Interview: Matthias Schroeter

Heute startet das erste Interview. Von Matthias Schroeter habe ich das erste Mal gehört, als es um HDRs auf DeviantArt ging. Das ist schon ein paar Jahre her. Wie er sich seit dem entwickelt hat, wie sein heutiges Portfolio zustande kommt und was er Anfängern rät, darüber habe ich mich mit ihm unterhalten.

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Matthias Schroeter und ich bin, wenn man von der Berufsbezeichnung ausgehen moechte, Fotograf. Im Moment lebe und arbeite ich in Bernburg Saale. Dort unterhalte ich ein kleines Atelier in einem ehem. Kloster. Tatsaechlich leiste ich mir den Luxus mich jeden Tag der Fotografie widmen zu koennen.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Wie ich zur Fotografie gekommen bin weiss ich gar nicht so genau. Wie viele von uns habe ich auch schon frueh mit Opas oder Vaters Kamera gespielt. Eine Kamera hatte ich also schon immer in den Haenden. Ein intensiveres Verlangen zu fotografieren hatte ich allerdings seit der Geburt meiner Tochter vor nun 8 Jahren. Dann bin ich einfach dran geblieben und habe so einen Teil meines Studium finanziert. Nun finanziere ich meinen Lebensunterhalt damit, im Grunde hat sich nichts geaendert.

Wie hast du dein jetziges Fotowissen erlangt?

Eine Ausbildung im Bereich der Fotografie habe ich nie genossen. Ich muss gestehen, dass ich der klassischen Lehre oder dem Studium der Fotografie eher gespalten gegenueber stehe.

Mein Wissen habe ich mir ausschliesslich durch autodidaktisches lernen angeeignet. Durch unzaehlige Stunden des lesen, probieren und nachstellen kann man sich durchaus die technischen Grundlagen beibringen. Jedoch, dass wissen wir, reicht dies nicht aus um gute Arbeiten zu erstellen. Das sichten von Fotoarbeiten anderer Fotografen aus Buechern und online Portalen sowie das Gespraech mit anderen Fotografen und Kuenstlern ist eine elementare Sache.

Dabei ist mir bewusst geworden das dass warten und beobachten wichtiger ist als das staendige druecken des Ausloeser. An einen Ort zu gehen und diesen zu dokumentieren kann jedes 10 jaehrige Kind. Diesen Ort mit Respekt zu begegnen und seine Eigenarten zu begreifen ist ein Prozess des „sehen“ lernen. Diesen Prozess lerne ich noch heute.

Dein Portfolio unterteilt sich in HDR und Langzeitbelichtungen. Das sind
im Grunde doch sehr unterschiedliche Aufnahmetechniken. Wie kam es dazu?

Lange habe ich nach einer Technik gesucht an der ich mich sprichwoertlich bis zum erbrechen auslassen kann. Man koennte sagen ich war auf der Suche nach einer eigenen fotografischen Identitaet. Die HDRi Technik mit seiner umfangreichen Bearbeitungsmoeglichkeit erschienen mir wie eine riesige Spielwiese. Gespielt habe ich also viel, knapp 4 Jahre lang hab ich mich dieser Art der Fotografie gewidmet. Angefangen von der Bearbeitung bis zu mehrzeiligen Panoramen habe ich alles probiert. Ein wichtiger Schritt war die Kombination von HDRi und Graufilter mit wirklichen Langzeitbelichtungen. Im Moment bin ich allerdings etwas muede vom
spielen…

Der Uebergang von HDRi auf Langzeitbelichtung war bei mir also ehr ein
fliessender bzw. am Anfang sogar nur ein ergaenzender zur HDRi Technik. Mir war allerdings klar das die LZB eine eigene Form darstellen muss. Aus diesem Grund beschaeftige ich mich im Moment mit dieser Technik. Den ersten kreativen Schub erfuhr
ich eine Woche lang auf Ruegen.

Was reizt dich an Langzeitbelichtungen?

Langzeitbelichtungen sind wie kleine Zeitkapseln, man hat das Gefuehl die Zeit fliesst an einem vorbei wenn man sich die Fotoarbeiten anschaut. Besonders interessant sind monochrome Arbeiten die so stark abstrakt sind das man eine gewisse Zeit benoetigt um das gesehene zu verstehen.

