Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount Test (Mein erstes Objektiv mit Blende 1.2!)

Letzte Woche hatte ich das Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount zum Ausprobieren. Wie sich diese Festbrennweite geschlagen hat, erfährst du im heutigen Test!

So kam es zum Test

Ich hatte schon eine Weile nach einem lichtstarken 35 mm Objektiv für meine Sony Alpha 7 III Ausschau gehalten. Hintergrund ist, dass ich den Look von 6 x 6 cm Mittelformatkameras mit einem 80 mm Objektiv sehr mag. Einige Bilder aus meiner Serie vom japanischen Garten im egapark Erfurt sind mit dieser Kombination fotografiert.

Wenn ich ein Bild mit einem 35 mm Objektiv an einer Kleinbildkamera quadratisch beschneide, erziele ich damit genau den gleichen Bildwinkel wie mit der Mittelformat 6 x 6 cm und dem 80 mm. Eine Mittelformatkamera hat durch die größere Filmfläche natürlich viel weniger Schärfentiefe. Um eine ähnlich geringe Schärfentiefe für diesen Bildwinkel mit einer Kleinbildkamera zu erreichen, bräuchte ich ein Objektiv mit mehr als Blende 1.0.

Ein solches Objektiv mit Autofokus gibt es noch nicht. Das Sigma Art 35mm 1.2 DG DN ist für Sony E-Mount derzeit das 35mm Objektiv mit Autofokus und der größten Offenblende, was auf dem Markt existiert. Ich habe schon viel Gutes davon gehört, aber der hohe Preis von rund 1400 € und das hohe Gewicht haben mich bisher abgeschreckt.

Also habe ich mir das Objektiv für eine Woche zum Testen gemietet. Diese Leihe lief über objektivvermietung.de. Ich habe den Betrag von 118 € dafür aus eigener Tasche bezahlt, es handelte sich also nicht um Sponsoring oder ein kostenfreies Testprodukt. Diese Anmietung lief übrigens vollkommen reibungslos und sehr professionell ab. Ich kann den Service daher nur empfehlen.

Daten zum Objektiv

Hier findest du erst einmal die wichtigsten Eigenschaften des Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount im Überblick:

TypWeitwinkel-Objektiv
Brennweite35 mm
Lichtstärke1:1.2
Optischer Aufbau (Linsen/Gruppen)17/​12
Blendenlamellen11 (abgerundet)
Bildstabilisatornein
FokussiermotorHSM
Naheinstellgrenze0.30 m
Kleinste Blende16
Blickwinkel max.63.4°
Abbildungsmaßstab1:5.10
ObjektivbajonettSony E
SensorkompatibilitätAPS-C/​Kleinbild
Filterdurchmesser82 mm
Farbeschwarz
Abmessungen (Durchmesser x Länge)87.8 x 136.2 mm
Gewicht1.09 kg
Besonderheitenabgedichtet, De-Click-Funktion und AFL-Taste

Für welche Kameras ist das Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount geeignet?

Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount ist wie der Name schon sagt für alle Sony-Kameras mit E-Mount geeignet. Das sind beispielsweise die Sony Alpha 7 II, 7 III, 7 IV, 7R II, 7R III, 7R IV, 7S II und 7S III.

Prinzipiell kannst du das Objektiv auch an einer APS-C-Kamera wie der Sony Alpha 6000 betreiben, allerdings ist das aus meiner Sicht aufgrund der Größe und des Gewichts nicht sinnvoll, weil diese Kombi dann alles andere als ausbalanciert ist und permanent nach vorn und unten zieht.

Sigma Art 35mm 1.2 DG DN Test

Sigma Art 35mm 1.2 DG DN Test

Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount Test

Größe und Gewicht

Nach dem Auspacken des Objektivs habe ich als Erstes die immense Größe und das hohe Gewicht wahrgenommen. Natürlich kannte ich die Daten schon vorher, aber in der eigenen Hand fühlt sich das noch einmal ganz anders an. Das Sigma Art 35mm 1.2 DG DN ist knapp 14 cm lang, hat einen Durchmesser von rund 9 cm und wiegt fast 1,1 kg. Das ist für ein 35 mm Objektiv wirklich stattlich, aber irgendwo muss ja Blende 1.2 auch herkommen.

Ich habe das Objektiv direkt an meine Sony Alpha 7 III angesetzt. Zusammen wiegt diese Kombination etwa 1750 Gramm. Damit bin ich von einer Mittelformatkamera gar nicht so weit entfernt. 🙂

Dieses Gewicht muss man entweder gewöhnt sein oder es wirklich wollen. Während verschiedener Fototouren in dieser Woche tat mir nach der Tour mehrmals das Handgelenk weh.

