Sensor reinigen – So (günstig) funktioniert meine Methode

Bei digitalen Spiegelreflexkameras sammelt sich nach einigen Monaten Staub auf dem Sensor. Ich zeige dir, wie du selbst deinen Sensor reinigen kannst. Meine Methode kostet nur etwa 8 Euro und dauert circa 30 Minuten.

Wie entsteht die Verschmutzung?

Grund #1: Staub beim Objektivwechsel

Für die Verschmutzung des Sensors gibt es mehrere Gründe. Eine Kamera ist ja kein abgeschlossenes System. Jedes Mal, wenn du deine Objektive wechselst, kommt Staub in die Kamera. Wenn du deine Objektive in staubiger Umgebung wechseln musst, dann kommt natürlich mehr Staub in das Gehäuse. Ich versuche die Zeit zwischen dem Ab- und Aufschrauben des Objektives immer möglichst kurz zu halten, um hier etwas Abhilfe zu schaffen.

Grund #2: Abrieb durch den Spiegelreflexmechanismus

Eine Spiegelreflexkamera hat, wie der Name schon sagt, ein Spiegelsystem, welches sich bei der Aufnahme bewegt.

Exkurs: Was passiert da eigentlich bei der Auslösung in der Kamera?

Vor der Aufnahme fällt das Licht auf einen halbdurchlässigen Spiegel, der sich in einem Winkel von 45 Grad vor dem Sensor befindet. Ein Teil des Lichtes gelangt darüber zum Sucher, damit der Fotograf das Bild sieht. Ein anderer Teil des Lichtes wird von diesem Spiegel so abgelenkt, dass es zum Autofokussystem gelangt. Dieses System befindet sich im Boden der Kamera.

Wenn dann die Aufnahme erfolgt, klappt der Spiegel nach oben, um den Weg zum Sensor freizugeben. Nun öffnet sich je nach Belichtungszeit der Verschluss und das Bild entsteht.

Hier findet eine Bewegung von Bauteilen innerhalb der Kamera statt. Diese Bauteile sind so ausgelegt, dass sie möglichst reibungsfrei laufen. In jedem System, in dem eine solche Bewegung stattfindet, nutzen sich die Bauteile aber auch ab. Die Abnutzung ist zwar winzig klein, bleibt aber als Staub in der Kamera zurück. Ein Teil davon landet auch auf dem Sensor.

Wenn deine Kamera neu ist, dann hast du innerhalb der ersten 4 Monate den meisten Abrieb in diesem System. Dieser Wert ist natürlich nur als eine Art Anhaltspunkt zu verstehen, da er stark davon abhängig ist, wie oft du fotografierst.

Aber meine Kamera hat doch eine interne Reinigungsfunktion?

Mittlerweile haben alle DSLR Kameras eine eigene Reinigungsfunktion, um diesen Problemen Herr zu werden. Dabei wird der Staub vor dem Sensor per Ultraschall gelockert und fällt dann auf eine Staubauffang-Einheit, wo er festgehalten wird.

Canon EOS 700D - Manuelle Reinigung

Canon EOS 700D – Manuelle Reinigung

Diese Funktion macht eine Reinigung des Sensors natürlich weniger oft notwendig. Jedoch muss je nach Hartnäckigkeit der Verschmutzung der Sensor trotzdem alle paar Monate gereinigt werden. Die interne Reinigungsfunktion schafft einfach nicht alles.

Laut diesem Test von Digitalkamera.de funktioniert die interne Sensorreinigung übrigens bei Olympus am besten.

Wann sieht man Sensorstaub besonders?

Da sich der Staub vor dem Sensor befindet, spielt auch hier das Thema Tiefenschärfe eine Rolle. Die Tiefschärfe steigt, je weiter die Blende geschlossen ist. Man sieht also Sensorstaub besonders dann, wenn man die Blende weiter schließt. Meiner Erfahrung nach durchaus ab Blende 8.