Die klassische LZB besteht aus 4 Elementen die bestimmend sind fuer ein solches Foto. Der Bildaufbau ist definiert durch eine glatte bzw. weiche Wasseroberflaeche, dem eigentlichen Objekt welches i.d.R. fest steht und sich nicht bewegt, dazu der Himmel mit ziehenden Wolken und einer Vignette die den Blick des Betrachters auf das fixierte Objekt lenken soll. Dabei erzeugen die ziehenden Wolken eine starke Dynamik und Dramatik im sonst so abstrakten Bild.

Interessant wird es wenn zusaetzlich sich bewegende Elemente wie Boote oder Tiere in das Motiv einarbeiten lassen. Dies unterstreicht zusaetzlich die Dynamik und den Anschein von vergehender Zeit.

Natuerlich kann der Aufbau des Bildes von meiner These abweichen. Wenn wir uns z.B. Architekturaufnahmen anschauen. Jedoch ist es dann nicht das Wasser sondern eine Gruenflaeche oder Gestein.

Diese klaren Eigenschaften machen diese Aufnahmetechnik fuer mich so
interessant.

Gibt es bestimmte Orte an denen du am liebsten fotografierst? Warum grad
dort?

Grundsaetzlich suche ich Orte an den wenige bis keine Menschen sich aufhalten.
Denn ich mag keine Menschen in meinen Motiven. Diese stoeren die Intimitaet zwischen Motiv, Inspiration und meinen Nerven. In der Landschaftsfotografie ist dies zum Glueck fast immer moeglich.

Was war dein interessantestes Erlebnis beim Fotografieren?

Das wohl bisher praegendste Erlebnis habe ich auf Ruegen erfahren. Wir waren den ganzen Tag in Sassnitz unterwegs, dass Wetter war leider nicht optimal fuer Langzeitbelichtungen. Also beschlossen wir essen zu gehen, natuerlich am Wasser. Ploetzlich schlug das Wetter um. Ab diesem Moment war mir die Aufnahme von Nahrung abhanden gekommen und wir standen am Leuchtturm.
Es regnete und der Wind wurde immer staerker. Die Wellen schlugen immer heftiger an die Brecher bis sie an die Brandungsmauer prallten. Um einen schoenen Bildausschnitt vom Turm zu bekommen kletterte ich auf die Mauer und stellte Stativ und Kamera ebenfalls dort auf. Nun hatte ich zu diesem Zeitpunkt mein 70-200 Objektiv an der Kamera, ein wechseln der Linse schien mir bedingt durch das Unwetter als nicht wuenschenswert. Mir war klar das dieser Aufbau bei dem Wind keine brauchbaren Fotos brachte. Ich musste also Kamera und Linse schuetzen und hockte mich zwischen Kamera und Unwetter. Ich produzierte mehrere Belichtungen von einigen Minuten waehrend Wind und Wasser auf meinen Koerper schlugen. Nach einer halben Stunde musste einfach etwas im Kasten sein und beschlossen zum Auto zu gehen. Spaeter haben wir im Radio gehoert das Unwetter mit Sturmwarnung ausgerufen wurde. Seitdem suche ich immer wieder dieses Gefuehl und der Kellner das Geld fuer die Bestellung…

Wo siehst du deine Fotografie in 10 Jahren?

Na ich hoffe doch an den Waenden von Menschen die meine Arbeiten schaetzen. Technisch moechte ich mich ehr der analogen Mittelformat Fotografie widmen. Rueckblickend zu meinem bisherigen Lernprozess leg ich allerdings gern noch einmal 5-10 Jahre drauf. Vielleicht schaffe ich bis dahin den „one shot, one hit“.

Wenn dich ein Anfänger nach einem Tipp fragen würde, wie er sich stetig verbessern könnte, was würdest du ihm sagen?

Niemals auf Leute hoeren die sich an ihrem ueberteuerten Kamerasystemen aufgeilen und dann ihre Arbeiten auf einem Display praesentieren das kleiner als eine Kippenschachtel ist. Ansonsten immer auf die Wolken achten, die bestimmen Licht und Dramatik im Bild.

Danke für das Interview. Die Internetseite von Matthias Schroeter findet ihr unter www.schroeter-photography.com.

1 Kommentare

  1. Nutzer Avatar

    „Denn ich mag keine Menschen in meinen Motiven. Diese stören die Intimität zwischen Motiv, Inspiration und meinen Nerven. “

    Spätestes mit diesem Satz ist mir der Interviewte „ans Herz“ gewachsen.
    Echt gut das ganze.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.