Monitor kalibrieren fĂŒr Fotografie – So funktioniert es [Guide]

Deine gedruckten Bilder sehen nicht so aus, wie du sie am Bildschirm bearbeitet hast? Dann solltest du wissen, wie du deinen Monitor kalibrieren kannst.

In der digitalen Fotografie bearbeitest du deine Bilder an deinem eigenen Monitor, mit deinen eigenen Monitor- und Farbeinstellungen. Wenn du die Bilder dann im Internet zeigst, weißt du leider nie, wie der Betrachter die Bilder wirklich sieht. Denn er hat seine eigenen Monitor- und Farbeinstellungen.

Das Ergebnis guter Fotografie ist ein guter Druck.

Selbst wenn du keine Ausstellungen machst, empfehle ich dir trotzdem, hin und wieder deine Bilder zu drucken. Das muss nicht in 90 x 60 cm sein. Druck einfach mal deine 5 besten Bilder des letzten halben Jahres in 30 x 20 cm aus. Das kostet nicht die Welt.

Wenn du deine Bilder in den HĂ€nden hĂ€ltst, selbst betrachten und deinen Freunden zeigen kannst, ist das ein ganz anderes GefĂŒhl.

Alpine Summer

Alpine Summer

Ein guter Monitor ist die Grundlage

Die Kalibrierung des Monitors passt Farben, Helligkeit und Kontrast des Bildschirms so an, dass er deine Bilder möglichst neutral wiedergibt. Nun hat jeder Monitor eine gewisse Palette von Farben und Helligkeiten, die er darstellen kann. Je nachdem, wie gut diese Palette ist, kann sich die Kalibrierung natĂŒrlich auch nur innerhalb dieser Grenzen bewegen. Daher ist es sinnvoll, sich einen Monitor fĂŒr die Bildbearbeitung zuzulegen.

Farbdarstellung vom Blickwinkel abhÀngig

Dieses Bild zeigt, wie stark die Farbdarstellung vom Blickwinkel abhÀngig ist. Links ein Monitor mit TN Panel, rechts IPS Panel.

Wenn du lieber einen Laptop nutzen willst, dann habe ich hier einen eigenen Artikel dazu geschrieben: Laptop fĂŒr Bildbearbeitung.

Monitor kalibrieren – wie funktioniert das genau?

Um deinen Monitor zu kalibrieren, brauchst du ein KalibrierungsgerĂ€t. Aktuell sind hier Datacolor Spyder 5 Pro oder X-Rite i1Display Pro zu empfehlen. Ich nutze einen Datacolor Spyder 4 Pro dafĂŒr.

Monitor kalibrieren mit dem Spyder 4 Pro

Monitor kalibrieren mit dem Spyder 4 Pro

Wie lĂ€uft so eine Kalibrierung ab? Vereinfacht gesagt platzierst du das GerĂ€t vor dem Monitor. Dann stellt es mit der mitgelieferten Software verschiedene Farben und Bilder auf dem Monitor dar, die es in dieser Zeit misst. Daraus erstellt das GerĂ€t ein Monitorprofil, welches genau auf deinen Monitor angepasst ist. Dieses Profil wird ab diesem Zeitpunkt fĂŒr deine Farbdarstellung genutzt.

Kalibrierung des Monitors - Positionierung des Spyder

Kalibrierung des Monitors – Positionierung des Spyder

Dieser Prozess dauert etwa 30 Minuten und muss alle 3 Monate wiederholt werden. Wieso ist das wichtig? Dein Monitor verĂ€ndert sich mit der Zeit. Die FarbintensitĂ€t nimmt ab, die Helligkeit verringert sich und so muss der Monitor regelmĂ€ĂŸig neu kalibriert werden.

Nach der Kalibrierung werden dir die Farben vielleicht erst einmal falsch vorkommen. Wenn dein Monitor bisher beispielsweise einen Blaustich hatte, dann haben sich deine Augen schon daran gewöhnt. Nach der Kalibrierung sind die Farben neutral eingestellt, kommen dir aber viel zu warm vor. Nach 1-2 Tagen hast du dich aber wieder daran gewöhnt.

Unterseite des Spyder 4 Pro

Unterseite des Spyder 4 Pro

Um möglichst gute Ergebnisse zu erzielen, sollte der Monitor vor dem Kalibrieren schon eine halbe Stunde warm gelaufen sein. Außerdem sollte die Kalibrierung in Ă€hnlichem Licht stattfinden, in dem du sonst deine Bilder bearbeitest.

Nach der Kalibrierung ist es beim Spyder 4 Pro so, dass das GerÀt direkt neben dem Monitor platziert wird und alle 30 Sekunden das Umgebungslicht misst. AbhÀngig davon wird dann die Helligkeit des Monitors kontinuierlich angepasst.

