Fujifilm X100V Test: Analog-Feeling mit einer digitalen Kamera

In meinem heutigen Fujifilm X100V Test geht es um alle Features der digitalen Kamera und darum, was ich an der Kamera mag und für wen diese Kamera überhaupt interessant ist.

Mein Vorwissen

Ich fotografiere seit mehr als 15 Jahren und bin in der Landschafts- und Architekturfotografie zuhause. In dieser Zeit habe ich hauptsächlich mit Canon APS-C Spiegelreflexkameras fotografiert. Zudem habe ich die Fujifilm X100S, X100T und X100F genutzt. Daher bin ich mit der X100-Reihe gut vertraut. Meinen Test der Fujifilm X100F findest du hier.

Meine Hauptkamera ist derzeit eine Sony Alpha 7 III. Hier erfährst du mehr über meine aktuelle Fotoausrüstung.

Fujifilm X100V Test: Originalverpackung

Fujifilm X100V Test: Originalverpackung

Technische Daten der X100V in der Übersicht

Bevor ich zum eigentlichen Test komme, ist eine Übersicht der technischen Daten der Fujifilm X100V sinnvoll:

  • Megapixel: 26,1
  • Sensorgröße: APS-C
  • Objektiv: Festbrennweite mit 23 mm F2.0 (35 mm Kleinbild-äquivalent)
  • Display: 3 Zoll, 1,62 MP, neigbar
  • Sucher: 0.5 Zoll OLED, Hybrid, 3,69 MP
  • ISO: 80-51200
  • Videoauflösungen: MOV H.264, 4096×2160@29.97p (17:9), 3840×2160@29.97p (16:9), 1920×1080@120p (16:9)
  • Speicher: 1 Slot für SD/​SDHC/​SDXC (UHS-I)
  • Anschlüsse: USB 3.1 Gen1 (Typ-C), HDMI Out, Mikrofon, WLAN 802.11b/​g/​n, Bluetooth 4.2 LE
  • Akku: NP-W126S
  • Größe: 128 x 74.8 x 53.3 mm
  • Gewicht: 428g
  • Naheinstellgrenze: 10 cm
  • Filtergewinde: 49 mm

Unterschiede zum Vorgänger

Welche Unterschiede gibt es bei der Fujifilm X100V im Gegensatz zur X100F?

Neuer Sensor

Die X100V beherbergt nun den neueren X-Trans IV Sensor mit 26,1 Megapixeln. Der Sensor hat unter anderem 2 Megapixel mehr als der X-Trans III Sensor von Fujifilm.

Neues Objektiv

Die Brennweite von 23 mm ist gleich geblieben, aber Fuji hat das Objektiv einmal komplett neu entwickelt. Im Objektiv ist nun eine asphärische Linse mehr verbaut. Die Bildqualität soll besser sein – vor allem im Nahbereich soll sich die Schärfe verbessert haben.

Fujifilm X100V Test: Neues 23 mm Objektiv

Fujifilm X100V Test: Neues 23 mm Objektiv

Wetterfest

In Kombination mit dem separat erhältlichen Weather-Resistant Kit (Filter-Adapter und Schutzfilter) ist die X100V nun wetterfest. Das Gehäuse ist also abgedichtet und das Objektiv dann staub- und spritzwassergeschützt.

Neuer Sucher

Der Sucher hat nun eine höhere Auflösung von 3,69 statt 2,36 MP. Außerdem kann er mit 100 Bildern pro Sekunde arbeiten.

Leicht geänderte Bedienung

Änderungen gibt es auch bei der Bedienung. Das Rädchen für die Auswahl von Belichtungszeit und ISO wurde verbessert und das Einstellrädchen auf der Rückseite entfernt. Die Navigation erfolgt über einen Joystick.

Neue Filmsimulation

Neben den bisher enthaltenen Filmsimulationen der Fujifilm Kameras hat nun auch Eterna Einzug in die X100-Reihe gehalten.

Verbesserte Videofeatures

Neben einer 4K Auflösung ist nun der Anschluss eines externen Kopfhörers über USB-C möglich. Full HD kann die X100V nun mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde aufnehmen.

Fujifilm X100V Test: Features

Nun kommen wir aber zum eigentlichen Test der Fujifilm X100V. Ich fotografiere seit etwa 3 Monaten mit dieser Kamera und konnte in dieser Zeit viel ausprobieren. Ich nutze die X100V mit der Haoge LH-X54B Streulichtblende.

