Sensorgrößen von Kameras: Welche ist für dich sinnvoll?

Kameras haben je nach Art unterschiedliche Sensorgrößen. Doch welche davon ist für dich sinnvoll? Ich gebe meine Einschätzung aus 15 Jahren Erfahrung mit unterschiedlichen Kameras.

Im ersten Teil des Artikels zeige ich dir, welche Sensorgrößen es gibt. Im zweiten Teil gehe ich auf die Vor- und Nachteile ein. Im Fazit gebe ich meine Einschätzung, für wen sich welche Sensorgröße lohnt.

Welche Sensorgrößen von Kameras gibt es überhaupt?

Im folgenden Abschnitt zeige ich dir, welche Sensorgrößen aktuell verfügbar sind. Dabei geht die Aufzählung von kleinen hin zu großen Sensoren.

Smartphone Sensoren

Die Sensorgrößen von Smartphone Kameras sind fast immer die Kleinsten. Das liegt zum einen an den Produktionskosten, zum anderen aber vor allem daran, dass das Smartphone schön kompakt bleiben soll.

Samsung Galaxy S21 FE Kameras auf der Rückseite

Samsung Galaxy S21 FE Kameras auf der Rückseite

Die meisten Smartphones haben einen Sensor mit 1:3,2 Zoll Größe. Premium-Smartphones liegen bei 1:1,8 Zoll. Inzwischen gibt es auch einige Modelle mit 1 Zoll Sensorgröße, allerdings ist das noch die absolute Ausnahme. In meinem Artikel über die beste Handykamera findest du meine aktuellen Empfehlungen dazu.

Ich nutze aktuell ein Samsung Galaxy S21 FE, zu dem ich hier einen Kamera Test geschrieben habe.

Kleine Sensoren bis 1 Zoll

Sensoren mit einer Diagonale von einem Zoll und weniger werden vorrangig in Kompaktkameras ohne wechselbares Objektiv verbaut. Diese Sensoren sind relativ kostengünstig herzustellen und liefern tagsüber bei normalem Licht eine ausreichend gute Bildqualität. Die Bildqualität ist besonders bei wenig Licht und hoher ISO begrenzt, weil diese kleineren Sensoren dann stärker rauschen als ihre großen Kollegen.

Sony RX100 VA Test

Sony RX100 VA Kompaktkamera

Meine aktuelle Kamera in diesem Bereich ist die Sony RX100 VA, welche insbesondere für eine Kompaktkamera eine großartige Bildqualität liefert. Hier findest du meinen Sony RX100 VA Test.

(Micro) Four Thirds Sensoren

Micro Four Thirds wird vor allem vom Hersteller Olympus eingesetzt. Dieser Sensor ist größer als der in Kompaktkameras. Die Fläche ist mit 17,31 mm × 12,98 mm ein Viertel so groß wie die eines Vollformatsensors. Für Micro Four Thirds Sensoren gibt es Kameras mit Wechselobjektiven, was sie sehr vielfältig einsetzbar macht. Durch die geringere Größe der Sensoren können sowohl die Kameras als auch die Objektive relativ kompakt gebaut werden. Somit sind Micro Four Thirds Kameras verhältnismäßig klein und leicht.

APS-C Sensoren

Spiegelreflex- und Systemkameras für Einsteiger haben aktuell meist einen Kamerasensor in der APS-C-Größe verbaut. Dieser Sensor ist mit einer Größe von etwa 23 x 15 mm immer noch etwas kleiner als ein Vollformatsensor, hat aber mehr Fläche als ein Micro Four Thirds Sensor. Die Bildqualität liegt auf einem guten Niveau. Kameras mit APS-C Sensoren reichen meiner Meinung nach für die meisten Fotografen vollkommen aus.

Smartphone vs. DSLR (Spiegelreflexkamera) - iPhone 12 Pro & Canon EOS 77D

Smartphone vs. DSLR (Spiegelreflexkamera) – iPhone 12 Pro & Canon EOS 77D

Meine aktuelle APS-C Kamera ist die Fujifilm X100V, zu der du hier meinen Test findest.

