung korrigieren, besonders bei stärkeren ND Filtern (zum Beispiel dem ND1000) leidet hier jedoch die Bildqualität. Wie genau du den Farbstich in der Nachbearbeitung entfernen kannst, zeige ich dir weiter unten.

Tipp: Hitech IRND

Hitech hat kürzlich den IRND auf den Markt gebracht, der sowohl das sichtbare, als auch das infrarote Licht blocken soll. Damit sollten sehr wenig Farbverschiebungen auftreten. Ich habe den Filter selbst noch nicht genutzt, aber die Rezensionen der Amazon Kunden sehen vielversprechend aus.

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Exkurs: Langzeitbelichtung mit einem Infrarotfilter

Einige Fotografen benutzen Infrarotfilter, um damit Langzeitbelichtungen zu machen. Besonders bei Canon Kameras verlängert sich durch den internen Infrarot-Sperrfilter die Belichtungszeit stark, weshalb sich dieser Effekt eben für Langzeitbelichtungen zunutze machen lässt. Die Farben sehen damit natürlich ganz anders aus, weshalb dieser „Workaround“ sich nicht als Ersatz für Neutraldichte Filter anbietet. Dennoch finde ich diese Art der Fotografie spannend. Mehr zu Infrarotfotografie…

Ilsetal Infrarot

Ilsetal Infrarot

Brauche ich ein Stativ, wenn ich ND Filter nutzen will?

Ja. Außer du nutzt den Filter, wie oben beschrieben, um auch bei Blende 1.4 und Mittagssonne ein Portrait fotografieren zu können. In der Regel werden ND Filter ja eingesetzt, um längere Belichtungszeiten zu erreichen. Dabei gilt die Faustregel: Maximal 1/Brennweite kannst du noch aus der Hand halten. Beim Einsatz von Graufiltern für Langzeitbelichtungen sprechen wir ja meist von Zeiten zwischen einer und dreißig Sekunden. Dafür brauchst du definitiv ein Stativ, da das Bild sonst verwackelt wird. Meine Empfehlung: Das Manfrotto Befree.

Welche Filtergröße brauche ich?

Dafür musst du wissen, an welchem Objektiv du die Filter verwenden möchtest. Schau auf das Objektiv, denn dort ist vermerkt, welchen Filterdurchmesser du benötigst. Ich fotografiere meist mit einem Weitwinkelobjektiv, welches einen Filterdurchmesser von 77mm hat. Sofern du planst, dich intensiver mit Langzeitbelichtungen zu beschäftigen, würde ich dir ohnehin raten, 77mm oder je nach Objektiv gleich einen 82mm Filter zu kaufen, und diese per Step-down Ring auf das jeweilige Objektiv zu schrauben.

Warum? Weil du dir sonst erst für dein 18-55mm einen Graufilter mit 58mm Durchmesser kaufst, um dann bei deinem späteren Weitwinkelobjektiv oder einem lichtstärkeren Standardzoom feststellst, dass du nochmal in die Tasche greifen musst, weil du dafür einen anderen Filterdurchmesser brauchst. Wenn du gleich von Beginn an 77mm nimmst, dann entgehst du diesem Problem.

Sonnenuntergangslicht am Ponta de São Lourenço

Sonnenuntergangslicht am Ponta de São Lourenço

Videokurs – Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop

Videokurs Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop

Möchtest du mehr darüber lernen, wie ich meine Landschaftsfotografie Bilder mit Adobe Photoshop nachbearbeite? In meinem Videokurs bringe ich dir alle Schritte bei, die du dazu wissen musst. Egal welchen Wissensstand du hast.

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Ich habe vom Variablen / Vario ND Filter gehört, taugt der was?

Den einzigen Vario ND Filter, den ich empfehlen würde, ist der Vari-ND von Singh-Ray. Alle anderen Fotografen, mit denen ich bisher gesprochen habe, die sich einen Vario ND Filter einer anderen Marke gekauft haben, waren damit nicht zufrieden. Vielfach gab es starke Farbverschiebungen, oft waren die Ergebnisse schlichtweg unscharf. Diesen Vorteil lässt sich Singh-Ray natürlich gut bezahlen.

