Mond fotografieren – Der Guide (Mit Einstellungen)

Möchtest du den Mond fotografieren? Ich zeige dir, worauf du dabei achten solltest und welche Einstellungen sinnvoll sind.

Gestern Abend wollte ich ins Bett gehen und hatte bereits das Licht ausgemacht. Ich wollte nur noch mein Fenster schließen und genau in diesem Moment strahlte mich der Mond hell leuchtend an. Die Bedingungen waren optimal und so konnte ich nicht anders, als noch einmal den Fotorucksack zu holen und das Stativ aufzubauen. Im heutigen Beitrag zeige ich dir, wie ich vorgegangen bin, um den Mond zu fotografieren.

Mond fotografieren

Mond fotografieren

Optimale Planung ist eine gute Idee

Der Mond war von meiner Wohnung aus in dieser Nacht sehr gut zu sehen. Es war fast Vollmond. Das hatte ich nur in dem Moment gesehen und nicht vorher geplant.

Es kann aber sinnvoll sein, einen Mondkalender zu nutzen, um vorher zu Wissen, wann die jeweiligen Mondphasen sind. ZusĂ€tzlich kannst du mit einer Website oder App wie The Photographer’s Ephemeris schauen, wann genau Mondauf- und -untergang stattfinden und in welcher Höhe (Winkel) der Mond zu sehen ist.

Außerdem sollte es natĂŒrlich wolkenfrei sein. Ich nutze fĂŒr die Wettervorhersagen aktuell die App von Wetter.com (Android, Apple). Diese gefiel mir in meinem Wetter App Test am besten.

Gestern Nacht hatte ich mir aber weder Mondphase, noch Höhe oder Wetter vorher angeschaut. Ich sah einfach aus dem Fenster und die Bedingungen haben gepasst.

Equipment zum Mond fotografieren

Um den Mond zu fotografieren, habe ich meine Canon EOS 77D Spiegelreflexkamera und das Canon EF-S 55-250 IS STM Teleobjektiv genutzt. Es ist sinnvoll den Mond mit einer Spiegelreflexkamera, einer Systemkamera oder eine Bridgekamera zu fotografieren. Auch eine Kompaktkamera mit großer Brennweite ist denkbar.

Ich habe die Kamera mit Stativ am nÀchsten Morgen noch einmal genauso hingestellt, um die nachfolgenden Bilder zu machen. Der Aufbau sah so aus:

Canon EOS 77D mit Canon EF-S 55-250 IS STM und Wasserwaage

Canon EOS 77D mit Canon EF-S 55-250 IS STM und Wasserwaage

Den Mond bildfĂŒllend mit dem Handy oder Smartphone zu fotografieren ist nicht möglich, weil das Handy kein Zoomobjektiv besitzt, was stark genug ist. Der Mond ist damit im Bild einfach viel zu klein.

Wie ich dir spĂ€ter zeige, wĂŒrde ich auch ein Teleobjektiv mit mindestens 200 mm Brennweite (auf APS-C gerechnet, also 320 mm am Vollformat) empfehlen, weil der Mond sonst
ebenfalls zu klein ist.

Falls du noch kein Teleobjektiv hast, findest du hier ein paar Empfehlungen von mir mit gutem Preis-Leistungs-VerhÀltnis:

Neben Kamera und Teleobjektiv habe ich noch mein Manfrotto Befree GT Carbon Stativ, einen Fernauslöser und eine Wasserwaage (nicht unbedingt nötig) verwendet. Der Fernauslöser kommt zum Einsatz, damit ich nicht an der Kamera wackele, wenn ich den normalen Auslöser drĂŒcke.

Der Fernauslöser hÀngt lose am Stativ

Der Fernauslöser hÀngt lose am Stativ

Der Ablauf

Ich habe das Fenster aufgemacht, um keine Spiegelungen vom Fensterglas im Bild zu haben. Das Licht im Zimmer war ausgeschaltet.

Entstehung der Mondaufnahme

Entstehung der Mondaufnahme

Mond fotografieren: Einstellungen

Beginn im AV Modus

Als Erstes habe ich die Kamera auf den AV Modus gestellt. Hier kann ich die Blende und ISO vorwĂ€hlen und die Kamera berechnet die Belichtungszeit selbst. Wie immer habe ich im RAW Format fotografiert, um die Einstellungen fĂŒr die Bildentwicklung selbst beeinflussen zu können. Einen Vergleich von RAW vs. JPG findest du hier.

