Expertenrunde der deutschsprachigen Landschaftsfotografie: Ziele 2017

Wenn man sich Ziele setzt, dann hat man etwas, auf das man hinarbeiten kann. Den Einstieg in dieses Jahr möchte ich wieder mit einer Expertenrunde machen. Ich habe sechs Experten aus der deutschsprachigen Landschaftsfotografie nach ihren Zielen für 2017 gefragt. Einige davon waren letztes Jahr schon dabei und haben geschrieben, wie sich ihre Ziele von 2016 entwickelt haben. Ich finde es sehr inspirierend zu lesen, was sich jeder Einzelne vorgenommen hat und wohin der Weg 2017 führt.

Expertenziele 2017

Nicolas Alexander Otto

Nicolas Alexander Otto

Nicolas Alexander Otto

Ich denke nachdem ich im letzten Jahr nicht alles umsetzen konnte, was ich mir vorgenommen hatte, was wohl auch ganz gut war, da ich stattdessen andere, vielleicht viel interessantere Dinge getan habe, weiß nicht nicht so recht, ob es dieses Jahr nicht wieder so sein wird. Ich gab im letzten Jahr einige Workshops und hatte daran immensen Spaß , daher werde ich dieses Jahr auch ein paar etwas größere Sachen in petto haben – wie meine Island Reise im Oktober – und werde versuchen hier mehr in Angriff zu nehmen was diesen Markt ganz allgemein angeht. Eventuell werde ich über Neujahr noch einen Workshop in Lappland mit einer befreundeten Fotografin leiten, und hier und da ein paar kleinere für verschiedene Auftraggeber übernehmen.

Was meinen Bildstil angeht, bin ich im Großen und Ganzen mit dem letzten Jahr sehr zufrieden gewesen, habe allerdings auch nicht das gemacht, was ich ursprünglich vor hatte. Mal sehen, ob ich dieses Jahr zeitlich mehr in die Nachtfotografie investieren kann. Ein Punkt welchen ich auf jeden Fall weiter ausbauen möchte, ist die Zeit die ich unterwegs verbringe. Das jedoch ist wie immer abhängig von dem finanziellen Rahmen in dem ich mich bewege, wie etwa von den Workshops oder Artikeln welche ich veröffentliche. Reiseziele habe ich zumindest schon einen Haufen, wie könnte es auch anders sein: USA, Japan, Namibia, Alpen (wie immer eben) – die Liste ließe sich auch beliebig erweitern – und ich habe schon eine Reise nach Island sowie einen Trip nach Schottland geplant.

Diese Überlegung führt mich zu einem Punkt, dem ich letztes Jahr nicht so viel Platz einräumen wollte. Allerdings bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es für mich langsam immer wichtiger wird, mich kontinuierlich und nachhaltig zu vermarkten und zu vernetzten, damit die Vorwärtsbewegung aus 2016 nicht ins stocken Gerät. Dafür wird 2017 sicherlich ein wenig mehr Zeit von Nöten sein, damit ich weiter komme und einige meiner ambitionierteren, fotografischen Ideen umsetzen kann. Denn leider reicht eine Idee alleine nicht, man muss sich konkrete Gedanken machen, wie man sie in die Tat umsetzen möchte.

Website: nicolasalexanderotto.net

Michael Breitung

Michael Breitung

Michael Breitung

Meine fotografischen Ziele für das Jahr 2016 waren nicht so hoch gesteckt: mehr fotografieren, den Fokus wieder auf die big shots und schließlich Orte besuchen, die noch nicht so oft fotografiert wurden.

Im Zuge einer noch andauernden Weltreise war ich im letzten Jahr über vier Monate unterwegs und habe vor allem in Südamerika viele Gegenden bereist, von denen ich, abgesehen von einigen Reiseschnappschüssen, kaum Fotos im Internet finden konnte. Es war erfrischend, ohne ein fertiges Bild im Kopf auf Erkundungstour zu gehen. Ein Motiv hat sich fast immer finden lassen.
Außerdem habe ich Fotos verwirklichen können, die ich seit Jahren machen wollte. Erst kürzlich war ich im Tongariro National Park und habe morgens ein Foto gemacht, das mir bei meinem letzten Besuch vor zwei Jahren aufgrund des Wetters verwehrt wurde. Das gleiche gelang mir im Sommer in den Alpen am Drachensee.