Entstehung einer Langzeitbelichtung am Cap Formentor, Mallorca

Entstehung einer Langzeitbelichtung am Cap Formentor, Mallorca

Kann ich Langzeitbelichtungen ohne ND Filter machen?

Natürlich ist das möglich, einfach während der späten blauen Stunde oder eben Nachts fotografieren. Tagsüber ist es sonst zu hell, um ohne Filter auf längere Belichtungszeiten zu kommen. Hier kommt der Vorteil von Graufiltern her: Du kannst eben nicht nur zu diesen Tageszeiten Langzeitbelichtungen machen, sondern auch tagsüber.

Brauche ich für meine Canon, Nikon oder Sony Kamera jeweils einen bestimmten ND Filter?

Nein, es spielt keine Rolle, welchen Kamerahersteller du nutzt. Du kannst alle erhältlichen ND Filter an allen Kameras nutzen, solange der Filterdurchmesser passt.

Spielt es eine Rolle, ob ich den ND Filter an einer Spiegelreflexkamera oder an einer Systemkamera nutze?

ND Filter kannst du unabhängig von der eingesetzten Kamera einsetzen. Es kommt lediglich auf den Filterdurchmesser des Objektives an, an welchem du den Filter nutzen möchtest. Die Filter funktionieren also beispielsweise an Systemkameras, Spiegelreflexkameras und Bridgekameras.

Diese Filter nutze ich selbst

Newsletter Aufmacher 1 - E-BookWenn du Belichtungszeiten zwischen 10 Sekunden und 2 Minuten haben willst, dann empfehle ich dir einen Hoya ND8 und einen Hoya ND400. Wieso zwei Filter? Du kannst nur einen der Filter benutzen oder beide kombinieren. Im Zusammenspiel mit der Blende kannst du damit sehr variabel deine Belichtungszeit dosieren, je nachdem, welchen Effekt du haben willst. Diese Filter haben zusammen einen geringen Blaustich, der sich jedoch bei Nachbearbeitung korrigieren lässt. Daher ist diese Kombination für Farbfotografie geeignet.

Wenn du eher Belichtungszeiten zwischen 2 und 10 Minuten anpeilst und auf Schwarz-Weiß aus bist, dann empfehle ich dir den B+W 106 und den B+W 110. Auch hier kannst du im Zusammenspiel mit der Blende sehr variabel die Belichtungszeit beeinflussen. Die B+W Filter haben in Kombinationen einen ausgeprägten Rotstich, der sich nur schwer per Nachbearbeitung entfernen lässt. Daher benutze ich sie nur für Schwarz-Weiß Fotografie.

verschiedene ND Filter

verschiedene ND Filter

Ich habe diese vier Filter fast immer in meinem Fotorucksack dabei. So kann ich für Langzeitbelichtungen je nach Wolkenart, Wolkengeschwindigkeit, Wellengang und Lichtverhältnissen fast jede gewünschte Belichtungszeit realisieren.

Beispielbilder

Wenn du mehr Bilder sehen willst, dann kannst du einen Blick in meine Landschaftsfotos werfen. Alternativ kannst du in die Serie „Dark Monuments“ schauen. Hier sind praktisch alle Bilder mit Graufiltern entstanden.

Empfehlungen für den Kauf – Mein ND Filter Test & Vergleich (Graufilter Test)

Die nachfolgenden Empfehlungen sind wie ein kleiner Vergleich von mir. Ich habe noch nicht alle auf dem Markt befindlichen ND Filter testen können, aber zumindest viele.

Kleines Budget – Hoya

ND Filter von Hoya bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und sind darüber hinaus relativ farbneutral. Beim Kauf solltest du darauf achten, die vergütete HMC-Variante zu nehmen. B+W stellt ebenfalls Filter her, die aber etwas mehr Kosten als die Hoyas. Bitte beachte, dass die B+W Filter in bestimmten Aufnahmesituationen einen Rotstich haben können und damit eher für Schwarz-Weiß Fotografie geeignet sind.

