Der ultimative Guide für digitale Infrarotfotografie [2019]

Etwa ein Jahr, nachdem ich mit Fotografie begonnen hatte, stolperte ich im Netz über ein paar Bilder, die ganz anders aussahen. Die Blätter der Bäume auf diesen Bildern waren weiß, der Himmel in einem tiefen Dunkelblau. Es handelte sich um Infrarotfotografie. 10 Jahre später, verschiedenste Technik und viele Bilder weiter, schreibe ich heute den ultimativen Infrarotfotografie Guide. Im ersten Teil des Tutorials erfährst du, wie du mit deiner digitalen Spiegelreflexkamera Infrarotfotos machen kannst. Im zweiten Teil zeige ich dir, wie du mit einer nicht umgebauten Sony F828 ohne Stativ IR fotografierst. Im dritten Teil zeige ich, wie die Nachbearbeitung für Infrarotbilder funktioniert.

Was ist Infrarotfotografie?

Infrarotfotografie bezeichnet das Fotografieren von Motiven im Bereich des infraroten Lichtspektrums. Das menschliche Auge nimmt Licht zwischen einer Wellenlänge von 380 und 780 Nanometern wahr. Das Licht, welches zwischen 700 und 900 Nanometern liegt, wird als Infrarot bezeichnet. Mithilfe eines Infrarotfilters, der den sichtbaren Teil des Lichts blockt und nur Licht im infraroten Bereich durch lässt, kann man mit aktuellen Digitalkameras Infrarotfotografie betreiben. Wer diese Art der Fotografie noch nicht kennt, für den sieht es auf den ersten Blick aus wie Winterbilder mit Raureif.

Infrarotfotografie mit einer DSLR

Kann ich Infrarotfotos mit einer DSLR machen? – Der Sperrfilter

Digitale Spiegelreflexkameras haben in der Regel einen Infrarotsperrfilter verbaut. Dieser soll verhindern, dass infrarotes Licht den Sensor erreicht. Ohne diesen Filter würden die Farben auf Bildern verfälscht dargestellt werden. Diese Sperrfilter blockieren aber nicht den gesamten Teil des Lichtes. Resultat im Zusammenspiel mit einem Infrarotfilter ist jedoch, dass die Belichtungszeit sehr lang wird. Bei strahlendem Sonnenschein, Blende 5.6 und ISO 100 sprechen wir hier von mindestens 30 Sekunden Belichtungszeit, tendenziell eher 3 Minuten. Ein Stativ ist also unabdingbar.

Infrarotfotografie - Regenschauer am Cap Formentor

Infrarotfotografie mit der 700D am Cap Formentor auf Mallorca

Vergleich in Bildern

In den folgenden 4 Bildern siehst du, wie Infrarotfotografie im Vergleich zu normalen Licht aussieht. Außerdem zeige ich, wie das fertige und bearbeitete Endresultat aussieht.

Normales Bild ohne Infrarotfilter

Normales Bild ohne Infrarotfilter

 

Infrarot Bild ohne Anpassungen

Infrarot Bild ohne Anpassungen

 

Infrarot Bild mit richtigem Weißabgleich

Infrarot Bild mit richtigem Weißabgleich

 

Infrarot Bild nach Kanaltausch und Tonwertkorrektur

Infrarot Bild nach Kanaltausch und Tonwertkorrektur

Wieso nicht jedes Objektiv funktioniert – der Hotspot

Infrarot Hotspot

Hotspot eines Sigma 30mm F1.4 EX

Leider lässt sich nicht jedes Objektiv für Infrarotfotografie verwenden. Manche Objektive haben einen sogenannten Hotspot. Das ist ein heller Punkt in der Mitte des Bildes, der durch die Objektivkonstruktion entsteht. Dieser helle Punkt ist leider auch nicht mit Bildbearbeitung zu entfernen. Im Netz gibt es verschiedene Listen, welche Objektive tauglich sind und welche nicht. Eine Liste, die fortlaufend aktualisiert wird, gibt es bei DecaTec.

Welche Filter brauche ich?