Sigma Art 35mm 1.2 DG DN von oben mit Sony Alpha 7 III

Sigma Art 35mm 1.2 DG DN von oben mit Sony Alpha 7 III

Meine Sony Alpha 7 III ist innerhalb der Alpha 7 Reihe eine normal große Kamera. Trotzdem muss ich sagen, dass ein Objektiv mit dieser Größe und diesem Gewicht an der A7 III nicht besonders ausbalanciert wirkt. Das Objektiv ist zu schwer für den relativ kleinen Body und auch durch die Länge zieht es permanent nach unten.

Wertung Größe und Gewicht: 2 von 5 Sterne

Handling

Die Verarbeitungsqualität des Sigma Art 35mm 1.2 DG DN ist absolut tadellos. Es fühlt sich sehr wertig an. Der Fokusring hat genau den richtigen Widerstand und lässt sich präzise drehen. Gleiches gilt für den Blendenring, der präzise fühlbare Klickpunkte hat – genau wie der AF-/MF-Schalter. Die Blende lässt sich also je nach Geschmack direkt am Objektiv oder wie gewohnt an der Kamera einstellen. Die mitgelieferte Streulichtblende bewegt sich ebenfalls auf hohem Niveau.

Sigma Art 35mm 1.2 DG DN Schalter

Sigma Art 35mm 1.2 DG DN Schalter

Für Videoaufnahmen ist das Objektiv mit einer De-Click-Funktion ausgestattet. Über einen Schalter lässt sich dieser aktivieren. So lässt sich während des Filmens die Blende verstellen, ohne dass das Klick-Geräusch hörbar ist. Außerdem hat das Sigma Art 35mm 1.2 DG DN eine AFL-Taste, die sich mit verschiedenen Funktionen belegen lässt.

Das Objektiv ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet und hat eine wasser- und ölabweisende Beschichtung auf der Frontlinse.

Wertung Handling: 5 von 5 Sterne

Autofokus

Blende 1.2 hat eine sehr geringe Schärfentiefe. Wenn der Fokus hier nicht sitzt, ist das im Bild also sofort zu sehen. Während des Testzeitraumes hat der Autofokus meiner Sony Alpha 7 III praktisch immer getroffen. Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass es sinnvoll ist, den Bereich für den AF-Punkt möglichst klein zu wählen und natürlich manuell zu setzen.

Der Hyper-Sonic-Motor (HSM) arbeitet sehr schnell und ist fast nicht zu hören.

Wertung Autofokus: 5 von 5 Sterne

Blenden- und Fokusring des Sigma Art 35mm 1.2 DG DN

Blenden- und Fokusring des Sigma Art 35mm 1.2 DG DN

Bildqualität

Schärfe

Die Schärfe ist bereits bei Offenblende gut. Das ist insbesondere bei einem Objektiv mit Blende 1.2 bemerkenswert. Sobald ich auch nur leicht abgeblendet habe ist das Bild bis in die Ecken messerscharf.

Farben & Kontrast

Die Farben werden nach meinem Empfinden natürlich und angenehm wiedergegeben. Das Sigma Art 35mm 1.2 verfügt über einen guten Kontrast, damit sich auch kleinere Tonunterschiede gut abheben.

Chromatische Aberration

In meinem Test habe ich keine chromatischen Aberrationen bemerkt. Selbst bei Offenblende ist in den Ecken des Bildes nichts von CAs zu sehen.

Bokeh

Das Bokeh des Sigma Art 35mm 1.2 DG DN ist sehr angenehm weich und ausgeglichen. In den Ecken treten manchmal Cateyes auf, was mich persönlich aber nicht stört.

Cateyes beim Sigma Art 35mm 1.2 DG DN

Cateyes beim Sigma Art 35mm 1.2 DG DN

Vignettierung

Besonders bei Offenblende hat das Sigma Art 35mm 1.2 eine starke Vignettierung. Ich mag das als Bildgestaltungsmittel und lasse es auch in der Nachbearbeitung oftmals so. Je nach Geschmack kann diese Eigenschaft aber auch mit einem Klick in der Nachbearbeitung korrigiert werden, insofern ist es für mich kein positiver oder negativer Aspekt.

Wertung Bildqualität: 5 von 5 Sterne

Bildlook

Wie oben angedeutet bleibt für mich die Frage: Sehen die Bilder mit dem Sigma Art 35mm 1.2 DG DN ähnlich aus wie mit einer Mittelformatkamera mit 80 mm Objektiv? Der Bildlook geht definitiv in diese Richtung, aber das Bokeh und der Schärfeverlauf mit einer Mittelformatkamera sind noch einmal anders. Das Bokeh und der Unschärfeverlauf ist damit noch weicher.

Für mich hat das Sigma Art 35mm 1.2 DG DN auf jeden Fall einen ganz eigenen und großartigen Bildlook. Ich kann nun auch mehr nachvollziehen, warum Portrait- und Event-Fotografen gern mit einem solch lichtstarken 35 mm Objektiv arbeiten. Man sieht noch viel von der Umgebung, kann aber trotzdem sein Hauptmotiv sehr gut freistellen.