Wie oben erwähnt nutze ich Hoya ND8Hoya ND400B+W 106 und den B+W 110. Ich bin mit dieser Filterkombination sehr zufrieden und kann damit praktisch jede Belichtungszeit zwischen 5 Sekunden und 5 Stunden erreichen.

Mittleres Budget – Hitech

Hitech Firecrest ND Filter sind laut den Amazon Rezensionen relativ farbneutral und werden von verschiedenen Fotografen daher sehr geschätzt.

Großes Budget – Lee

Lee Filter und besonders der Big Stopper sind bei den professionellen Landschaftsfotografen ebenfalls sehr beliebt. Die Farbverschiebungen sind hier recht gering.

Gibt es ein ND Filter Set?

Ja, auf Amazon gibt es verschiedene ND Filter Sets, allerdings würde ich dir stattdessen empfehlen, einfach einen Hoya ND8 und einen Hoya ND400 zu kaufen. Damit kannst du sehr viel machen und bleibst auch preislich einigermaßen im Rahmen.

Update 05.02.17: Es gibt mittlerweile ein Set vom Hersteller Haida. Von diesem Set habe ich nun schon von mehreren Kollegen aus der Landschaftsfotografie Gutes gehört. Auch die Amazon Rezensionen sehen gut aus.

Weiteres Zubehör für Langzeitbelichtungen

Welches Zubehör benutze ich noch für Langzeitbelichtungen? Ein stabiles Stativ, eine Wasserwaage und ein Fernauslöser sind bei mir immer im Einsatz. Ich benutze das Manfrotto Befree, eine Hama Wasserwaage und einen Canon Kabelfernauslöser.

Anwendung – Fotografieren mit ND Filtern mit meiner QuickTest Methode

Newsletter Aufmacher 4 - FotoausrüstungIch gehe folgendermaßen vor: Ich nehme mir als Erstes genug Zeit, um mein Motiv auszusuchen. Bei Langzeitbelichtungen kann ich für eine einzelne Belichtung durchaus 20 Minuten zubringen, daher sollte man sein Motiv gut auswählen. Wenn du dann dein Motiv gefunden hast, heißt es das Stativ in der richtigen Position aufbauen, Kamera drauf klemmen und die Bildkomposition machen.

Zum jetzigen Zeitpunkt befindet sich der ND Filter noch nicht am Objektiv. Wenn der nämlich aufgeschraubt ist, dann siehst du weder durch den Sucher noch über den Live View etwas. Demnach ist es sinnvoll, vorher die Bildkomposition zu machen und zu fokussieren. Ich nutze zum Fokussieren vom Stativ fast immer Live View und den Kontrast-AF. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht.

Nun stelle ich mein Objektiv von AF auf MF um, damit die Kamera nicht nach dem Aufschrauben des Filter versucht, wieder zu fokussieren (und durch den ND Filter der AF nicht trifft). Auch den Bildstabilisator deaktiviere ich direkt am Objektiv. Es kann sonst passieren, dass der Bildstabilisator während der Belichtung anfängt zu arbeiten und dir damit ein unscharfes Bild beschert. Nun schraube ich den oder die ND Filter auf.

Tipp: Sucher abdecken

Während einer Langzeitbelichtung kann auch durch den Sucher Licht in die Kamera einfallen. Bei normaler Belichtungszeit spielt das keine Rolle. Wenn man jedoch beispielsweise 5 Minuten belichtet, dann ist jeder Lichteinfall in die Kamera auf dem Bild sichtbar. Das kann sich dann als Lichtfleck im Bild äußern. Daher empfehle ich dringend, den Sucher während einer Langzeitbelichtung abzudecken. Fast alle DSLR-Kamerahersteller liefern eine Abdeckung mit. Bei Canon befindet sich diese in Form eines schwarzen Gummis am Kameragurt. Andere Kameras haben neben dem Sucher einen kleinen Schalter, mit dem sich der Sucher verschließen lässt.