Vollformat Sensoren

Vollformatkameras haben einen Sensor in der Größe von 36 x 24 mm. Dieser Sensor hat die gleiche Größe wie ein einzelnes Negativ eines Kleinbild-Films. Kleinbild-Filme sind unter Analogfotografen das meistgenutzte Format und somit gewissermaßen ein Standard. Vor diesem Hintergrund wird klar, wieso diese Sensoren als Vollformat bezeichnet werden.

Sony Alpha 7 III mit Sony FE 24-70 mm F4 ZA OSS von oben

Sony Alpha 7 III Vollformatkamera mit Sony FE 24-70 mm F4 ZA OSS Objektiv von oben

Ich nutze aktuell die Sony Alpha 7 III als Hauptkamera. In meinem Sony Alpha 7 III Test findest du noch mehr Infos dazu.

Mittelformat Sensoren

Mittelformatsensoren gibt es in den Größen 43,8 x 32,9 mm und 53,4 x 40 mm. Aktuell kommen Sensoren mit 43,8 x 32,9 mm Größe beispielsweise bei der Fujifilm GFX-Reihe und bei Hasselblad zum Einsatz. Sensoren mit 53,4 x 40 mm Größe werden unter anderem in digitalen Kameras des Herstellers Phaseone eingesetzt.

Im Bereich der digitalen Kameras ist Mittelformat aktuell die größte gebräuchlichste Sensorgröße. Es gibt auch Kameras mit größeren Sensoren, jedoch sind diese ausgesprochen teuer.

Was sind die Vorteile eines größeren Sensors?

Ein größerer Sensor ist dann besser, wenn du auf bessere Bildqualität besonders Wert legst. Doch was heißt das genau?

Besseres Rauschverhalten

Bei gleicher Megapixel-Anzahl produziert ein größerer Sensor weniger Bildrauschen. Natürlich kannst du Bildrauschen auch gut in der Nachbearbeitung entfernen. Speziell bei höheren ISO-Werten und wenig Licht hast du aber hier mit großen Sensoren schon einen Vorteil.

Bildrauschen

Bildrauschen

Mehr Dynamikumfang

Größere Sensoren liefern einen höheren Dynamikumfang. Helle Bildbereiche fressen also nicht so schnell aus und sind nur noch als reines weiß sichtbar, dunkle Bildbereiche saufen nicht so schnell ab und werden nur noch als reines schwarz aufgezeichnet. Insbesondere in der Landschafts- und Hochzeitsfotografie ist das ein wichtiges Argument.

Als ich von meiner vorherigen Canon APS-C Kamera zu meiner aktuellen Sony Alpha 7 III Vollformatkamera gewechselt bin, war der Dynamikumfang für mich als Landschaftsfotograf einer der wichtigsten Punkte. Zwei volle Blenden mehr Dynamikumfang sorgen dafür, dass ich deutlich weniger mit mehreren Belichtungen für die gleiche Szenerie arbeiten muss.

Malta 4

Malta 4

Beugungsunschärfe setzt später ein

Bei gleicher Megapixel-Anzahl setzt bei einem größeren Sensor die Beugungsunschärfe erst später ein. Das bedeutet, dass du die Blende weiter schließen kannst, ohne dass die Gesamtschärfe des Bildes abnimmt. Mehr Infos zu diesem Thema findest du in meinem Artikel über Beugungsunschärfe.

Beugungsunschärfe bei Blende 11 (links) und Blende 22 (rechts)

Beugungsunschärfe bei Blende 11 (links) und Blende 22 (rechts)

Weniger Schärfentiefe

Je höher die Sensorgröße ist, desto weniger Schärfentiefe hat das Bild bei gleicher Blende und gleicher Brennweite. Der scharfe Bereich im Bild ist beispielsweise bei Blende 2.8 mit einem Vollformatsensor signifikant kleiner als mit einem APS-C Sensor bei Blende 2.8.