Jedoch war es teilweise auch sehr frustrierend, den Fokus fast ausschließlich auf einzelne Fotos, die sog. big shots, zu legen. Solche Fotos erfordern neben Planung und Scouten eben auch besonderes Licht und das richtige Wetter. Und diese Zutat hatte ich sehr oft nicht.

Wenn so eine Durststrecke über Wochen anhält, kann das schnell zu Selbstzweifeln führen. Deshalb ist mein wichtigstes fotografisches Ziel fürs neue Jahr, etwas gelassener an die Fotografie heranzugehen. Da ich nicht davon leben muss, soll der Spassfaktor weiterhin im Vordergrund stehen. Auch wenn es am Ende des Tages kein Foto gibt, ist es das wichtigste, dass ich draußen in der Natur war.

Mit dem Puffer an Fotos, die ich von der Weltreise mit nach Hause bringe, sollte das aber eigentlich kein Problem sein. Ich werde sehr viel Zeit damit verbringen die Fotos zu bearbeiten und eine präsentierbare Auswahl zu erstellen. Vll. ergeben sich ja Möglichkeiten das Ganze in einem Kalender oder Buch zu veröffentlichen, aber ich werde hier nichts forcieren… einfach mal treiben lassen.

Website: www.mibreit-photo.com

Christian Öser

Christian Öser

Christian Öser

Vielen Dank für die Chance, erneut über mein abgelaufenes und das kommende Jahr zu schreiben! Wenn ich mir meine Ziele für 2016 nochmals auf deinem Blog durchlese, müsste ich eigentlich komplett enttäuscht sein – ich habe nämlich fast keines komplett erreicht. In der Realität war 2016 für mich allerdings das erfolgreichste Fotojahr seit langem, weswegen mich das Nichterreichen meiner gesetzten Ziele ziemlich wenig schmerzt. Ich habe sowohl in meinem Stammberuf als Pressefotograf und Bildredakteur viele interessante Termine wahrnehmen können, als auch privat durch Reisen einige spannende Destinationen besucht, mit denen ich mein Fotoportfolio aufstocken konnte (bzw. noch muss … die Zeit, die Zeit!).

Der Höhepunkt war für mich aber die Umsetzung eines seit vielen Jahren gehegten Traums, nämlich einen Reiseblog (coeser.de/blog/) ins Leben rufen. In den Reiseberichten lege ich Wert auf sehr gute Fotos, biete zu jedem Bild die GPS-Daten an und gebe viele persönliche Tipps für einen Besuch, da auch ich bei meinen Reiseplanungen sehr gerne auf die Erfahrungen anderer Blogger zurückgreife. Dieser Blog war übrigens für 2016 keine Zielsetzung von mir, sondern ist spontan umgesetzt worden, als die Rahmenbedingungen endlich gepasst haben. Mein Fazit nach dem vergangenen Jahr: Ziele sind wichtig, um nicht den Fokus seiner Arbeit zu verlieren. Allerdings sollte man sich nicht zwanghaft auf die Umsetzung festbeißen, da man ansonsten möglicherweise andere Chancen nicht wahrnimmt.

Meine Ziele für 2017 (unter Vorbehalt):

  • Wie bisher jede Woche dienstags einen neuen Artikel auf meinem Reiseblog veröffentlichen (hohe Priorität)
  • Weiterhin international viel reisen, aber vor allem auch in meiner Heimat Österreich viele kleinere Destinationen besuchen, entdecken und natürlich fotografieren (hohe Priorität)
  • Ich möchte nach einem Jahr Pause wieder eine Treppenhaustour im Ausland machen (optional, wenn es sich ergibt)
  • Über einen optischen Relaunch meiner Portfolio-Webseite coeser.de/showcase/ nachdenken (niedrige Priorität)

Man sieht, meine Ziele für 2017 sind im Vergleich zu 2016 deutlich geringer gesteckt, aber mit den ersten zwei Punkten nicht weniger zeitintensiv. Ich lasse mich wieder überraschen, welche Chancen sich auftun und werde versuchen, diese auch zu ergreifen.