Der Standard Filter für Infrarotfotografie ist der Hoya R72. Für Leute, die auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen stehen, bietet sich der Wratten 89B an. Darüber hinaus gibt es noch weitere Hersteller von IR Filtern, unter anderem Cokin und ZoMei.

Hoya R72 Infrarotfilter

Hoya R72 Infrarotfilter

Farbinfrarot oder Schwarz-Weiß Infrarotfotografie

Bei der Wahl des Filters entscheidet sich natürlich auch, wie die finalen Bilder aussehen. Je nach Nanometer Bereich hast du noch Anteile des sichtbaren Lichts im Bild, was sich dann Farbinfrarot nennt. Filter über 750 Nanometer ergeben nach dem richtigen Weißabgleich fast nur noch Schwarz-Weiß. Für mich hat sich der Hoya R72 als guter Kompromiss heraus gestellt, weil ich damit nach der Bearbeitung einen blauen Himmel habe. Alternativ kann ich in Photoshop auch eine Schwarz-Weiß Umwandlung machen und erhalte angenehm kontrastreiche Bilder.

Vorgehensweise beim Fotografieren

Da du mit aufgeschraubtem Infrarotfilter nichts mehr durch die Kamera siehst, musst du vorher deine Bildkomposition machen. Ebenfalls muss der Fokus vorher eingestellt werden. In der Regel ist der Fokuspunkt nicht der Gleiche wie bei sichtbarem Licht. Manche Objektive haben Markierungen für diesen Fokuspunkt für Infrarotfotografie. Für den Anfang kannst du im Weitwinkelbereich den Autofokus der Kamera benutzen, bevor du auf manuellen Fokus umstellst und den Infrarotfilter aufschraubst.

Tipp für den Fokuspunkt: Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, das Objektiv, mit dem ich am meisten IR fotografiere, bezüglich des Fokuspunktes zu testen. Ich bin dazu mit meinem 10-22mm bei direktem Sonnenlicht raus gegangen, habe den Infrarotfilter davor geschraubt und den Fokus manuell eingestellt. Dann habe ich eine Fokusreihe gemacht, um zu sehen wo der richtige Fokuspunkt liegt. Dazu braucht man natürlich ein Objektiv mit Entfernungsskala. Ich habe also mehrere Bilder bei unterschiedlichem Fokus gemacht: 0,5 Meter, 1 Meter, Hälfte zwischen 1 Meter und unendlich, kurz vor unendlich, auf unendlich und kurz hinter unendlich. Diese Bilder habe ich mir direkt auf dem Kamerabildschirm mit maximalem Zoom angeschaut. Dabei bin ich zwischen den Bildern hin und her gesprungen, um zu sehen, welches das Schärfste ist. In den meisten Fällen ist der Fokus bei mir direkt auf der unendlich-Stellung. Da aber jedes Objektiv anders gebaut ist und sich bei unterschiedlichen Temperaturen anders verhält, empfehle ich dir es selbst zu testen.

Nun gilt es, sich an die richtige Belichtungszeit heran zu tasten. Als best-practise hat sich erwiesen, eine Aufnahme mit ISO 800, 5.6 von 10 Sekunden zu machen. Anhand des Histogramms kannst du nun beurteilen, ob die richtige Belichtung vorliegt oder ob du die Zeit anpassen musst. Hast du einmal die richtige Belichtung gefunden, so kannst du nun nach ISO-Stufen herunter rechnen, wie lange du bei ISO 100 belichten musst. So vermeidest du minutenlange Testbelichtungen.

Infrarotfotografie auf den Elbwiesen von Schönebeck

Waving Tree

Die besten Wetterbedingungen

Nach meinen Erfahrungen lohnt sich Infrarotfotografie nur bei direktem Sonnenlicht. Bei Aufnahmen mit diffusem Licht fehlen mir die Kontraste, die Bilder wirken flau. So macht es sich gut, wenn klares Wetter herrscht, wie beispielsweise nach einem Sturm. Wenn du mit einer nicht modifizierten Kamera mit sehr langen Belichtungszeiten arbeitest, ist es zudem hilfreich, möglichst keinen Wind zu haben. Wolken machen den Himmel bei Infrarotfotografie viel interessanter. Feine Schleierwolken sehen besonders bei Schwarz-Weiß Infrarotbildern fantastisch aus. Eine der angenehmen Dinge an der Infrarotfotografie ist, dass man sich sehr selten Gedanken um überbelichteten Himmel oder unterbelichtete Landschaft machen muss.