Wertung Bildlook: 5 von 5 Sterne

Beispielbilder

Nachfolgend findest du 13 Beispielbilder, die in der Woche mit dem Sigma Art 35mm 1.2 DG DN entstanden sind. Diese Bilder habe ich im RAW Format aufgenommen und am PC mit Adobe Camera RAW nachbearbeitet.

Beispielbild 1

Beispielbild 1

Beispielbild 2

Beispielbild 2

Beispielbild 3

Beispielbild 3

Beispielbild 4

Beispielbild 4

Beispielbild 5

Beispielbild 5

Beispielbild 6

Beispielbild 6

Beispielbild 7

Beispielbild 7

Beispielbild 8

Beispielbild 8

Beispielbild 9

Beispielbild 9

Beispielbild 10

Beispielbild 10

Beispielbild 11

Beispielbild 11

Beispielbild 12

Beispielbild 12

Beispielbild 13

Beispielbild 13

Alternativen zum Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount

Welche Alternativen gibt es zum Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount? Wenn du ein 35 mm Objektiv mit mindestens Blende 1.4 haben möchtest, sind diese Objektive die Alternativen mit Autofokus:

Wenn du dich mit manuellen Fokus anfreunden kannst, dann kommen noch diese Objektive hinzu:

Über Adapter gibt es sogar noch die Möglichkeit, weitere 35 mm an den Sony E-Mount anzuschließen.

Fazit zum Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount Test

Das Sigma Art 35mm 1.2 DG DN ist für mich in Sachen Bildqualität über jeden Zweifel erhaben. Es ist schon bei Offenblende ordentlich scharf. Kein anderes Objektiv auf dem Markt bietet 1.2er Blende mit Autofokus. Der Bildlook ist toll und die Haptik und Verarbeitung bewegen sich auf hohem Niveau. Den Preis finde ich angesichts der Leistung ok.

Dafür musst du auf der anderen Seite auch bereit sein, das immense Gewicht zu tragen. Zusammen mit der Kamera ist diese Kombi groß und schwer.

Wertung Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount: 4,4 von 5 Sterne

Zum Sigma Art 35mm 1.2 DG DN für Sony E-Mount auf Amazon

Ich hoffe der Test war für dich hilfreich. Wenn du noch Anregungen, Fragen zum Objektiv oder zum Test hast, dann schreib mir in den Kommentaren.

6 Kommentare

  1. Nutzer Avatar
    Sebastian Klune

    Moin moin,
    Ich hab mal eine Frage. (Nicht böse gemeint). Sie schreiben das Sie für einen Vergleichbaren Filmlook wie auf 6×6 MF ein 35er mit Blende von unter 1 brauchen würden. Ich hab mal kurz geguckt, mir ist jetzt direkt kein 80mm f2 MF (bzw 1.8) bekannt ausser dem Zeiss? 80f2 für Mf 645 Format.
    (kurz meine Berechnung: Crop Faktor von ca 0.5 würde für gleichen Filmlook ja die Brennweite und die Aperture/Blende halbieren)
    Gruss Sebastian
    Ps: So eine Lichtstarke Brennweite würde ich aber auch gerne mal an meine a7iii schnallen 🙂 und etwas ausführen.

    • Nutzer Avatar

      Hallo Sebastian,

      das Vergleichsobjektiv bei MF, auf das ich mich beziehe, ist ein Biometar 80 mm F2.8 von einer Pentacon Six TL. Die Schärfentiefe bei MF ist ja wesentlich kleiner. Wenn ich mir in einem entsprechenden Berechnungstool für Schärfentiefe wie

      https://www.dofmaster.com/dofjs.html

      anschaue, dann brauche ich etwa F 0.95 an einer Kleinbildkamera mit 35 mm Objektiv, um eine ähnlich geringe Schärfentiefe zu erzeugen. So kam meine Berechnung zustande. 🙂

      Ob es in der Praxis dann wirklich ähnlich aussieht, wage ich nach meinen kürzlichen Tests aber zu bezweifeln. Nach dem was ich mit diesem 35 mm Objektiv gesehen habe, reicht F 1.8 am Kleinbild für eine ähnliche Tiefenschärfe aus. Trotzdem ist der Look noch einmal anders, was wohl optisch an der größeren Filmfläche liegt.

      Liebe Grüße,

      Matthias

  2. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,
    die Friedhofsbilder gefallen mir ausgesprochen gut. Welche Blenden hast du dafür verwendet?
    Ich glaube, ich muss auch mal mehr Weitwinkel fotografieren, irgendwie tue ich mich damit noch schwer. Danke für die Inspiration.
    VG aus Duisburg
    Ralph

    • Nutzer Avatar

      Hallo Ralph,

      danke dir! Alle Friedhofsbilder sind mit Blende 1.2 aufgenommen.

      Weitwinkel ist nicht einfach, da das Bild sehr schnell chaotisch wird, weil zu viele Elemente darin enthalten sind. Insofern muss man sich sehr gezielt mit dem Bildaufbau beschäftigen.

      Danke dir für das Lob!

      Liebe Grüße nach Duisburg,

      Matthias

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