Website: coeser.de

Stefan Hefele

Natur und Kinder

Stefan Hefele

Stefan Hefele

2016 war ich tatsächlich viel mit meiner Familie unterwegs. In drei Flugreisen, Mallorca, Irland und Karibik konnte ich viel mit meinen Kindern unternehmen. Wenngleich es auch manchmal schwer ist, den Beruf und die Familie unter einen Hut zu bekommen. 2017 möchte ich hier anknüpfen. Zwar nicht unbedingt so weit weg, jedoch vielleicht mehrere kleine Touren.

Natur genießen

Ich stecke noch tief im Lernzprozess, das Gesehene noch mehr zu genießen und daraus weitere Inspiration und Gelassenheit zu ziehen. Dies wird vermutlich noch einige Jahre dauern.

Bleibe dir Treu

Das Thema Bleibe dir Treu und tue das, was dir gefällt und zwar mit viel Leidenschaft konnte ich 2016 weiter leben. Ein Traum, für den ich allerdings jeden Tag hart arbeite.
Da ist klar, was ich mir hier für 2017 vornehme. Einfach weitermachen.

Großes Abenteuer

Ein Jahr geht zu Ende und es bleiben zahlreiche größere und kleinere Erinnerungen an gigantische Touren und Exkursionen. 2016 hat mich an viele einsame Orte geführt. Von verlassenen Bergen zu einsamen tropischen Sandstränden. Getreu meinem Motto „Abseits des Tourismus ist die Welt und somit die Natur noch in Ordnung“. Berufsbedingt scheue ich auch nicht die ein oder andere bekannte Lokation. Doch der Großteil meiner Abenteuer soll
in unberührter Landschaft stattfinden. Wo wir auch schon beim nächsten Punkt sind:

Bildband

Tadaa, es ist vollbracht. Ende 2016 erschien mein erster eigener Bildband „ALPENWELTEN – Eine Reise durch unberührte Landschaften“ im Großformat. Die zweite Auflage steht sogar schon in den Startlöchern.
Da ist es nur logisch, das ich beim Thema Bildband am Ball bleibe. 2017 wird vermutlich kein Neuer erscheinen, jedoch die Arbeit an dem ein oder anderen Projekt wird mich näher ans Ziel führen.

Internationale Vermarktung ausbauen

Auf nationaler und internationaler Ebene konnte ich 2016 den ein oder anderen Deal machen. Geschäfte, die wiederum mein Geschäft am Laufen halten und vorantreiben. 2017 hat da sicher auch was zu bieten. Ein großer Clou wird jetzt dann im Januar auf der Frankfurter Textilmesse vorgestellt. Meine eigene Fototapetenkollektion. Ich freue mich darauf. Denn schliesslich mache ich Bilder, um den Menschen ein Stück natürliche Schönheit näherzubringen in einer so oft sprichwörtlich grauen Welt.

Website: www.stefan-hefele.de

Kilian Schönberger

Kilian Schönberger

Kilian Schönberger

Ich denke mein wichtigstes Ziel ist, den Weg, den ich in den vergangenen Jahren eingeschlagen hab, weiterzugehen. Mit abwechslungsreichen Aufträgen und Projekten, die auch immer wieder mal einen Blick über den Tellerrand hin in andere Motivbereiche und Fachgebiete gewähren. Die richtige Mischung sorgt dafür, dass die Motivation hoch bleibt und man immer wieder auch das eigene Schaffen hinterfragt. Was vielleicht etwas kurz kam waren freie und konzeptionelle Arbeiten. Für derartige Dinge hätte ich gern größere Zeitkontingente, Ideen gibts genug.