Tipp: Bei Gegenlicht wirken Infrarotbilder kontrastlos. Vielfach fotografiere ich IR mit Licht im Rücken oder mit Seitenlicht.

Welche Motive lohnen sich?

Newsletter Aufmacher 3 - Neue BeiträgePrinzipiell lässt sich erst einmal Alles auch in Infrarot fotografieren. Für mich funktionieren Motive in der Natur oder in Parkanlagen besonders gut. Bäume sind dabei sicherlich mein meist fotografiertes Motiv. Eine gute Taktik kann sein, Lebendes mit Leblosem gegenüber zu stellen. Ein Gebäude inmitten eines Parks, welche im Infrarot dunkel erscheint, lässt sich gut mit den hellen Tönen der Blätter eines Baumes kombinieren. Dass die Blätter in der Infrarotfotografie weiß sind, wird übrigens der Wood-Effekt genannt.

Zu welcher Jahreszeit lohnt sich IR?

Die „Saison“ für Infrarotfotografie ist dann, wenn die Bäume Blätter tragen. Das ist also von etwa Mai bis September. Im Winter lasse ich die Infrarotfilter im Schrank.

Anbieter von Infrarotumbauten – die eigene Kamera modifizieren lassen

Mittlerweile gibt es Dienstleister, die den Infrarotsperrfilter der Kamera entfernen oder durch einen anderen ersetzen. Damit sind „normale“ Belichtungszeiten möglich, die man auch ohne Stativ halten kann. Der bekannteste Anbieter von Infrarotumbauten ist sicher Lifepixel aus den USA. In Deutschland bietet Optic Makario den Umbau an. Im Infrarot-Forum wurde kürzlich noch IRreCams.de empfohlen.

Infrarotfotografie am Loch Dunmore

Infrarotfotografie am Loch Dunmore

Infrarotfotografie ohne Umbau: Mein Weg zur Sony F828

Wie schon geschrieben fotografiere ich seit 10 Jahren Infrarot. Ich habe damals für meine Canon EOS 300D extra ein günstiges Sigma 18-50 gekauft, damit ich ein Objektiv ohne Hotspot hatte. Bei meiner Entscheidung für ein Weitwinkelobjektiv habe ich das Einzige genommen, welches infrarottauglich war(Canon EF-S 10-22mm).

Newsletter Aufmacher 2 - Beliebte BeiträgeMein Ziel war es, Infrarotfotografie ohne Stativ betreiben zu können. Schon seit einiger Zeit habe ich mit dem Gedanken gespielt, mir eine modifizierte Kamera anzuschaffen. Ich hatte die Option, meine alte 450D durch einen der obigen Anbieter auf Infrarot umbauen zu lassen. Problem dabei war aber, dass die 450D bereits etwa 50.000 Auslösungen hinter sich hatte. Der Verschluss ist für 30.000 ausgelegt. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der Verschluss hier aufgibt. Zweite Option war demnach, meine 700D modifizieren zu lassen und mir dafür eine Neue zu kaufen. Das wäre aber mit größeren Kosten verbunden gewesen.

Beim Stöbern im Infrarot Kombinat bin ich auf Fotografen gestoßen, die die Sony F828 benutzen. Ich hatte von Freunden schon einmal die Sony F717 für Infrarotfotos getestet. Damals hatte mich gestört, dass die Akkulaufzeit der F717 bei nur etwa 30 Minuten lag und das Gerät nur 5 Megapixel hatte.

In Summe hatte ich also 3 Optionen:

  • Die 450D umbauen lassen und hoffen, dass der Verschluss noch eine Weile hält – 400 Euro
  • Eine neue 700D kaufen und die Alte modifizieren lassen – 950 Euro
  • Eine gebrauchte Sony F828 kaufen und schauen wie es damit läuft, ggf. dann doch eine DSLR umbauen lassen – 230 Euro

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe mich für die Sony F828 entschieden und bin auch heute noch super glücklich mit dieser Entscheidung.