Belichtungszeit mit einer Testbelichtung kalkulieren – der Kern der QuickTest Methode

Dann mache ich eine erste Testbelichtung mit beispielsweise ISO 1600, Blende 8 und 10 Sekunden. Nach dieser ersten Testbelichtung schaue ich mir das Histogramm an. Ich möchte das Histogramm so weit wie möglich nach rechts geschoben haben, ohne dass mir die Lichter ausbrennen. Diese Technik nennt sich expose to the right. Wenn nun noch Platz im Histogramm nach rechts hin ist, verändere ich die Belichtungszeit so, dass ich rechts gerade so an die Kante heran reiche.

Histogramm meiner Canon EOS 700D

Histogramm meiner Canon EOS 700D

Dabei ist ein Balken im Hintergrund des Histogramms immer eine Blende (bei Canon). Wenn ich nun beispielsweise die Einstellungen ISO 1600, Blende 8 und 15 Sekunden habe und damit ein richtig belichtetes Bild habe, kann ich anfangen zu rechnen. Jetzt geht es darum, welche Belichtungszeit ich bei ISO 100 benötige. Wieso ISO 100? Weil ich damit die maximale Bildqualität aus meiner Kamera heraushole. Noch mehr Tipps für Bildqualität findest du hier. Aktuell habe ich 15 Sekunden bei ISO 1600.

Pro ganzer ISO-Stufe verdoppelt sich immer die Belichtungszeit:

  • ISO 1600 – 15 Sekunden
  • ISO 800 – 30 Sekunden
  • ISO 400 – 1 Minute
  • ISO 200 – 2 Minuten
  • ISO 100 – 4 Minuten

Um also in dieser Beispielsituation ein gut belichtetes Bild bei ISO 100 zu bekommen, muss ich 4 Minuten belichten.

Die Belichtung mache ich also nun im manuellen Modus. Bei einigen Kameras muss man den Modus Bulb benutzen, um mehr als 30 Sekunden zu belichten. Ich benutze dafür meinen Fernauslöser und schaue mich während der Belichtung gleich noch nach weiteren Motiven um oder genieße einfach die Landschaft. Am Ende kontrolliere ich natürlich noch einmal das finale Ergebnis, auch um zu sehen, ob das Histogramm stimmt. Fertig ist das Bild.

Tipp für Langzeitbelichtungen bei Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang

Newsletter Aufmacher 3 - Neue BeiträgeWährend Sonnenuntergang (und natürlich auch bei Sonnenaufgang) ändert sich das Licht sehr schnell. Wenn du beispielsweise kurz vor Sonnenuntergang deine Testbelichtung machst, errechnest du einen Wert für die Belichtungszeit, der der aktuellen Lichtmenge entspricht. Nun wird das Licht relativ schnell weniger, weil die Sonne untergeht. Wenn du nun einfach den errechneten Wert beibehältst, dann wird dein Bild wahrscheinlich unterbelichtet sein. Als Faustregel hat es sich als brauchbar erwiesen, in einer solchen Lichtsituation einfach ein Drittel der errechneten Zeit noch hinzu zu addieren. Auch hier gilt: Nutze das Histogramm, um danach deine Belichtung zu beurteilen und gegebenenfalls zu korrigieren. Genau anders herum verhält es sich bei Sonnenaufgang.

Wie kann ich den Farbstich in der Nachbearbeitung korrigieren?

Dafür musst du natürlich die Bilder im RAW-Format aufnehmen. Wenn du nun das Bild in einem RAW-Programm wie zum Beispiel Adobe Camera RAW öffnest, kannst du mittels der Pipette die Stelle für den Weißabgleich wählen.

Pipette für den Weißabgleich

Pipette für den Weißabgleich

Hier solltest du ein möglichst farbneutrales Objekt wählen, also etwa einen grauen Stein. Nun rechnet das RAW-Programm den getätigten Weißabgleich auf das gesamte Bild um. Der Farbstich sollte nun korrigiert sein.

An dieser Stelle musst du dir noch einmal vor Augen führen, dass sich leider nicht jeder Farbstich in der Nachbearbeitung korrigieren lässt. Insofern lohnt es sich schon beim Kauf, in einen guten Graufilter zu investieren.