Sensorstaub ist besonders bei flächigen Bildbereichen zu sehen. Vor blauem Himmel oder einer weißen konturlosen Wand nimmst du den Staub stärker als auf einer Blumenwiese wahr, da auf der Wiese ohnehin viele Details zu sehen sind.

Besonders stark fällt Sensorstaub bei Langzeitbelichtungen von mehreren Minuten auf. Durch die lange Belichtungszeit entstehen monochrome Flächen. Unregelmäßigkeiten fallen dem menschlichen Auge dort sofort auf.

Right Back

Right Back – Bei einer solchen Langzeitbelichtung würdest du wegen den Flächen den Staub besonders wahrnehmen

Was kostet eine Sensorreinigung der DSLR beim Hersteller?

Eine Reinigung des Sensors beim Hersteller wird meist mit etwa 90 Euro angegeben. Unabhängige Feinmechaniker und bestimmte Fotofachgeschäfte nehmen etwa 40 Euro dafür.

Bei den Profikameras ist oft eine Reinigung innerhalb der Garantiezeit inklusive. Der Nachteil: Die Kamera ist für 2-3 Wochen unterwegs und kann in dieser Zeit nicht genutzt werden.

Gibt es einen Unterschied bei der Sensorreinigung zwischen Canon und Nikon?

Nein. Da der Spiegelreflexmechanismus bei allen Herstellern auf die gleiche Art und Weise funktioniert, gibt es hier keinen Unterschied.

Wenn ich meinen Sensor selbst reinige, kann ich da etwas kaputt machen?

Bei der Sensorreinigung solltest du behutsam vorgehen. Hier bewegt man sich in der Welt der Feinmechanik, entsprechende Vorsicht ist geboten. Meine Anleitung ist daher auf eigene Gefahr und ohne Gewähr.

Oft haben Fotografen Angst, bei der Reinigung ihren Sensor zu zerkratzen. Bei den meisten Kameras ist das aber gar nicht möglich, da sich vor dem Sensor ein Hochpassfilter befindet. Dieser Filter ist eine Art Glas und hat mehrere optische Aufgaben. Was ich damit sagen will: Die Verschmutzung befindet sich immer auf diesem Hochpassfilter. Bei der Reinigung geht es deshalb auch genau um die Reinigung dieses Filters. Wenn man dort etwas zerkratzt, dann eher diesen Filter als den Sensor.

So reinige ich meinen Sensor

Die folgende Anleitung ist der Weg, wie ich meinen Sensor reinige. Ich habe dieses Verfahren nicht nur an meiner eigenen Kamera, sondern an vielen Kameras der Fotografen aus meinem Freundeskreis durchgeführt. Dazu zählen auch Profikameras wie die Canon 1D. Bisher hat es also ohne Probleme funktioniert.

Wenn du deinen Sensor auf diese Weise reinigst, dann trotzdem auf deine eigene Gefahr hin.

1. Diese Utensilien brauchst du

Für die Sensorreinigung benutze ich die folgenden Utensilien.

  • Hochprozentiger Alkohol (mindestens 70 %, eher 90+ %)
  • Blasebalg (Ich benutze “Die blaue Ohrenspritze”)
  • Fusselfreie Wattestäbchen
  • Weißes Papier (normales Kopier- oder Druckerpapier in A4)

Bis auf das Papier sind diese Dinge in jeder Apotheke erhältlich und kosten zusammen etwa 8 Euro.

Sensor reinigen - diese Utensilien brauchst du

Sensor reinigen – diese Utensilien brauchst du

Wenn du den Alkohol kaufen willst, dann wirst du wahrscheinlich vom Apotheker gefragt werden, was du damit machen willst. Normalerweise ist es aber kein Problem. Achte darauf, dass du möglichst hochprozentigen Alkohol kaufst. Später wird der Sensor damit gereinigt und danach verfliegt der Alkohol. Je mehr Prozente er hat, umso weniger tritt die Gefahr auf, dass du danach Rückstände von den anderen Anteilen auf dem Sensor hast.