Fujifilm X100V Test

Fujifilm X100V Test

Größe und Gewicht

Die X100V ist kleiner und leichter als die meisten System- und Spiegelreflexkameras, aber auch größer und schwerer als die meisten Kompaktkameras. Wenn du keine Streulichtblende benutzt, dann finde ich die Bezeichnung Jackentaschen-tauglich sehr treffend.

Durch das Gewicht und die gute Verarbeitung macht die Kamera einen sehr soliden Eindruck. Trotzdem ist sie nicht zu schwer, um sie immer dabei zu haben.

Bedienung

Die Fujifilm X100V ist vom Design her ähnlich wie eine Messsucherkamera. Sie wird in silber und schwarz angeboten. Ich habe mich für die schwarze Variante entschieden. Der Sucher ist links oben am Gehäuse zu finden – mehr dazu im übernächsten Absatz.

Für die Einstellungen von Blende, Belichtungszeit und Belichtungskorrektur gibt es jeweils eigene Rädchen, die angeraut sind und sich gut bedienen lassen. Die Einstellung für die ISO ist im Rädchen für die Belichtungszeit integriert, was soweit gut funktioniert.

Fujifilm X100V Test: Oberseite

Fujifilm X100V Test: Oberseite

Die Wahlrädchen für Blende, ISO und Belichtungszeit besitzen jeweils auch ein A für Automatik. So kannst du die Kamera auch im Halbautomatik-Modus betreiben, was sonst bei anderen Kameras über das Wahlrad für die Programmautomatik eingestellt wird.

Wenn ich also den A(V) Modus nutzen will, lege ich die ISO und die Blende fest, setze aber das Rad für die Belichtungszeit auf A für Automatik.

Andersrum kann ich auch beim Rädchen für die Blende das A wählen und stattdessen die Belichtungszeit und ISO vorwählen, um die T(V)-Halbautomatik zu nutzen.

Wenn du das Fujifilm Menü schon von anderen Fuji-Kameras kennst, dann geht die Bedienung hier schnell von der Hand. Mir persönlich fehlt das vorherige Einstellrad an der Rückseite nicht. Auch das Q(uick)-Menü nutze ich regelmäßig. Dort befindet sich eine Übersicht fast aller aktuellen Einstellungen. Diese lassen sich hier schnell anpassen.

Haptik

Die Fujifilm X100V liegt sehr gut in der Hand. Ich finde den Griff sicher, ohne dass er dabei zu groß ist. Ich habe nicht das Bedürfnis, hier noch zusätzliche Gummierungen oder eine Daumenauflage anbringen zu müssen. Das liegt auch daran, dass die X100V nicht übermäßig schwer ist.

Sucher

Der Sucher der X100V ist nun der gleiche wie bei der Fujifilm X-Pro3. Er hat eine runde Augenmuschel und ist am Gehäuse links oben platziert. So drückst du dir nicht die Nase platt, wenn du hindurch schaust.

Fujifilm X100V Test: Rückseite

Fujifilm X100V Test: Rückseite

Für viele Fotografen ist der Sucher das eigentliche Highlight der X100V, denn es ist ein Hybrid-Sucher. Er lässt sich sowohl als optischer als auch elektronischer Sucher betreiben. Über einen Hebel an der Vorderseite der Kamera kannst du zwischen beiden Ansichten wechseln.

Wenn du den Sucher im optischen Modus betreibst, dann siehst du darin einen Auswahlrahmen für den Bildausschnitt. Im elektronischen Sucher-Modus ist wie bei einer Systemkamera das Bild vom Sensor zu sehen. In meinem Artikel über Spiegelreflexkamera oder Systemkamera findest du gleich zu Beginn die Unterschiede zwischen beiden Suchern.

Ich schätze diesen Hybrid-Sucher sehr. Wenn ich Lust auf ein komplettes analog-Feeling habe, dann schalte ich das Display ab und fotografiere nur mit dem optischen Sucher. Wenn ich eine halbwegs präzise Voransicht meines Bildes haben will und beispielsweise gleich das finale Bild in quadratisch und schwarzweiß sehen möchte, nutze ich den elektronischen Sucher.

Autofokus

Da ich selten wirklich schnelle Motive fotografiere, machen eigentlich alle Kameras hier einen für mich vollkommen ausreichenden Job. Auch die Fujifilm X100V hatte im Zeitraum des Tests keine Probleme. Der Autofokus traf praktisch immer.