Ich habe eine gebrauchte für 120 Euro bei eBay gekauft. Mir war dabei wichtig, dass das Objektiv und der Bildschirm keine Kratzer haben. Darüber hinaus habe ich geschaut, dass eine Streulichtblende dabei ist, weil Infrarot sehr anfällig für Flares ist. Dazu habe ich mir einen Hoya R72 und neue Akkus bestellt. Damit ist das Problem der Akkulaufzeit auch gelöst, denn die F717 Akkus damals waren eben 10 Jahre alt und haben damit nicht mehr lange durchgehalten. Mit neuen Patona Akkus hält ein Akku jetzt wieder 2,5 Stunden durch. Alles zusammen sind das etwa 230 Euro.

Sony F828 mit Hoya R72

Sony F828 mit Hoya R72

Warte mal – die Sony F828 ist doch auch nicht modifiziert??

Die Sony F828 hat von Haus aus ebenfalls einen Infrarot Sperrfilter verbaut. Die Belichtungszeiten liegen damit bei etwa 5 Sekunden. Sony hat aber damals einen sogenannten Nightshot Modus eingebaut. Dieser Modus ist, wie der Name schon sagt, für Nachtfotografie gedacht. Dabei klappt der Sperrfilter weg. Problem an der Sache ist, dass man mit diesem Nightshot Modus und bestimmten Belichtungszeiten durch dünne Kleidung fotografieren könnte. Also hat Sony die Einstellungen im Nightshot Modus auf F2.0 und 1/30 Sekunde festgesetzt, um das zu unterbinden. Das ist natürlich eine große Einschränkung, auch in Sachen Bildqualität.

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In der Vergangenheit haben die Infrarotfotografen dann also einen Infrarotfilter a la Hoya R72 und dazu einen oder mehrere ND8 Filter benutzt, um im Nightshot Modus aus der Hand Infrarot fotografieren zu können. Ohne ND8 wären die Bilder stark überbelichtet.

Was 2014 die IR-Fotografie mit der F828 revolutioniert hat – Der Magnet Hack

Daniel Schweinert hat 2014 die F828 zerlegt und dabei heraus gefunden, dass das Wegklappen des Sperrfilters im Nightshot Modus durch einen kleinen Elektromagneten gesteuert wird. Mithilfe eines Neodym Magneten lässt sich so von außen, ohne dass man die Kamera zerlegen muss, der Sperrfilter wegklappen.

Damit sind dann bei Tageslicht ganz normale Belichtungszeiten möglich. Es ist kein zusätzlicher ND Filter mehr nötig. Endlich ohne Umbau Infrarot aus der Hand fotografieren!

Ich habe eine Weile gesucht, bis ich die richtigen Magneten gefunden habe. Ich habe über Amazon diese Neodym Magnete gekauft und benutze davon zwei Stück hintereinander(In der Packung waren 50). Damit funktioniert es wunderbar.

Neodym Magnet

Neodym Magnet im Größenvergleich mit Objektivdeckel

Mittlerweile empfinde ich die Sony F828 als die beste Lösung für Infrarotfotografie. Die Kamera hat einen elektronischen Sucher, durch den ich das IR-Bild schon beim Fotografieren sehen kann. Die Sony F828 ist von 2003, kann aber bereits RAW. Jedoch braucht die Speicherung einer RAW Datei etwa 10 Sekunden. Am Anfang habe ich das als störend empfunden, mittlerweile empfinde ich es als angenehm entschleunigend. Stören mich die nur 8 Megapixel? Nein. Die Kamera macht scharfe Bilder, die einer 8 MP DSLR in Nichts nachstehen. Und selbst für Drucke reichen mir 8 Megapixel vollkommen aus. Ich benutze die Kamera im A-Modus mit einer Blende von 5.0 und ISO 64. Damit bin ich bei Sonnenlicht bei Belichtungszeiten von etwa 1/400 Sekunde.