Kalibrierung der Filter

Bei Graufiltern kommt es vor, dass die vom Hersteller angegebene Stärke nicht mit der tatsächlichen Stärke übereinstimmt. So macht man wie unten angegeben eine Testbelichtung, rechnet dann hoch und stellt am Ende fest, dass die Belichtung nicht gepasst hat. Wie kannst du das umgehen? Es ist ratsam, die Filter mal zu testen. Das Vorgehen:

  1. Belichtung ohne Filter
  2. Zeit merken
  3. Belichtung mit Filter nach der angegebenen verlängerten Belichtungszeit (ND1000 Filter = ursprüngliche Belichtungszeit x 1000)
  4. Histogramm prüfen, ob die Verteilung einigermaßen übereinstimmt oder korrigiert werden muss
  5. Bei Korrektur danach den tatsächlichen Verlängerungsfaktor berechnen für zukünftige Nutzung

Wenn du diesen tatsächlichen Verlängerungsfaktor dann kennst, kannst du deine Belichtungszeit entsprechend exakter berechnen. Ich muss gestehen, dass ich oft die unten angegebene Methode einsetze. Wenn ich dann sehe, dass im Histogramm noch Platz nach rechts ist, dann mache ich noch eine zweite, längere Belichtung. Das kostet natürlich mehr Zeit. Irgendwann hat man aber auch Erfahrungswerte, ob man etwas länger oder kürzer als berechnet belichten muss.

Langzeitbelichtung in Ribeira da Janela

Langzeitbelichtung in Ribeira da Janela auf Madeira

Videokurs Architekturfotografie: Langzeitbelichtungen in Schwarz-Weiß

Videokurs Architekturfotografie: Langzeitbelichtungen in Schwarz-Weiß

Möchtest du mehr darüber lernen, wie ich Langzeitbelichtungen in Schwarz-Weiß mache? Möchtest du wissen, wie meine Serie „Dark Monuments“ entstanden ist? In meinem Videokurs zeige ich dir wie. Du lernst alle Schritte von der Vorbereitung über Bildkomposition bis hin zur Bildbearbeitung.

Mehr über den Videokurs erfahren

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52 Kommentare

  1. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,

    als „Graufilter-Neuling“ möchte ich mir zunächst nur einen Filter (zur Verwendung in der Landschaftsfotografie) zulegen, um auszuprobieren, ob das überhaupt etwas für mich ist. Welche Stärke ist da als „Allrounder“ sinnvoll – 0,9 (ND8) oder 1,8 (ND64), oder etwas ganz anderes?

  2. Nutzer Avatar

    Hallo,
    ich möchte gerne zukünftig den neuen Lee Filters LEE100 Holder verwenden.
    https://www.amazon.de/gp/product/B07N1QKQ6F/ref=ox_sc_act_title_3?smid=A1E92N2E5QJ7VW&psc=1

    Derzeit habe ich einen HAIDA 100-PRO Series Filterhalter mit verschiedenen Adapterringen, z.B.
    https://www.amazon.de/Haida-Metall-Adapterring-100er-Filterhalter/dp/B00NCXH5VE/ref=pd_sbs_421_2/260-1431786-4483950?_encoding=UTF8&pd_rd_i=B00NCXH5VE&pd_rd_r=c1046ec5-0f2e-413a-896e-2fcf89f5c287&pd_rd_w=ATQL0&pd_rd_wg=d7V7r&pf_rd_p=74d946ea-18de-4443-bed6-d8837f922070&pf_rd_r=YX6M70SG0QCGVVZDTF56&psc=1&refRID=YX6M70SG0QCGVVZDTF56

    Nun würde mich interessieren, wenn ich auf den Filterhalter von LEE umsteige, ob ich mir dann auch die ganzen Adapterringe neu kaufen muss oder ob ich diese von dem HAIDA weiterverwenden kann.

