Startrails fotografieren – Tutorial

Heute gibt es ein Tutorial zu Startrails Aufnahmen. Mit dem Begriff Startrails sind nächtliche Bilder gemeint, auf denen Sterne zu sehen sind, die so lange belichtet sind, dass man die Erddrehung sieht. Während der Aufnahme dreht sich die Erde weiter und so kommen, ähnlich wie beim Lightpainting, Lichtspuren der Sterne zustande. Was brauchst du dafür? Welche Kameraeinstellungen musst du machen? Wie lange dauert eine Aufnahme? Wie sieht die Nachbearbeitung aus? Hier gibt es eine detaillierte Anleitung zum Sternspuren fotografieren.

Startrails am Petersberg bei Halle

Startrails am Petersberg bei Halle

Man kann dafür eine lange Belichtung machen. Es bietet sich jedoch an, einzelne Belichtungen mit jeweils 30 Sekunden zu machen, damit der Vordergrund nicht überbelichtet ist. Netter Nebeneffekt ist, dass das Rauschen deutlich weniger ist.

Welches Equipment brauche ich, um Startrails zu fotografieren?

  • DSLR
  • möglichst Weitwinkliges Objektiv – ich benutze das Canon EF-S 10-22mm
  • Stativ
  • Fernauslöser
  • starke Taschenlampe
  • voller Akku
  • warme Kleidung

Die besten Umgebungsbedingungen für Startrails

Der Kreis in den Aufnahmen entsteht durch die Rotation der Erde. Um nun diesen Kreis auch im Bild zu haben, muss man seine Kamera so ausrichten, daß diese nach Norden zeigt. In der Mitte ist der Polarstern zu sehen. Das Motiv für den Vordergrund muss also auch so beschaffen sein, daß man es in nördlicher Richtung fotografieren kann. Ich habe im Fotorucksack einen Kompass dabei und suche dann schon bei Tageslicht nach passenden Motiven. Was muss man noch bedenken? Um möglichst wenig „Lichtsmog“ im Bild zu haben, sollte man diese Aufnahme fern von Ortschaften machen. Definitiv darf keine direkte Lichtquelle im Bild zu sehen sein. Die Bilder können von zwei Stunden nach Sonnenuntergang bis zwei Stunden vor Sonnenaufgang gemacht werden. Der Mond sollte nicht mit im Bild sein, idealerweise ist dieser hinter mir und leuchtet den Vordergrund etwas aus. Zu guter Letzt muss es natürlich eine wolkenfreie Nacht sein.

Die eigentliche Aufnahme – was muss ich beachten?

Für die Startrails Aufnahmen setze ich meine Kamera mit Fernauslöser aufs Stativ. Nun gilt es den Fokus richtig zu setzen. Ich leuchte dazu mit einer starken Taschenlampe mein Motiv an und fokussiere mittels Autofokus darauf. Alternativ kann man auch auf den Mond fokussieren. Wenn das abgeschlossen ist, dann setze ich den Schalter am Objektiv auf manuellen Fokus. Wie oben erwähnt richte ich die Kamera Richtung Norden aus. Die Komposition ist frei wählbar, gut funktioniert 2/3 Himmel und 1/3 Landschaft.

Man kann jetzt eine lange Belichtung machen, so lange wie es der Akku her gibt. Da dann jedoch das Rauschen relativ stark wird und eventuell auch der Vordergrund überbelichtet ist, empfehle ich Serienbilder mit jeweils 30 Sekunden. Diese Einzelbilder werden später am PC zu einem fertigen Bild zusammengesetzt.

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Für die erste Aufnahme kann man folgende Einstellungen wählen: F5.6, Iso 400, 30 Sekunden, Serienbild, RAW.

Nun sind die Einstellungen gemacht und man kann seinen Fernauslöser drücken und auch gleich einhaken. Und warten. Und warten. Und warten. Ich empfehle wenigstens 30 Minuten Aufnahmen zu machen, ich habe meist nach einer Stunde keine Geduld mehr. Theoretisch kann man auch warten bis der Akku leer ist.

Nachbearbeitung von Startrails – Einzelbilder zusammensetzen

Nun hat man jede Menge JPGs. Die Dateien lassen sich mit dem Startrails Programm kombinieren. Das Programm ist Freeware, also kostenlos.

Startrails Tutorial

Screenshot aus dem Startrails Programm

Man lädt alle Dateien hinein, klickt zuerst „Vordergrund mitteln“ und danach auf „Strichspuren“. Nach einigen Minuten ist das Bild fertig und lässt sich speichern, vorzugsweise als .tiff. Dieses Ergebnis kann man nun in Photoshop öffnen und bearbeiten. Ich wende meist folgende Schritte an:

  • Drehen
  • Entrauschen
  • Hotpixel wegstempeln
  • (Auto-)Tonwertkorrektur
  • Kontrast anheben

Fertig ist das Startrails Bild.