Zwei Tipps fĂŒr die optimale SchĂ€rfe

Da die Aufnahme vom Stativ aus stattfand, habe ich den Bildstabilisator deaktiviert, damit der nicht arbeitet und meine Aufnahme eventuell deshalb verwackelt.

Außerdem habe ich die Spiegelvorauslösung aktiviert. So kannst du sicherstellen, dass deine Kamera nicht mitschwingt, wenn der Spiegel hochklappt. Genau das passiert nĂ€mlich vorher, sodass du den Fernauslöser dann ein zweites Mal drĂŒcken musst, damit die Aufnahme erfolgt.

Mehr Tipps fĂŒr die beste BildqualitĂ€t findest du in meinem E-Book, welches es gerade kostenlos gibt.

Bildausschnitt finden

ZunĂ€chst habe ich das Objektiv auf etwa 100 mm eingestellt und die Bildvorschau im Liveview aktiviert. Damit habe ich die Kamera erst einmal so ausgerichtet, dass der Mond etwa in der Bildmitte platziert ist. Um nun den Mond so groß wie möglich abbilden zu können, habe ich auf 250 mm reingezoomt. 

Hier sah ich schon, dass der Mond ruhig noch hĂ€tte grĂ¶ĂŸer sein können. Eine Brennweite von 300 mm und mehr ist also durchaus sinnvoll. Ich wusste aber auch, dass ich aus dem Bild in der Nachbearbeitung noch einen vergrĂ¶ĂŸerten Ausschnitt wĂ€hlen kann.

Kamera mit Stativ vor dem geöffneten Fenster (nachgestellt)

Kamera mit Stativ vor dem geöffneten Fenster (nachgestellt)

Fokussierung mit dem Liveview Autofokus

Mit diesem Bildausschnitt habe ich das Autofokus-Rechteck vom Liveview auf die Kante des Mondes verschoben, damit die Kamera dort fokussieren kann.

Wieso gerade auf die Kante? Ein Autofokus-System arbeitet mit Kontrast. Es kann am treffsichersten dort fokussieren, wo der Kontrast am grĂ¶ĂŸten ist. In dieser Szene ist das genau der helle Mond und der dunkle Himmel dahinter.

Wieso gerade der Liveview Autofokus? Nach meinen Erfahrungen arbeitet der Kontrast-Autofokus im Liveview vom Stativ aus unheimlich prÀzise. Nur ausgesprochen selten habe ich damit eine unscharfe Aufnahme.

Nachdem ich die Kamera fokussieren ließ und der Mond scharf gestellt war, stellte ich den Schalter fĂŒr den Autofokus am Objektiv auf manuelle Fokussierung um. So habe ich verhindert, dass die Kamera noch einmal selbst fokussiert und damit womöglich daneben trifft.

FĂŒr die erste Aufnahme habe ich testweise Blende 5.6 und ISO 100 genommen. Die Kamera berechnete eine Belichtungszeit von 0,8 Sekunden. Das Bild sah so aus:

Erstes Bild im AV Modus

Erstes Bild im AV Modus

FĂŒr viele Aufnahmen liefert der AV Modus eine gute Berechnung der Belichtung. In diesem Fall war jedoch ein verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleines helles Motiv mit dunklem Hintergrund im Bild. Die Kamera versucht eine Art Durchschnitt von allen Messfeldern fĂŒr die Belichtung zu bilden. Das funktioniert hier nicht – der Mond war ĂŒberbelichtet.

In meiner Kamera habe ich die Überbelichtungswarnung aktiviert. Nach einer Aufnahme blinken dadurch im Bild die Teile, die ĂŒberbelichtet sind. Hier sind keinerlei Bildinformationen mehr vorhanden, diese Bildteile sind nur noch weiß. Eine Überbelichtung an diesen Stellen lĂ€sst sich auch bei der spĂ€teren RAW-Entwicklung nicht mehr sichtbar machen.