Ich habe auch immer mal bei weniger Licht in der blauen Stunde fotografiert, trotzdem saß die Schärfe auf jedem Bild.

Wie üblich lassen sich bestimmte Zonen oder einzelne Punkte für den AF anwählen, genau wie alternativ das gesamte Bild. Ebenso gibt es AF-Modi für Einzelaufnahmen oder Nachführungs-AF für bewegliche Motive.

Neu bei der X100V ist der Autofokus für Portraitaufnahmen mit Augenerkennung. Dieser erfasst die Pupille der Person und stellt darauf scharf. Im Test hat das mehrfach gut funktioniert. Ich muss aber sagen, dass Sony hier noch einen etwas besseren Job macht, insbesondere bei weniger Licht. Meiner Meinung nach reichen die AF-Fähigkeiten dieser Augenerkennung aber für 90 % aller Fotografen vollkommen aus.

Belichtungsmessung

Seit ich mit der X100V fotografiere, bin ich von der sehr guten Belichtungsmessung beeindruckt. Ich fotografiere meist RAW und habe somit nichts von der Einstellung für einen erweiterten Dynamikumfang, da sich dieser nur auf JPGs auswirkt. Wenn der Dynamikumfang im Bildausschnitt nicht außergewöhnlich hoch ist, dann belichtet die Kamera fast immer so, dass die Höhen gerade so nicht überbelichtet sind.

Exkurs: Expose to the right

Diese Technik namens expose to the right wende ich sonst selbst an, egal mit welcher Kamera. Grundsätzlich geht es darum, eine möglichst hohe Bildqualität aus der Kamera herauszuholen. Ich mache im AV Modus eine Belichtung und verschiebe dann mithilfe der Belichtungskorrektur bei der folgenden Aufnahme die Belichtung so weit nach rechts, dass das Bild so hell wie möglich belichtet wird, ohne dass die Höhen ausfressen.

In der Nachbearbeitung der RAW-Datei passe ich dann die Belichtung nach meinen Wünschen an. Wenn ich das Bild bei der Aufnahme durch diese Technik etwas heller belichtet habe, wähle ich dann bei der RAW-Entwicklung den Wert für die Belichtung etwas niedriger.

Das Ergebnis ist insbesondere in den Tiefen eine bessere Bildqualität, weil weniger Bildrauschen auftritt.

Mit anderen Kameras muss ich mich nach und nach an diese ideale Belichtung herantasten. Die X100V belichtet fast immer nach diesem Schema. Ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden.

Akkulaufzeit

Nach dem CIPA-Standard schafft die Fujifilm X100V mit einem Akku 350 Bilder. Gefühlt hält der Akku wesentlicher länger als beispielsweise bei der X100T. Während ich für die X100T drei Akkus hatte, habe ich für die X100V nur zwei Akkus. In aller Regel muss ich bei einer Fototour auch selten den Akku wechseln.

Display

Eine Neuheit ist das neigbare Display. Mir macht es Freude, wie in analogen Kleinbild- oder Mittelformat-Zeiten, mal wieder mit der Kamera vor dem Bauch zu fotografieren und dabei von oben auf das Display zu schauen.

Fujifilm X100V Test: Neigbares Display

Fujifilm X100V Test: Neigbares Display

Der Bildschirm ist scharf genug und auch bei hellerem Umgebungslicht noch gut zu erkennen. Die Konstruktion für die Neigung macht einen soliden Eindruck, um die Haltbarkeit sorge ich mich hier nicht.

Bildqualität

Wie oben bereits geschrieben fotografiere ich meist RAW, ab und zu JPG. Die Bildqualität ist insbesondere für eine APS-C Kamera sehr gut. Das neue Objektiv trägt seinen Teil dazu bei, dass die Ergebnisse scharfe Bilder sind. Der neue rückwärtig belichtete X-Trans IV Sensor hat noch etwas mehr Dynamikumfang als vorher – was ich sehr begrüße.

Ich bin insgesamt mit der Bildqualität sehr zufrieden. Beeindruckend finde ich, wie wenig die X100V auch bei höheren ISO-Einstellungen bis 3200 rauscht. Es ist dann weniger ein digitales Rauschen und sieht bei ISOs ab 6400 mehr wie Filmkorn aus.

Video

Ich muss zugeben, dass ich mich bisher praktisch gar nicht mit den Videofunktionen der X100V beschäftigt habe. Ich glaube auch, dass man diese Kamera wählt, weil man damit fotografieren möchte und Video nicht unbedingt im Vordergrund steht.