Tipps zum Fokussieren mit der Sony F828 bei Infrarotlicht

Als ich vor ein paar Wochen begonnen habe, mit dieser Kamera zu fotografieren, waren nicht alle Bilder scharf. Ich hatte einen kleineren, in der Mitte liegenden AF-Punkt ausgewählt und habe damit immer auf kontrastreiche Stellen fokussiert und dann umgeschwenkt. Es waren wie gesagt nicht alle Bilder scharf, weshalb ich zu Beginn nicht gerade begeistert war von der Bildqualität. Nach vielen verschiedenen Tests mit den Autofokusmethoden bin ich beim manuellen Fokus gelandet. Die für mich am besten funktionierende Variante ist, auf manuellen Fokus zu stellen und dann im Sucher auf unendlich zu fokussieren. Damit bekomme ich durchgehend scharfe Ergebnisse.

Unterschiede von Infrarotfiltern an der F828

Initial habe ich den Hoya R72 als IR Filter für die F828 bestellt. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits mit der Nachbearbeitung vertraut. Nach einigen Fotosessions mit der neuen Kombo fiel mir auch, dass die Ergebnisse nach der Bearbeitung alle annähernd Schwarz-Weiß waren. Dabei hatte der R72 in Kombination mit meiner 450D und 700D immer einen wunderbar blauen Himmel geliefert. Der Sensor der Sony F828 nimmt infrarotes Licht offensichtlich anders wahr. Mit einem R72 werden die Bilder fast komplett Schwarz-Weiß. Nach einiger Recherche im Netz habe ich mir bei macodirekt einen Heliopan RG 645 bestellt. Wie der Name schon sagt Filtert der RG 645 in entsprechendem Lichtspektrum. Mit diesem Filter habe ich den gewohnt tiefblauen Himmel auch mit der Sony F828.

Heliopan RG 645 Infrarotfilter

Heliopan RG 645 Infrarotfilter

Nachbearbeitung von Infrarotfotografie

Wie man schon anhand der Beispielbilder sieht, ist eine entsprechende Nachbearbeitung nötig. Mit den folgenden 5 Schritten zeige ich dir, wie du ans Ziel kommst. Für die Nachbearbeitung benötigst du Adobe Camera RAW und Adobe Photoshop.

1. Der richtige Weißabgleich –  ein eigenes Kameraprofil erstellen

Ich fotografiere in RAW. Da Infrarot außerhalb des sichtbaren Lichts liegt, kann man in den meisten RAW-Convertern keine passende Farbtemperatur einstellen. Um den roten Farbstich zu neutralisieren, müsste man ca. 1800 Kelvin einstellen. So beträgt die niedrigste Einstellmöglichkeit für den Weißabgleich bei Adobe Camera RAW 2000 Kelvin. Wie kann man diese Limitierung umgehen? Man muss mit dem DNG Profile Editor von Adobe arbeiten. Als erstes öffnet man das Bild in ACR und speichert es dort als DNG. Dieses DNG öffnet man im Adobe Profile Editor. Nun stellt man dort unter Color Matrices die Farbtemperatur auf -90.

Farbtemperatur für Infrarotfotografie im Adobe DNG Profile Editor einstellen

Farbtemperatur für Infrarotfotografie im Adobe DNG Profile Editor einstellen

Anschließend speichert man das Recipe und exportiert das Kameraprofil. Der DNG Profile Editor wählt direkt den passenden Ordner für die Adobe Camera RAW Profile. ( C:\Users\deinbenutzername\AppData\Roaming\Adobe\CameraRaw\CameraProfiles )

Dieser Vorgang muss nur einmal gemacht werden, damit das Infrarotkameraprofil erstellt ist.

Update vom 09.04.18: Einige Leser scheinen Probleme mit der Erstellung des Kameraprofils zu haben. Daher gibt es hier das Kameraprofil meiner Sony F828 zum Download. Für mein Adobe Photoshop CC 2018 ist es hier gespeichert:
C:\Users\matthiash\AppData\Roaming\Adobe\CameraRaw\CameraProfiles

Öffnest du nun ein Bild in Adobe Camera Raw, so ist das Profil dort noch nicht gleich zu finden.

Unter den Grundeinstellungen kannst du oben Kameraprofil auswählen. Dort klickst du auf „Durchsuchen…“.