Wechsel in den manuellen Modus

Ich hĂ€tte nun anfangen können mit der Belichtungskorrektur im AV Modus zu arbeiten, um diese Überbelichtung zu korrigieren. Stattdessen wechselte ich aber in den manuellen M Modus, um selbst die Einstellungen fĂŒr die Belichtung vorzunehmen.

Da der Mond hell genug war, habe ich außerdem die Blende auf 8,0 geschlossen. So kann ich etwas mehr SchĂ€rfe aus dem Objektiv herausholen, bevor bei höheren Blendenzahlen die BeugungsunschĂ€rfe einsetzt. Die ISO ließ ich weiterhin auf 100, um kein Bildrauschen zu erzeugen.

Aus der Belichtung im AV Modus wusste ich, dass 0,8 Sekunden bei Blende 5,6 viel zu hell ist. Bei Blende 8 wĂ€hlte ich deshalb eine Belichtungszeit von ⅛ Sekunde. So sah dann das nĂ€chste Bild aus:

Zweites Bild im M Modus

Zweites Bild im M Modus

Das war schon mal etwas dunkler, aber die Überbelichtungswarnung zeigte immer noch, dass der Mond zu hell war.

So halbierte ich die Belichtungszeit auf 1/15 Sekunde, was nur minimale Besserung brachte. Bei 1/30 Sekunde waren schon langsam Details der MondoberflĂ€che zu sehen, aber Teile waren immer noch ĂŒberbelichtet:

Drittes Bild mit noch kĂŒrzerer Belichtungszeit

Drittes Bild mit noch kĂŒrzerer Belichtungszeit

So korrigierte ich die Belichtung noch einmal auf 1/60 und danach auf 1/125 Sekunde, bis ich die finalen Einstellungen gefunden hatte:

Viertes und finales Bild mit passender Belichtung

Viertes und finales Bild mit passender Belichtung

Die finalen Einstellungen lauteten also:

  • Manueller Modus
  • ISO 100
  • Blende 8,0
  • 1/125 Sekunde Belichtungszeit
  • RAW Format
  • Spiegelvorauslösung
Die finalen Einstellungen

Die finalen Einstellungen

Diese Einstellungen werden fĂŒr dich natĂŒrlich je nach Situation anders sein. Aber vielleicht bieten sie ja einen guten Ausgangspunkt, von dem aus du dann deine Einstellungen verfeinern kannst.

Nachbearbeitung

FĂŒr die Nachbearbeitung nutze ich Adobe Photoshop im Adobe Foto-Abo. Alle Bearbeitungsschritte fĂŒr dieses Bild liefen im Adobe Camera RAW Konverter ab, sodass du auch in Lightroom die Schritte nachstellen kannst. NatĂŒrlich gibt es auch genug Alternativen zu Lightroom und Photoshop, mit denen du das gleiche Ergebnis erreichen kannst.

Da ich wie oben beschrieben nur eine 250 mm Brennweite zur VerfĂŒgung hatte, musste ich das Bild erst einmal stark beschneiden. Ich aktivierte die Objektivkorrekturen, um Objektivfehler wie Verzerrungen zu beheben.

Mit der Pipette fĂŒr den Weißabgleich habe ich auf die Mitte des Mondes geklickt, um eine neutrale Farbwiedergabe zu erreichen. Das Ergebnis ist also am Ende fast schwarz-weiß.

So sehen die Einstellungen in Adobe Camera RAW aus:

Einstellungen fĂŒr die Nachbearbeitung in Adobe Camera RAW

Einstellungen fĂŒr die Nachbearbeitung in Adobe Camera RAW

Doch weshalb habe ich welchen Regler wie bewegt?

Der Himmel um den Mond herum kann ruhig schwarz sein. Da ist es nicht schlimm, wenn mir dieser Teil des Bildes “absĂ€uft”. Deshalb habe ich den Schwarzregler etwas nach unten gezogen.

Ich habe die Belichtung nach unten korrigiert, damit mehr Details der MondoberflĂ€che zu sehen sind. Außerdem habe ich den Schwarzregler etwas nach unten und den Weißregler nach oben gedreht, weil ich damit mehr Kontrast im Bild erzeuge.

Das fertige Ergebnis sieht so aus:

Mond fotografieren

Mond fotografieren

Ist es nicht faszinierend, was es so alles auf der MondoberflÀche zu entdecken gibt?