Schärfentiefe bei unterschiedlichen Blenden

Schärfentiefe bei unterschiedlichen Blenden

Dieser Punkt ist insbesondere für Portraitfotografen ein Vorteil, weil du damit dein Model mit einem größeren Sensor besser freistellen kannst. Der Hintergrund verschwimmt mehr und so kannst du die Aufmerksamkeit im Bild einfacher auf die Person lenken.

Was sind die Nachteile eines größeren Sensors?

Weniger Schärfentiefe

Je nachdem, was deine Motive sind, kann weniger Schärfentiefe für dich auch nachteilig sein. In der Landschafts- und Architekturfotografie will ich beispielsweise fast immer alle Bereiche im Bild scharf abgebildet haben. Mit einer Kamera mit APS-C Sensor ist das eigentlich fast immer machbar. Mit einer Kamera mit Vollformatsensor ist die Schärfentiefe bedeutend kleiner. Abblenden ist zwar möglich, aber durch den oben erwähnten Aspekt der Beugungsunschärfe nur bis zu einem bestimmten Wert sinnvoll.

Das Thema lässt sich umgehen, indem du vom Stativ aus mehrere Aufnahmen machst, die auf unterschiedliche Bildbereiche fokussiert sind. Die Bilder kannst du dann am PC in der Nachbearbeitung zusammensetzen. Diese Technik nennt sich Fokus Stacking und wird beispielsweise recht häufig in der Makrofotografie eingesetzt.

Sensorgrößen von Kameras: APS-C und Vollformat

Sensorgrößen von Kameras: APS-C und Vollformat

Fazit: Ist eine Kamera mit größerem Sensor für dich sinnvoll?

Wie oben beschrieben, bietet ein größerer Sensor Vorteile hinsichtlich der Bildqualität. Doch braucht deshalb jeder Fotograf eine Kamera mit großem Sensor?

Mein Fokus liegt hauptsächlich auf der Landschaftsfotografie. Nachdem ich ab 2005 mit einer APS-C Spiegelreflexkamera fotografiert habe, wechselte ich 2008 auf eine Vollformatkamera. Für mich war der Unterschied jedoch so gering, dass ich kurze Zeit später die Vollformat-Ausrüstung wieder verkauft habe und zu APS-C zurück bin. Die ganze Geschichte dazu kannst du hier nachlesen.

Meiner Meinung nach ist eine höhere Sensorgröße vor allem für Portraitfotografen sinnvoll. Personen lassen sich besser freistellen, weil der Hintergrund mit einem größeren Sensor mehr verschwimmt. Dabei muss es nicht gleich eine Mittelformatkamera sein, eine Vollformatkamera kann großartige Ergebnisse liefern. Wenn du mit einer APS-C-Kamera fotografierst, können ausreichend lichtstarke Objektive diesen Aspekt verbessern.

Für fast alle anderen Fotografen reicht meines Erachtens nach eine Kamera mit Four Thirds oder APS-C Sensor vollkommen aus. Wichtiger sind die Objektive, die du dir dafür zulegst. Und besonders, dass du Freude daran hast, mit deiner Kamera zu fotografieren.

Wie sind deine Erfahrungen mit unterschiedlichen Sensorgrößen? Welche würdest du empfehlen? Schreib mir in den Kommentaren!

13 Kommentare

  1. Nutzer Avatar
    Nick Krause

    Die Schärfentiefe hat mit der Sensorgrösse rein gar nichts zu tun.Bei gleichem Blendendurchmesser und gleicher Brennweite ist auch die Schärfentiefe gleich.

  2. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,

    der MFT-Sensor hat ca 1/4 der Fläche von einem Vollformat Sensor, der APSC-Sensor hat ca. die Hälfte der Fläche von einem Vollformat-Sensor. Dies gemäß Deiner angegebenen Maße.