2. So stellst du fest, wie verschmutzt dein Sensor ist

Bevor du mit der Reinigung beginnst, solltest du feststellen, wie stark dein Sensor verschmutzt ist. Davon hängt ja ab, ob eine Reinigung überhaupt nötig ist.

Wenn du das zum ersten Mal machst, wirst du wahrscheinlich schwer einschätzen können, ob der Sensor schon dreckig ist. Das weißt du erst nach dem zweiten oder dritten Mal.

Um dies zu prüfen, brauchst du das weiße Papier. Ich lege meist 2-3 Blatt übereinander, damit der Hintergrund nicht mehr durchscheint. Das Papier lege ich nun auf einen Tisch vor mir.

Nun stelle ich an der Kamera den AV Modus ein, nutze mein 18-55mm Kit-Objektiv und stelle es auf 18mm ein. An einer Vollformatkamera kannst du alternativ ein Objektiv mit 24 oder 28mm nehmen. Ich stelle die kleinste Blende ein, also 22.

Jetzt fokussiere ich manuell und stelle das Objektiv so ein, dass der Fokus auf unendlich zeigt. Dazu schaue ich einfach durch den Sucher, gehe an irgendetwas nah heran und drehe dann den Fokus in genau die andere Richtung auf die letztmögliche Stellung. So hast du nicht auf etwas Nahes fokussiert, sondern auf etwas ganz weit Entferntes.

Nun stelle ich an der Kamera JPG ein und gehe so nah direkt von oben an das Papier heran, dass es den ganzen Sucher ausfüllt. Dabei stehe ich direkt über dem Papier gebeugt, sodass sich die Kamera in der Mitte davon befindet. Jetzt mache ich das Bild.

Weißes Blatt fotografieren - Meine Einstellungen

Weißes Blatt fotografieren – Meine Einstellungen

Dieses Bild lade ich auf den Rechner und öffne es mit Photoshop. Du kannst natürlich auch ein anderes Bildbearbeitungsprogramm deiner Wahl nutzen. Jetzt wende ich auf das Bild eine Autotonwertkorrektur an. Nun siehst du, wie viel Staub sich auf deinem Sensor befindet.

Die Schritte noch einmal als Zusammenfassung:

  1. Objektiv auf 18mm einstellen
  2. AV Modus mit Blende 22 nutzen
  3. Fokus auf unendlich einstellen
  4. JPG als Bildformat einstellen
  5. Papier von oben formatfüllend fotografieren
  6. In Photoshop Autotonwertkorrektur auf das Bild anwenden

Beim ersten Mal mag dieser Prozess eine Weile dauern, aber mit der Zeit geht es recht schnell von der Hand.

3. Manuelle Reinigung in der Kamera einstellen

Um deinen Sensor zu reinigen, musst du in der Kamera den Menüpunkt für manuelle Reinigung wählen. Dieser ist bei jeder Kamera an anderer Stelle zu finden. Schau einfach mal durch das Menü oder in das Handbuch, wo sich dieser Punkt bei deiner Kamera befindet. Das Objektiv musst du dafür natürlich abnehmen. Stell die manuelle Reinigung erst genau dann an, wenn du direkt danach den Sensor reinigen willst.

4. Stage 1: Trockenreinigung mit dem Blasebalg

Als erstes probiere ich, den Staub mittels Luft zu entfernen. Dazu puste ich im dem Blasebalg mehrmals aus unterschiedlichen Richtungen in die Kamera. Die Kunst dabei ist, den Blasebalg so weit wie möglich zum Sensor hin zu bewegen, ohne damit den Hochpassfilter zu berühren. Dabei halte ich die Kamera über meinem Kopf, damit gelöster Staub nach unten herausfallen kann. Für Zuschauer sieht das bestimmt amüsant aus.

Luftreinigung des Sensors mit dem Blasebalg

Luftreinigung des Sensors mit dem Blasebalg

Nach der Reinigung muss ich meine Kamera wieder ausschalten, damit der Spiegel nach unten klappt.