Im nächsten Fenster kannst du nun unten auf „Profile“ klicken. Sofern du dein Profil unter C:\Users\deinbenutzername\AppData\Roaming\Adobe\CameraRaw\CameraProfiles abgelegt hast, taucht es direkt hier auf.

Adobe Camera RAW - Profilbrowser

Adobe Camera RAW – Profilbrowser

Mit einem Klick auf den Stern rechts oben kannst du das zu deinen Favoriten hinzufügen. Das hat den Vorteil, dass es ab dann direkt in der Übersicht deiner Kameraprofile zu sehen ist und du nicht jedes Mal auf „Durchsuchen…“ klicken musst.

Nach dem Klick auf den Stern kannst du rechts oben auf den „Schließen“ Button klicken und findest das Profil nun als Auswahlmöglichkeit im Profil unter den Grundeinstellungen.

Adobe Camera RAW - Profilauswahl

Adobe Camera RAW – Profilauswahl

Resultat ist, dass der Weißabgleich nun verschoben ist. Nun nimmt man sich im Hauptfenster die Pipette für den Weißabgleich und klickt auf eine sonnenbeschienene Wiese. Die anschließenden Anpassungen kann man wie gewohnt machen.

2. Kanaltausch Rot und Blau

Rot und Blau mit dem Kanalmixer tauschen

Rot und Blau mit dem Kanalmixer tauschen

Um einen blauen Himmel zu bekommen ist der erste Schritt der Kanaltausch von Rot- und Blaukanal. Dies lässt sich per Kanalmixer machen. Ich bevorzuge die Arbeit mit Einstellungsebenen, dann kann ich Änderungen auch nachträglich noch rückgängig machen. Für den Tausch wählt man im Kanalmixer den Rotkanal, setzt dort Rot auf 0 und Blau auf 100, im Blaukanal setzt man degegen Blau auf 0 und Rot auf 100.

3. Tonwertkorrektur

Autotonwertkorrektur

Autotonwertkorrektur

Infrarotfotos sind von von Haus aus recht flau, mit diesem Schritt bringst du mehr Klarheit ins Bild. Mit einer Auto-Tonwertkorrektur lässt sich ein klarer Weiß- und Schwarzpunkt setzen, was den Kontrast schon spürbar erhöht. Dies lässt sich ganz einfach per Klick auf den Button „Auto“ im Fenster der Tonwertkorrektur erledigen.

4. Restfarben entfernen

Restfarben mit Farbton/Sättigung entfernen

Restfarben mit Farbton/Sättigung entfernen

Auch Wenn Infrarotbilder schon viel weniger Farben als ein normales Bild haben, so können auch nach dem Kanaltausch noch Restfarben in Blättern oder Grad vorhanden sein Über eine weitere Einstellungsebene „Farbton/Sättigung“ kann man die Sättigung aller Farbenkanäle außer Blau auf 0 setzen, um störende Restfarben zu entfernen.

5. Kontrast erhöhen mit Gradationskurven

S-Kurve in den Gradationskurven für mehr Kontrast

S-Kurve in den Gradationskurven für mehr Kontrast

Zum Schluss passe ich den Kontrast meist noch über eine Gradationskurve in Form eines S an.


Videokurs – Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop

Videokurs Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop

Möchtest du mehr darüber lernen, wie ich meine Landschaftsfotografie Bilder mit Adobe Photoshop nachbearbeite? In meinem Videokurs bringe ich dir alle Schritte bei, die du dazu wissen musst. Egal welchen Wissensstand du hast.

Mehr über den Videokurs erfahren

Beispielbilder – Wie sehen fertige Infrarotbilder aus?

Schlusswort – Jetzt starten!

Infrarotfotografie bietet eine völlig neue Herangehensweise an bekannte Motive. So bewegt man sich abseits der eigenen, vielleicht etwas eingeschliffenen Wege. Ich empfehle jedem, der an Landschaftsfotografie interessiert ist, IR auszuprobieren!

Bonus: Weitere Ressourcen für Infrarotfotografie

Die Infos im Netz zur Infrarotfotografie sind etwas verstreut. Michael Laukeninks hat 2011 einen schönen Guide auf Kwerfeldein geschrieben.