    • Nutzer Avatar

      Hallo Bernd,

      ich vermute stark, dass du die Adapterringe neu kaufen musst, weil die meist je nach System etwas unterschiedlich sind. Frag am besten mal direkt bei Lee an.

      Liebe Grüße,

      Matthias

  3. Nutzer Avatar
    Mathias Gerdenich

    Hallo Matthias,

    vielen Dank für den tollen Artikel. Ich hätte dazu folgende Fragen:

    Für Belichtungen von mehreren Minuten empfiehlst du die B+W Filter. Von Hoya gibt es ebenfalls 10- und 6-Stop Filter und deren Farbstich ist offensichtlich leichter zu beheben. Wäre das eine Alternative?
    Bei der Nutzung von zwei Filtern gleichzeitig, hast du Probleme mit Vignettierung?
    Wenn ich vor allem Objektive mit 72mm und 49mm Gewinde nutze, macht es Sinn mit Step Up-Ringen zu arbeiten (das wären dann ja 5 oder 6) oder wäre es sinnvoll in zwei verschiedene Filter zu investieren?

    Vorab danke und liebe Grüße
    Mathias

    • Nutzer Avatar

      Hallo Mathias,

      na gern. Zu deinen Fragen:

      Hoya: Ja, Hoya ist eine Alternative.

      Vignettierung: Bei 10 mm kann ich keine zwei Filter ohne Vignettierung verwenden, da gehe ich dann auf 12 mm.

      Step-up: Ja, die nutze ich auch. Aber dann brauchst du keine 5 oder 6, sondern nur einen einzelnen von 72 auf 49mm. (z.B. https://amzn.to/2T9zLbu)

      Liebe Grüße,

      Matthias

  4. Nutzer Avatar

    Sehr interessant und klar verständlich. Ich arbeite mit einer NIKON D850 und habe kürzlich einen HOYA PROND1000 und einen HAMA 2-400 (Occasion) erworben. Ich wollte so lange wie möglich belichten und die ISO auf L 1.0 herunter genommen. Ich bin mir nicht sicher aber ich glaube das sind noch mal drei Stufen tiefer als die ISO 64. Mit dem Variablen Filter komme ich nicht klar, weil die Skala einfach weisse Striche am Filter hat. Da weiss man nicht was das zu bedeuten hat. Ich glaube das war ein Fehlkauf. Ich habe trotzdem beide zusammen gebraucht und einfach ausprobiert.
    Bei 30 Sekunden kamen ganz passable Resultate heraus. Es war die Quelle eines Wasserfalles.
    Soweit so gut, aber das Problem ist, dass das Wasser überbelichtet und die Felsen daneben unterbelichtet sind. Was mache ich falsch?

    • Nutzer Avatar

      Hallo Hans,

      da brauchst du die passenden Filter, um die richtige Belichtungszeit zu bekommen. Belichtest du zu lange, dann entsteht ein überbelichtetes Bild. Zu kurz bedeutet eine Unterbelichtung. Es gibt aber auch genug Lichtsituationen, in denen der Kontrastumfang zwischen hellen und dunklen Bereichen im Bild so groß ist, dass es die Kamera nicht aufzeichen kann. Ich habe mal geschrieben wie ich da ran gehe:

      https://www.matthiashaltenhof.de/tutorials/langzeitbelichtung/

      Schau mal dort bei der QuickTest Methode.

      Liebe Grüße,

      Matthias

    • Nutzer Avatar

      Moin Hans,
      zwar bin ich nicht der Autor des Artikels, aber ich kenne das benannte Problem: Zumindest ist bei meiner D700 und ISO-Einstellung auf L1.0 der Dynamikumfang (also der Bereich zwischen reinem Weiß und reinem Schwarz, in dem die Kamera Abstufungen abbilden kann) um mindestens eine Blende geringer (eher noch mehr) als bei der nativen Empfindlichkeit des Sensors. Das heißt: Die eine Stufe an Belichtungszeitgewinn (es sind drei Drittelstufen) erkaufst du mit früherem Ausreißen der hellsten und/oder dunkelsten Bereiche; für mein Empfinden lohnt sich das meist nicht.

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