Ist das Bild fĂŒr den Druck geeignet?

Da ich wie oben beschrieben nur eine Brennweite von 250 mm (an APS-C) zur VerfĂŒgung hatte, musste ich den Mond stark vergrĂ¶ĂŸern. Deshalb hat das Bild nur eine KantenlĂ€nge von ca. 1100 Pixeln. FĂŒr einen Ausdruck in 20 x 30 wĂŒrde das gerade noch reichen, aber nicht fĂŒr grĂ¶ĂŸere Drucke.

WĂŒrde ich einen grĂ¶ĂŸeren Druck vom Mond anfertigen wollen, wĂŒrde ich mir also ein Objektiv mit einer grĂ¶ĂŸeren Brennweite leihen. Ich denke um die 400 mm dĂŒrften passend sein.

Den Mond als Teil der Bildkomposition nutzen

In meinem Bild habe ich den Mond so groß wie möglich abgebildet und als Hauptmotiv genommen. Es ist aber natĂŒrlich genauso möglich, noch andere Elemente mit auf das Foto zu nehmen. Hier ist es ratsam, sich nicht nur vorher eine passende Szenerie auszuwĂ€hlen, sondern auch auf eine ausbalancierte Belichtung zwischen Mond und Vordergrund zu achten. Auch die Kombination mehrerer Belichtungen ist natĂŒrlich denkbar.

Dieses Foto entstand wÀhrend der blauen Stunde an einem Teich in der NÀhe von Dessau:

Moon Tree

Moon Tree

Hast du noch Fragen zum Mond Fotografieren? Hast du noch Tipps fĂŒr andere Leser? Wie sind deine Erfahrungen zu diesem Thema? Schreib mir in den Kommentaren!

16 Kommentare

  1. Nutzer Avatar
    Bernard Aschmann

    Hallo Matthias, vielen Dank fĂŒr die interessante Anleitung. Ich werde diese beim nĂ€chsten Vollmond ausprobieren. Ich wollte die Anleitung ausdrucken, was aber leider in vernĂŒnftiger Form nicht möglich ist. WĂ€re es möglich, dass du deine interessanten BeitrĂ€ge fĂŒr den pdf – Druck zur VerfĂŒgung stellen könntest?
    Vielen Dank und beste GrĂŒsse aus der Schweiz,

    Bernard Aschmann

    • Nutzer Avatar

      Hallo Bernard,

      ich selbst möchte den Artikel nicht als Pdf anbieten. Der Grund dafĂŒr ist, dass ich kein großer Freund vom Ausdrucken bin, weil dafĂŒr Papier genutzt werden muss. Du kannst dir den Inhalt des Artikels aber auch in Word kopieren und dann Drucken, ich denke das geht vielleicht von der Formatierung her besser.

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

  2. Nutzer Avatar
    Michael Eggers

    Wunderbare Anleitung mit der „Herantasten-Methode“. Interessant wĂ€re jetzt noch, wie man vorgeht, wenn man rund um den Mond herum noch ein paar Sterne sichtbar machen möchte, ohne dass dabei der Mond ausbrennt (nur der Mond allein wird auch irgendwann langweilig 😉 ). Aber das wird im Tele-Bereich ab 200 mm wohl kaum ohne Aufhellen des RAW-Bildes um den Mond herum möglich sein, oder? So lange belichten, bis die Sterne „kommen“ (ohne dabei „Striche“ zu werden) – da wird der Mond wahrscheinlich nur noch ein weißer Vollkreis werden… Hach, mit ISO-800-Film war das so schön einfach 🙂

    • Nutzer Avatar

      Hallo Michael,

      danke dir! Ich denke bei digitalen Kameras wirst du hier nicht darum herumkommen, mehrere Belichtungen zu machen und diese zusammenzusetzen. Im Bereich Dynamikumfang hat ein guter Film immer noch die Nase vorn…