    Viele Grüße
    Johannes

  3. Nutzer Avatar

    Bei gleicher Pixelanzahl gelangt bei MFT oder APS-C weniger Licht auf ein Pixel als beim Vollformat. Daneben muss bei gleicher Pixelanzahl ein Objektiv für die Kleinformate höher auflösen, um die gleiche Qualität zu erreichen. Ich bin vor zwei Jahren auf eine DSLM umgestiegen, die leichter und kleiner als die alte DSLR ist. Da bei den Objektiven auf mindestens ein Linsenglied verzichtet werden kann, sind diese auch leichter. Preislich tun sich die Systeme auch kaum noch etwas. 24MP sind, egal ob APS-C oder voll, besser als jeder KB-Film.

  4. Nutzer Avatar

    Hallo,

    Die Fläche des MFT-Sensors ist 1/4 so groß, wie der eines Vollformatsensors, nicht halb so groß

  5. Nutzer Avatar
    Michael Möller

    Hallo Matthias,
    vielen Dank für deinen Interessenten Bericht.
    Ich persönlich nutze sowohl MFT ( Panasonic G9) als auch Vollformat (NIKON D3s bzw D3x).
    Tendenziell aber mehr MFT.
    Das ist aber eher dem Gewicht und der Größe und dem Gewicht der Kamera und der Objektive geschuldet.
    Die G9 wiegt mit einem in der Brennweite vergleichbaren Objektiv ein Bruchteil dessen einer D3.
    Qualitativ kann ich,was die Bilder als solche angeht, keine riesigen Unterschiede ausmachen.
    Ich wünsche dir schöne Feiertage und alles gute für das nächste Jahr
    Gruß Michael

    • Nutzer Avatar

      Hallo Michael,

      na gerne! Danke dir für die Einschätzung bezüglich des Unterschieds in der Bildqualität, ist gut noch eine weitere Meinung dazu zu lesen.

      Liebe Grüße und dir ebenfalls ein paar schöne Feiertage,

      Matthias

  6. Nutzer Avatar

    Mein Opa hatte eine Zeiss IKON und hat den Filmhalter abgebaut und einen Holzkasten weiter hinten angebaut. Das war dann eine Plattenkamera, Negativgröße rund 10×15 cm . Da gibt es noch Hochzeitfotos von meinen Eltern, ich zähle auch schon 60 Jahre, die sich sehen lassen können, es war ja ungefähr 1960. 1985 hatte ich meine erste eigne Kamera , die Praktika EXA 1b mit 3 Objektiven mit 2x f2,8 und 1x f4.
    Später hatte ich Nikon F70 analog, später dann 2015 die Nikon D5100 DX C-Sensor und bin 2019 auf die Nikon D780 FX umgestiegen und habe nie etwas bereut, Kompromisse muß man ja immer eingehen.

  7. Nutzer Avatar

    Lieber Matthias
    Vielen Dank für diesen Vergleich und Deine Einschätzung. Für mich war schlussendlich die Pixelzahl entscheidend, um Bildausschnitte bei der Tierfotografie vergrössern zu können: ist billiger als ein sehr grosses Tele.
    So kam ich zur Sony 7R IV und Vollformat.
    Und finde es schön, dass die Brennweiten wieder denjenigen entsprechen, die ich aus der analogen Fotografie kenne.
    Herzliche Grüsse
    Matthias

    • Nutzer Avatar

      Hallo Matthias,

      ich glaube es ist wichtig, die Kamera zu finden, die sich für einen selbst gut anfühlt. Wenn du soweit bist, dann genieß diese Zeit und fotografiere so viel wie möglich damit.

      Liebe Grüße,

      Matthias

  8. Nutzer Avatar

    „Aktuell kommen Sensoren mit 60 x 45 mm Größe beispielsweise bei der Fujifilm GFX-Reihe zum Einsatz.“

    Schön wär’s. Sind aber an sich nicht so viel größer wie Kleinbild: 44*33mm sind’s in Wirklichkeit.

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