Ein Video Tutorial zur Nachbearbeitung und der Erstellung eines eigenen Infrarot Kameraprofils gibt es hier:

Wenn du noch Fragen zur Infrarotfotografie hast, ich dir irgendwie weiterhelfen kann, du Ideen hast wie ich den Guide noch ergänzen kann oder du einfach deine Erfahrungen mit Infrarotfotografie teilen möchtest, dann freue ich mich über einen Kommentar. Wenn du auch in Zukunft keine Artikel verpassen möchtest, dann kann ich dir meine Beiträge auch per E-Mail zukommen lassen.

Update 20.06.16 – Kamera selbst umgebaut

Nachdem ich dieses Tutorial im Infrarot Forum gepostet habe, kam ein Nutzer auf mich zu und sagte mir, dass er seine Kamera selbst umgebaut hat. Laut eigener Aussage ist er nicht besonders technikbegabt. Daraufhin kam ich auf die Idee, meine alte 450D selbst umzubauen. Was hatte ich zu verlieren? Die 450D lag ohnehin nur noch im Schrank, selbst ein Verkauf bei eBay lohnt sich nicht mehr. Ich habe mir daraufhin bei Amazon dieses und dieses Schraubendreher Set bestellt. Auf YouTube gibt es zufällig genau ein Umbau-Tutorial-Video für meine 450D.

Genau so habe ich dann eben auch meine Kamera umgebaut. Ich habe etwa 3 Stunden dafür gebraucht. Den dem ersten Zusammensetzen ließ sich die Kamera nicht mehr einschalten. Das lag daran, dass in der Kamera alle Kabel auch ganz genau in den entsprechenden Anschlüssen sitzen müssen. Es ist aber am Ende kein Hexenwerk. Ich habe also lediglich den Infrarot-Sperrfilter entfernt.

Test im Feld

Gestern konnte ich dann mit der modifizierten Kamera ins Feld ziehen. Das Wetter war genau auf Infrarotfotografie zugeschnitten: direkte Sonne mit einigen Wolken. Als erstes fiel mir auf, dass die Kamera selbst nach dem Entfernen des Infrarotfilters deutlich weniger sensitiv für Infrarotlicht ist als die F828. Bei kraftvollem Sonnenlicht und Blende 4 kam ich bei ISO 800 gerade so auf eine 1/25 Sekunde. Das ist mit dem Weitwinkelobjektiv gerade genug, um aus der Hand nicht zu verwackeln. Und das bei ISO 800. Fokussierung und Bildkomposition läuft nur mit Liveview über den Bildschirm ab. Der Bildschirm ist bei direktem Sonnenlicht nicht besonders gut ablesbar.

Rückschlüsse – wieso die F828 für Infrarotfotografie die bessere Wahl ist

Am Ende empfinde ich die Sony F828 als deutlich bessere Lösung für Infrarotfotografie. Die Belichtungszeiten von 1/250 Sekunde lassen sich deutlich besser aus der Hand halten. Bildkomposition mit einem elektronischen Suche hat ohnehin den Vorteil, dass man trotz Sonnenlicht immer etwas erkennt.

Ich hoffe dieser Artikel war für dich hilfreich. Wenn du möchtest, kannst du deine E-Mail Adresse da lassen. Dann schicke ich dir jedes Mal, wenn ich einen neuen Blogbeitrag online stelle, eine kurze Notiz.

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126 Kommentare

  1. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,
    toller blog, tolle Fotos.
    Beim Nachahmen scheitere ich zum wiederholten Male im DNG Konverter an der Meldung „The selected DNG camera profile can not be opened. It may be corrupted.“

    Kennst du diese Meldung, bzw. eine Lösung?

    danke + viele Grüße
    Rico

  2. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,

    da hast du eine sehr schöne Zusammenfassung des sehr großen Themas IR-Fotografie erstellt.
    Möchte dazu nur kurz meine 5-jährigen Erfahrungen teilen.
    Habe mir damals eine gebrauchte Canon EOS-M (Version 2 ca.200 €) gekauft und diese dann bei IRrecams für ca.300 € auf 630nm umbauen lassen.
    Vorteil bei einem Umbau einer spiegel-losen Kamera ist, dass der Fokus nicht neu justiert werden muss.
    Bei einem Umbau auf 630nm lassen sich höhere Filter wie 720nm oder 850nm problemlos nutzen, auch günstige von ZOMEI, es muss kein teurer Hoya sein. (bei nicht umgebauten Kameras mag das anders sein).