Variationen

Je nach Aufnahmesituation kann man die Kameraeinstellungen verändern. Kürzlich habe ich die Fotos mit Iso 1600 und F3.5 gemacht, weil kaum eine Lichtquelle meinen Vordergrund ausgeleuchtet hat. Je nach Objektiv ist auch denkbar, die Blende noch weiter auf zu machen, um mehr Licht einzufangen. Probieren geht über Studieren.

Viel Spaß!

Update 06.03.2016: Bildstörungen in der Nachbearbeitung

Bei der Bearbeitung des letzten Startrails Bildes habe ich wieder was dazu gelernt. Ausgangspunkt war eine insgesamt einstündige Belichtung mit jeweils 30 Sekunden, wie oben beschrieben. Nachdem ich die RAW Dateien in JPGs konvertiert und das Startrails Programm damit gefüttert hatte, sah das Ergebnis so aus:

startrails-fehler-1

Speziell im unteren Bereich sieht man Bildstörungen in Form von Streifen, auch Moiré-Effekt genannt. Der Effekt tritt über das gesamte Bild auf.

startrails-fehler-2

Die Streifen sind besonders im unteren Teil des Bildes sichtbar (zum besseren Erkennen abgedunkelt)

Nach einiger Recherche habe ich heraus gefunden, dass dieser Fehler dann zustande kommt, wenn es zwischen den Einzelbildern leichte Verschiebungen sind. Lösung des Problems: die Objektivkorrekturen im RAW Konverter(bei mir Adobe Camera RAW) abschalten.

startrails-fehler-3

Die Objektivkorrektur muss dann erst nach dem Zusammensetzen der Einzelaufnahmen stattfinden.

Das Endergebnis:

Startrails über dem Mittelmeer

Startrails über dem Mittelmeer

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10 Kommentare

  1. christian

    Lieber Matthias,

    nur eine kurze Anmerkung zu dieser Anleitung auf die ich durch Zufall gestossen bin.

    DSLR Kameras machen keine Aufnahmepause, während Sie das letzte Bild speichern. Weder in RAW noch in JPG. Jedenfalls nicht bei einer Belichtungszeit von 30 Sekunden. Du kannst also ruhig in RAW Aufnehmen, was insbesondere Nachts von Vorteil ist.
    Zwischen den Aufnahmen entsteht immer eine Pause, da ja der Spiegel bewegt wird und der Verschluss zu und auf geht.

    Es entstehen also immer minimale „Löcher“zwischen den Aufnahmen.

    Beste Grüße
    Chris

    • Hallo Christian,

      danke dir für die Anmerkung. Das kommt noch aus der Zeit, als ich eine 300D für Startrails benutzt habe. Entsprechend der damaligen Zeit war es nicht die schnellste Kamera. Es wurde immer erst das RAW zwischengespeichert und dann die nächste Aufnahme gestartet, wenn der Buffer voll war. Es kann also durchaus sein, dass die heutigen Kameras währenddessen schon die RAWs auf die Speicherkarte wegschreiben und dieses Problem nicht mehr existiert. Ich werde den Artikel demnächst mal updaten und mit passenden Bildern versehen, dann arbeite ich da gleich mal dran. Danke dir!

      Grüße,

      Matthias

    • Hallo Christian,

      ich habe es bei meiner aktuellen 700D grad getestet. Diese speichert die RAWs wie von dir beschrieben ohne Pause. Dahingehend habe ich den Artikel korrigiert, danke noch mal für deine Anmerkung!

      Grüße,

      Matthias

  2. Niklaus von Rotz

    Guten Tag Herr Haltenhof
    Ich habe Sternenspuren fotografiert (100 Aufnahmen) und anschliessend im Programm Startrail zusammengerechnet. Das Resultat ist vielversprechend. Das nächste Mal möchte ich das Vordergrundbild (1. Aufnahme) mit einer Taschenlampe kurz anleuchten. Beim Zusammenrechnen aller aufnahmen sieht man das speziell beleuchtete Vordergrundbild nicht. Wie kann man das richtig machen.
    Vielen Dank für eine Antwort.
    Herzliche Grüsse Niklaus von Rotz

    • Hallo Herr von Rotz,

      vielen Dank für die Rückmeldung. Ich habe ein ähnliches Vorgehen, aber bei mir hat es ohne Probleme funktioniert. Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Aufnahme für den Vordergrund nicht mit in die Startrails Berechnung einzubeziehen und stattdessen diese Aufnahme mit Photoshop mit einer Ebenenmaske einzuarbeiten.

      Liebe Grüße,

      Matthias

  3. Niklaus von Rotz

    Vielen herzlichen Dank für ihre kompetente Auskunft.
    Gruss Niklaus von Rotz

  4. Frank Schragner

    Guten Tag Herr Haltenhof,
    vielen Dank für diesen tollen Artikel.
    Eine Frage hätte ich noch. Es wird nur das erste Bild mit der taschenlampe angeleuchtet, egal wie viele Aufnahmen danach kommen ?

    • Hallo Herr Schragner,

      danke für das Lob, freut mich! Genau wie du schreibst – das erste Foto leuchte ich mit der Taschenlampe aus, die weiteren Belichtungen sind nur für die Sterne da.

      Grüße,

      Matthias

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