KalibrierungsgerĂ€t mißt die Helligkeit am Monitor alle 30 Sekunden

Das KalibrierungsgerÀt misst die Helligkeit am Monitor alle 30 Sekunden

Nun hast du gute Voraussetzungen dafĂŒr, dass dein Druck auch so aussieht, wie dein Bild am Monitor.

Guten Druckdienstleister nutzen

Newsletter Aufmacher 1 - E-BookIch nutze fĂŒr meine Drucke einen Druckdienstleister. Wieso nutze ich dafĂŒr keinen eigenen Drucker? Gute Fotodrucke werden aktuell meist mit hochwertigen Tintenstrahldruckern erstellt. Solch ein Drucker kostet ab 2000 Euro aufwĂ€rts. Das Problem bei Tintenstrahldruckern: Man muss regelmĂ€ĂŸig drucken, sonst trocknen die Druckköpfe ein. Ich drucke aber nur sehr unregelmĂ€ĂŸig, sodass sich ein solcher Drucker fĂŒr mich nicht lohnt.

Ich empfehle daher, sich einen guten Druckdienstleister zu suchen. Ich habe dafĂŒr schon mehrere getestet und bin mit Whitewall sehr zufrieden.

Tipp: ICC Profile nutzen

Jeder Drucker hat ein anderes Druckbild. Um bereits am eigenen Monitor genau das zu simulieren, kannst du dir bei den guten Druckdienstleistern ICC Profile herunterladen. Diese kannst du in Photoshop laden, um zu sehen, wie das Druckergebnis aussehen wird. Die Profile unterscheiden sich sowohl bei den Druckern, als auch bei den unterschiedlichen Papierarten, die du bedrucken lassen kannst. Hier kannst du dir beispielsweise die ICC Profile von Whitewall ansehen.

Zusammenfassung

  1. Guten Monitor nutzen
  2. Monitor kalibrieren
  3. Guten Druckdienstleister nutzen
  4. ICC Profile des Dienstleisters nutzen
  5. Freude an den eigenen Drucken haben
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4 Kommentare

  1. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,

    sehr interessanter Beitrag, war mir davor gar nicht so bewusst! Ich hĂ€tte dazu aber noch eine Frage: du hast ja geschrieben dass man es in dem Licht kalibrieren soll wie man normalerweise arbeitet. Allerdings habe ich weder einen fixen platz noch bestimmtes licht, das Ă€ndert sich andauernd (daheim, im zug, draußen, etc). Macht da die kalibrierung viel unterschied? Oder kann man zB auch mehrere Profile anlegen? GrundsĂ€tzlich drucke ich keine fotos und wenn dann auch nicht bei professionellen Druckdiensten.
    ich bedanke mich schon mal im voraus 🙂

    Liebe GrĂŒĂŸe,
    Dagmar

    • Nutzer Avatar

      Hallo Dagmar,

      die Kalibrierung macht da bezĂŒglich der Farben schon einen Unterschied. Ich denke du solltest dann immer nur schauen, dass du deine Bildschirmhelligkeit an die jeweiligen Gegebenheiten anpasst.

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

  2. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,
    das ist wiedermal ein sehr guter Beitrag zu einem Thema was wegen der Kosten sehr gerne vernachlÀssigt wird.
    Ich war auch erst etwas skeptisch ob das bei meinem neuen 4K 32″ BENQ wirklich notwendig ist, hat er doch schon verschiedene Bildschirm- Modi zur VerfĂŒgung und war ja auch nicht ganz billig, aber die zusĂ€tzlichen Kosten fĂŒr ein GerĂ€t zum kalibrieren lohnen sich auf jeden Fall.

    Ich habe mir den Datacolor Spyder 5 pro gekauft und das Ergebnis hat mich sofort ĂŒberzeugt und meine Augen danken es mir, da der Spyder sich auf meine Umgebungsbelichtung anpasst und somit das Bild optimal kalibriert.
    Hinterher kann man sich das vorher / nachher Ergebnis anschauen und wird staunen.
    Das GerĂ€t ist fĂŒr beliebig viele Monitore nutzbar, daher habe ich es bei einem Freund, der bis zu diesem Zeitpunkt dachte, sein neuer Monitor habe ein super Bild ebenfalls fĂŒr Staunen gesorgt.
    Es war vorher ein sehr starker Blaustich im Bild, den man erst nachdem vorher / nachher Test entdeckt.

    Wirklich erschreckend was man seinen Augen ohne Kalibrierung antut.
    Ich habe auch schon das Argument gehört, „kalibrieren braucht man nur fĂŒr einen guten Druck, fĂŒr die Farben“ ……das stimmt schon aber meine Augen und meine Optik stehen dennoch an erster Stelle.

    VG. Rita

    • Nutzer Avatar

      Hallo Rita,

      ich finde im Vergleich zu dem Preis eines neuen Objektives ist doch das Geld fĂŒr ein KalibrierungsgerĂ€t noch echt in Ordnung. Wie so oft ist ja der wichtigste Gedanke, wie sinnvoll man sein Geld fĂŒr welche Dinge einsetzt.

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

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