Dennoch hat Fuji die Videofunktionen weiter verbessert und bietet nun 4K an. In Full HD lassen sich bis zu 120 Bilder pro Sekunde aufzeichnen. Auch der Ausgang für Kopfhörer über USB-C ist ein Zugeständnis für Videografen.

Besonders spannend: Rezepte für Filmsimulationen

Eine Sache habe ich seit dem Kauf der Fujifilm X100V besonders schätzen gelernt. Es sind die zusätzlichen Filmsimulationen, die unter anderem auf Fuji X Weekly kostenlos erhältlich sind.

Fujifilm-Kameras sind für ihre guten JPG-Dateien bekannt. Das ist auch bei der X100V so. Dank zahlreicher Einstellungen ist es möglich, hier innerhalb der Kamera ganz eigene Bildstile zu erstellen. Andere Fotografen verbringen Stunden damit, diese Einstellungen so genau zu setzen, dass das Ergebnis eine recht präzise Simulation bestimmter analoger Filme ist.

Diese “Rezepte” bestehen meist aus 10-15 Parametern, die du dann in deiner eigenen Kamera einstellst. Sie lassen sich dann unter C1-C7 als Bildstile speichern und sogar benennen. Ich habe derzeit ein Rezept für Kodak Portra 400 und eines für Ilford HP5 Plus dort gespeichert. Es macht unheimlich Freude, nur JPGs mit diesen Rezepten zu fotografieren und nichts mehr nachzubearbeiten.

Für den X-Trans IV Sensor der X100V sind zahlreiche Rezepte für Filmsimulationen verfügbar. Viele der X-Trans III Rezepte sind ebenfalls nutzbar.

Fujifilm X100V Test: Vorderseite

Fujifilm X100V Test: Vorderseite

Alternativen zur Fujifilm X100V

Alternativen zur Fujifilm X100V gibt es nur relativ wenige. Als kompakte Kamera mit Bildsensor in APS-C Größe und Festbrennweite kommt eigentlich nur noch die Ricoh GR III in Frage. Diese hat jedoch ein Objektiv mit einer Brennweite von 28 mm (Kleinbild-äquivalent) und ist mit einer Blende von 2.8 etwas weniger lichtstark. Dafür verfügt die GR III über einen Bildstabilisator.

Fazit zu meinem Fujifilm X100V Test

Mir gefällt die Fujifilm X100V sehr gut. Die Kamera fühlt sich wertig und robust an, sodass ich sie ohne extra Tasche überall hin mitnehmen kann. Die Brennweite ist für sehr viele Motive geeignet. Es ist möglich, damit sowohl Landschaften, Architektur, Reportagen als auch Hochzeiten und Portraits zu fotografieren.

Es gibt kaum Kritikpunkte an dieser Kamera. Die Bildqualität ist hoch, der Autofokus arbeitet flott und zuverlässig, die Belichtungsmessung funktioniert akkurat. Display und Akku sind ebenfalls sehr gut. Einzig ein interner Bildstabilisator wäre ein sinnvolles Zusatzfeature. Das würde aber die Kamera vermutlich größer und etwas schwerer machen, was den wenigsten Freunden der X100-Reihe gefallen dürfte.

Mir macht die X100V einfach Spaß. Es gibt ein paar Kameras, die inspirieren einen zum Fotografieren. Die X100V ist eine davon. Bis auf die mit Objektiven deutlich teurere Fujifilm X-Pro3 gibt es außerdem wenig digitale Kameras, die sich so analog anfühlen. Dazu trägt nicht nur das gesamte Look & Feel bei, auch die Möglichkeit der vielen Filmsimulationen hat einen Anteil daran.

Falls du darüber nachdenkst, dir die Fujifilm X100V zuzulegen, ist die 23 mm (KB 35 mm) Festbrennweite genau das, womit du auf Dauer zurecht kommen musst. Du musst dir Gedanken darüber machen, ob du nur mit dieser Brennweite leben kannst. Daher ist meine Empfehlung, mit deiner aktuellen Kamera eine Weile ausschließlich in dieser Brennweite zu fotografieren, um herauszufinden, ob das für dich passt. Wenn ja, dann ist die X100V eine großartige Kamera für dich.

Zur Fujifilm X100V auf Amazon

Hast du noch Fragen zur Kamera? Nutzt du die Fujifilm X100V bereits und möchtest deine Erfahrungen damit teilen? Schreib mir in den Kommentaren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.