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

  3. Nutzer Avatar

    Dem stimme ich voll zu. Bei 3/4 Mond sieht man die Krater/Berge recht schön. Ich nehm dafĂŒr eine „WundertĂŒte“ (500mm, manuelles Objektiv mit T2 Anschluß und Adapter) fĂŒr meine A77. Damit hab ich beste Erfahrungen gemacht. Allerdings muß man eines beachten: Baut man alles auf dem Balkon auf, dann reichen die feinen Vibrationen (Haus, Heizung, was auch immer) um UnschĂ€rfe (Verwacklung) im Bild zu erzeugen. Ich muß tatsĂ€chlich raus in den Garten um gute Aufnahmen zu bekommen. IR bzw Kabelauslöser ist auch Pflicht. Aus der Hand kann man mit den effektiven 750mm nicht mehr fotografieren.
    Das Objektiv hab ich mal fĂŒr 27€ bei einem FotohĂ€ndler in Nbg. mitgenommen. Habs nicht bereut. Ist besser als alle Zooms, die auch schon am Mond ausprobiert habe.

    • Nutzer Avatar

      Hallo Manfred,

      sehr interessant, danke dir fĂŒr den Einblick. Ist ja auch irgendwie bedenklich, dass da am Haus so viel Vibration da ist. 27 € ist auf jeden Fall ein SchnĂ€ppchen fĂŒrn son Teil.

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

  4. Nutzer Avatar
    Dr.Friedrich Otto StÀhlin

    Hallo Matthias,
    vielen Dank fĂŒr den interessanten Beitrag. Ich habe, auf Anregung von Astrofotografen, den Mond im Sinne von High Resolution, mit mehreren Aufnahmen aufgenommen und dann ineinander verrechnet. Das gibt nochmal eine schĂ€rfere und kontrastreicher Aufnahme.
    mfg
    Otto

    • Nutzer Avatar

      Hallo Friedrich Otto,

      das ist eine gute Idee. Im Prinzip ist das ja wie eine Landschaftsaufnahme aus mehreren Aufnahmen mit etwas mehr Brennweite, die man danach zusammensetzt fĂŒr mehr Auflösung. Danke dir!

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

  5. Nutzer Avatar
    Wolfgang Pasche

    Hallo Matthias,
    ich habe mit meiner Canon EOS 200D ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass, um wirklich Bilder mit der gewĂŒnschten „Stimmung“ vom Mond zu erhalten, die manuelle Belichtung die einzige wirkliche Möglichkeit ist. Ich nutze die Automatik nur, um einen ersten Anhaltspunkt zu erhalten. Das gilt eigentlich fĂŒr (fast) alle Nachtaufnahmen, bei denen der Großteil des Bildes extrem dunkel ist. Wenn man wirklich eine fast bildfĂŒllende Abbildung haben will, kann man wohl bis 1000 mm gehen. Ich hatte im Februar 2020 Gelegenheit, durch ein Celestron C8 zu fotografieren (das hat eine Brennweite von 2000 mm), da war dann nur noch ca. 60 -70 % des Mondes auf dem Bild. Und ich muss meinem „Vorredner“ zustimmen: Der Vollmond ist zwar das, was einem als erstes einfĂ€llt, aber man bekommt die „flachste“ mögliche Abbildung. Mit 3/4 bis 1/2 Mond werden die Mare und Krater wesentlich deutlicher abgebildet, weil dann das schrĂ€g einfallende Sonnenlicht dort Schatten wirft. Das Bild wird dadurch wesentlich plastischer.
    Ich habe ĂŒbrigens mit meiner Kompaktkamera (Lumix TZ91) auch interessante Mondaufnahmen hinbekommen (hat mich selbst ĂŒberrascht), mit voll ausgefahrenem Zoom (entspricht dann 750 mm), und im Gegensatz zur Canon hat die Lumix die automatische Belichtung hinbekommen (ISO 400, 1/100 Sekunde) und wegen der kurzen Belichtungszeit ging das sogar „aus der Hand“ (jedenfalls bei mir).
    GrĂŒĂŸe aus Hamburg
    Wolfgang Pasche

    • Nutzer Avatar

      Hallo Wolfgang,

      das ist bestimmt nicht nur aus fotografischer Sicht spannend, mal mit einem 2000 mm Objektiv zu arbeiten. Danke dir fĂŒr den Hinweis mit Voll- und Halbmond. Ich kann mir gut vorstellen, dass es dann noch viel plastischer wird, ist ja wie bei anderen Aufnahmen mit Seitenlicht.