    Jetzt nach 5 Jahren hat mich das Alter der EOS-M aber schon etwas gestört, bzw. habe ich des Öfteren einen Sucher vermisst, da es an sonnigen Tagen nicht viel auf dem Display zu sehen gibt und klappbar ist es auch nicht.
    Der AF ist leider auch nicht der schnellste und für manuelle Objektive hab ich mich bei Sony an Fokus-Peaking gewöhnt.

    Da ich im „normalen“ Licht mit der Sony A6500 unterwegs bin, kam mir der Gedanke eine Sony A6300 zu erwerben und diese dann undefiniert (full spectrum) umbauen zu lassen, was den Wechsel mit den Objektiven, die man ja schon hat, einfacher macht .
    Bei einem Full-Spectrum-Umbau kann ich jeden IR Filter von 550nm bis 850nm nutzen und bin dadurch sehr flexibel.

    Aber diesmal habe ich mich für den sehr viel günstigeren Umbau bei http://www.customkamera.de/ (ca.100€) entschieden und bin sehr zufrieden.
    Sehr professionell und die Abwicklung lief über ebay, da Customcamera regelmäßig über ebay den Umbau anbietet. Falls die Kamera nicht dabei ist, einfach per E-Mail anfragen.

    Vorab empfehle ich, jedem der die IR-Fotografie verstehen möchte, sich das Buch von Klaus Mangold – Digitale Infrarotfotografie zu kaufen.
    Das ist trotz der üblichen kritischen Bewertungen bei Amazon wirklich sehr lesenswert.

    Seit ein paar Wochen bietet jetzt Kolarivision ein Panel inkl. Lernvideos für Photoshop an, was einfach der Wahnsinn ist, das Panel biete einfach unendliche Möglichkeiten in der IR Bildbearbeitung 🙂

    https://kolarivision.com/the-very-first-all-inclusive-infrared-photography-course-and-post-processing-software/

    Gruß Rita

    • Nutzer Avatar

      Hallo Rita,

      ich schätze deine Bilder und dein Wissen sehr. Auch deshalb bin ich total dankbar, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Erfahrungen hier mit uns zu teilen. Vielen vielen Dank!

      Liebe Grüße,

      Matthias

  3. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,

    finde ich gut das du wieder eine Lanze für die IR Fotografie brichst. Ich betreibe diese auch, aber es ist das Hobby im Hobby.
    Die links, welche du unten aufführst sind fast alle tot, mit Ausnahme von Kwerfeldein.

    lg Frank

  4. Nutzer Avatar

    Hy Matthias,
    sehr informativ geschriebener Artikel.
    Habe vor bestimmt 20 Jahre meine Canon G3 auch selber umgebaut und mir erst ein Fensterglas statt dem Filter eingebaut. Dann habe ich einen Heliopan RG715 zerschnitten und eingesetzt. Danach wieder Rückbau auf Glas damit ich verschiedene Filter nutzen kann usw. Das war nach den DSLR Versuchen mit langen Berlichtungszeiten. Jetzt habe ich eine von Lifepixel umgebaute Olympus Pen E PL2 mit Falschfarben Filter und bin ganz zufrieden.
    Wünsche Dir und allen die es Testen wollen viel Freude beim IRs schiessen.
    Gruss
    Mike

  5. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,

    erstmal vielen Dank für die informative Übersicht. Sie hat mich dazu gebracht, mir eine Sony F 828 anzuschaffen und ich bin mit den Ergebnissen zufrieden.
    Gibt es vielleicht etwas neues in Hinsicht darauf, was für den „operation could not be completed“ Fehler beim Adobe DNG Profile Editor (1.0.0.47) verantwortlich ist? Ich kann mir zwar mit dem Profil welches Du dankeswerterweise zur Verfügung gestellt hast helfen, aber ich würde mir gerne noch selber eigene Profile erstellen.

    Viele Grüße,

    Uwe

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