Nach diesem Vorgang prüfe ich wieder mit der obigen Methode, ob und wie sich der Verschmutzungszustand verbessert hat.

5. Stage 2: Nassreinigung mit Wattestäbchen und Alkohol

Normalerweise löst die Trockenreinigung einige Staubkörner, allerdings erreichst du nach meiner Erfahrung die besseren Ergebnisse mit einer Nassreinigung.

Dafür nutze ich pro Reinigungsvorgang 2 Wattestäbchen. Ich lasse einen Tropfen des Alkohols auf das Ende eines Wattestäbchens fallen. Nun gehe ich damit über den Hochpassfilter. Ich ziehe den Filter dabei meist in Streifen ab und wische danach noch einmal über die Außenkanten. Mit dem anderen Ende und dem zweiten Wattestäbchen wische ich danach den Filter trocken.

Hier musst du deine eigene Wischtechnik herausfinden, die am besten funktioniert. So kann es nämlich auch passieren, dass du die Staubkörner in eine Ecke wischst.

Nassreinigung mit Wattestäbchen und Alkohol

Nassreinigung mit Wattestäbchen und Alkohol

Nach der Nassreinigung prüfe ich wieder das Ergebnis am Computer.

Wenn noch Staub zu sehen ist, dann mache ich noch eine weitere Nassreinigung.

So kann es auch vorkommen, dass ich vier Mal Nassreinigen muss, bevor ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Meist ist es eine Trockenreinigung und zweimal Nassreinigung.

Sensorreinigung - Vorher und Nachher

Sensorreinigung – Vorher und Nachher

Wie oft solltest du deinen Sensor reinigen?

Wie oben geschrieben ist das stark von den eigenen Fotogewohnheiten abhängig. Ich reinige meinen Sensor immer dann, wenn ich auf meinen Fotos die Staubkörner wirklich wahrnehme. Meist ist das einmal pro Jahr der Fall.

Produkte für die Sensorreinigung

Wenn du stattdessen lieber fertige Reinigungssets nutzen möchtest, so wird in der Szene oft der Eyelead Sensor Adhäsionstupfer, das VSGO Kit oder das UES Kit empfohlen.


Wie sind deine Erfahrungen mit der Sensorreinigung? Was hat für dich funktioniert und was nicht?

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3 Kommentare

  1. Jörg Geiger

    Hallo, also diese Tips finde super. Habe früher gerne analog fotografiert dann viele Jahre Pause und nun seit ein paar Jahren digital wobei ich aufgrund der Problematik wenn diverse Personen auf dem Bild zu sehen sind eher Landschaften und Architektur bevorzuge. Versuche mich gerade an meiner Pentax K10d mit Statviv und ND Filter zu arbeiten da bei entsprechender Langzeitbelichtung die Personen vor den Gebäuden von alleine 🙄 Verschwinden. Da ich viel in Großbritannien bin muss man beim verwenden eines Stativs in oder auf den Gebäuden meist vorher eine Genehmigung bei der Hausverwaltung einholen sonst hat man schnell Probleme mit der Security. Aber die Bilder sind dafür um einiges besser als aus der Hand gemacht.
    Habe jetzt durch Zufall diesen Blog gefunden und bin Dankbar für die tollen Tipps.

  2. Anne-Barbara Bernhard

    Super Beitrag mal wieder Matthias. Ich reinige die Sensoren seit Jahren mit Isopropanol aus der Apotheke und Q-Tips Wattestäbchen. Das Isopropanol lasse ich mir abfüllen, möglichst hochprozentig und versuche es dann schnell zu verarbeiten. Meine Beobachtung, je wertiger die kamera desto schwieriger ist die reinigung. Bei der Caonon 350 D war ich Ruckzuck fertig, bei der D-mark III dauert es, bis ich wieder alle Schlieren weg habe. Mitunter kommt dann auch noch etwas steriles Aqua zum Einsatz.Ich hatte auch schon extra Sensorreinigungsstäbchen, die machten auch nicht mehr als die Wattestäbchen.

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