      Ich kann mir gut vorstellen, dass die TZ91 die automatische Belichtung gut hinbekommt, weil bei 750 mm der Mond ja auch schon ordentlich groß abgebildet wird. Und ĂŒber die Belichtungszeit war ich ebenfalls etwas erstaunt…

      Liebe GrĂŒĂŸe nach Hamburg,

      Matthias

  6. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,
    warum machst Du Dir denn so viel Arbeit mit den manuellen Einstellungen? – Die 77D kann das doch ganz wunderbar mit der Blendenvorwahl, d. h. mit der Zeitautomatik … brauchst doch nur die Belichtungsmessung auf „Spot“ stellen … das bedarf dann ĂŒberhaupt keiner Nachbearbeitung mehr mit Ausnahme des Ausschnitts.
    Beste GrĂŒĂŸe
    Hugo

  7. Nutzer Avatar

    Ciao Matthias
    Alles sehr schön erklĂ€rt. Die Hinweise von Stefan sind wichtig. Spotmessung funktionert gut, gerade bei grossen Brennweiten. Umso grösser die Brennweite, umso schneller sollte die Zeit sein. Bei einem 600er Tele (habe an der Canon das Sigma 150-600mm C-Zoom) „rast“ der Mont durch das Bild … Ich gehe auf eine Blende rund um f6 und bin dann mit der Zeit so bei 1/250 oder 1/500.
    Bei Vollmond knallt die Sonne senkrecht auf den Mond, das gibt – wie Stefen richtig bemerkt – wenig Schatten in de Kratern, 1- 5 Tage vor Vollmond ist der Schattenwurf besser, weil die Sonne dann seitlicher steht.
    Attraktive Bilder entstehen, wenn man den „grossen“ Mond am Horizont erwischt und diesen in die Bildgestaltung einbauen kann, insbesondere natĂŒrlich, wenn man in einem hĂŒgeligen oder gar bergigen Gebiet wohnt (oder eine schöne Stadtsilhouette hat!).
    Ich habe mir – fast nur fĂŒr den Mond – noch einen Telekonverter zum Sigma zugelegt (1.4), dass ergibt an der Canon APSC-Kamera inkl. Cropfaktor ein KB-Brennweite von fast 1400mm. Da fĂŒllt der Mond das Bild schon fast gĂ€nzlich. Dann brauchts beste Bedingungen (kein Wind, kĂŒhles Wetter, stabile Luftschichten) und ein paar wirklich ErschĂŒtterungsfreie Versuche – und es gibt tolle Bilder.
    Wer die Landschaft einbeziehen möchte: 1 – 2 Tage vor Vollmond, ist die Konstellatin ideal: Der Mond erscheint im letzten Licht der Sonne, der Horizont ist im Abendrot, und der Mond steigt mit schöner Zeichung am Horizont auf. Die Website mondverlauf.de oder die (tolle) App PhotoPills helfen sehr bei der Planung (nebst den Wetterapps.
    Mit liebem Gruss aus der Zentralschweiz
    Mandi

    • Nutzer Avatar

      Hallo Mandi,

      danke dir! Und ebenso danke fĂŒr den Einblick, wie du an die Fotos herangehst und mit welchem Equipment. Diese Hinweise sind nicht nur fĂŒr mich, sondern auch fĂŒr andere Leser echt spannend!

      Liebe GrĂŒĂŸe in die Schweiz,

      Matthias

  8. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,
    ich habe gute Erfahrungen gemacht, wenn ich nicht zur VollmondZeit fotografiere, sondern bei etwa 3/4 Mond. sSo kommen die Konturen auf der MondoberflĂ€che besser raus. FĂŒr die Belichtung nutze ich natĂŒrlich eine offene Blende und ganz simpel eine Spotmessung. Das klappt sehr gut.
    Mit ruhiger Hand und guten Stabi kann das sogar aus der Hand klappen. Ansonsten wie Du: Stativ und Fernauslöser. Weißabgleich, Ausschnitt spĂ€ter am PC

    • Nutzer Avatar

      Hallo Stefan,

      sehr gute Ideen! Es ist ja wie mit anderen Motiven auch – bei Seitenlicht wird es viel plastischer. Mit welcher Brennweite arbeitest du da so?

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

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