Ein Thema was mich bereits in diesem Jahr beschäftigt hat und sicher noch stärker in den Fokus treten wird, ist die „Ethik der modernen Landschaftsfotografie“. Als ich vor mehr als 10 Jahren begonnen hab mit Spiegelreflexkameras zu fotografieren, waren Landschaftsfotografen in Deutschland ein relativ überschaubares Grüppchen. Doch gerade in den letzten Jahren ist die Szene massiv gewachsen – in allen Altersgruppen. Was zu positiven und negativen Nebeneffekten führt. Wir sollten uns bewusst sein, dass wir nur Gäste in der Natur sind. Besonders 2016 gab es in den Medien verschiedene Berichte in denen das Konfliktpotenzial von Landschaftsfotografie eine Rolle spielte. Angefangen über das Wildcampen und die Verschmutzung des Naturschutzgebietes rund um den Schrecksee bis hin zur Diskussion rund um das Gewinnerbild eines RedBull Fotowettbewerbs, welches einen Fahrradfahrer auf der Rakotzbrücke zeigte. Immer wieder frage ich mich bei manchen Orten / Motiven ob es eine gute Idee ist, das Bild davon ins Internet zu stellen. Reichweite kann Gutes bewirken aber auch negative Folgen haben. 2014 war mir das bei der Brücke (bzw. Nicht-Brücke, da sie eben nicht zum betreten gedacht ist) nicht bewusst. Heute würde ich ein derartiges Bild vermutlich mit mehr Zusatzinformationen online stellen. Der virtuelle Erfolg in Form von Klicks, Likes oder auch barer Münze darf nicht über dem verträglichen Umgang mit Natur und historischen Orten stehen. Eine genaue Strategie wie man das Bewusstsein dafür stärken kann hab ich leider noch nicht gefunden. Aber ich bin mir sicher, dass es wichtig ist eine Art Arbeitskodex zu finden, um uns die derzeitgen großartigen Möglichkeiten in der Landschaftsfotografie zu erhalten. Sich über Grundstücksgrenzen, Naturschutzregeln, Flugverbotszonen für Drohnen etc. hinwegsetzen wird langfristig dazu führen, dass unser gesamter Stand in Misskredit gerät und die Bewegungsfreiheit möglicherweise stärker eingeschränkt wird. Ich bin mir sicher, dass auch dieses Jahr wieder Meldungen rund um die boomende Landschaftsfotografie in den Medien präsent sein werden. Die Qualität dieser Meldungen können wir selbst beeinflussen. Daher ist es eines meiner Ziele die Sensibilität für dieses Thema zu erhöhen.

Website: www.kilianschoenberger.de

Tobias Richter

Tobias Richter

Tobias Richter

Wie geplant gab es bei mir 2016 reisetechnisch eine Mischung aus eher unbekannten Orten und Standardzielen in Mitteleuropa. Ich war vermehrt in Deutschland unterwegs und konnte einige mir neue Landschaften entdecken. Meist nicht ganz so spektakulär aber mit den richtigen Bedingungen trotzdem sehr reizvoll. Überall hat es noch nicht ganz gepasst und ich hoffe ich kann diese Bildideen in diesem Jahr noch umsetzen.

In den Alpen hatte ich endlich einmal stabiles Wetter um im Triglav Nationalpark einige lang geplante Gipfel zu besteigen, was sicher zu meinen Highlights des vergangen Jahres zählt.

Auf die höheren Mehrtagestouren in der Schweiz und Frankreich habe ich meist leider verzichtet, da ich allein unterwegs war. Ich hoffe 2017 in diese Richtung noch etwas umsetzen zu können. Reisen in diese Regionen sind auf jeden Fall wieder geplant.

Der letzte Sommer in den Alpen war sehr idyllisch, was zwar eine hohe Ausbeute beschert hat und sich sicher gut verkaufen lässt, nicht desto trotz würde ich mir für 2017 an der ein oder anderen Stelle noch ein bisschen dramatischere Bedingungen wünschen. Allgemein habe ich mir in diesem Jahr vorgenommen auch bei unsicherer Wetterlage Touren zu starten um noch mehr einzigartige Stimmungen fotografieren zu können, auch mit der Gefahr, dass es am Ende keine Bilder gibt.

Stilistisch denke ich nach wie vor, dass die Suche nach solchen Bedingungen und die Planung der Aufnahme Hauptbestandteile eines guten Fotos sind. In meinen Augen über komponierte Bilder oder gar später eingefügte Effekte reizen mich nicht und ich hoffe ich kann auch so spektakuläre Aufnahmen erzielen.

Meine neue Website ist leider noch nicht fertig geworden und so ist dies ein Hauptziel für die nächsten Monate.

Natürlich wird es auch eine Fortsetzung meiner Kalender geben und ich werde den Eigenverlag noch etwas ausbauen.

Website: richterphotographie.de


Sind diese Ziele ähnlich wie das was du dir vorgenommen hast? Hast du vielleicht auch die ein oder andere Inspiration mitgenommen? Schreib mir in den Kommentaren!

2 Kommentare

  1. Nutzer Avatar

    Das was Kilian schreibt, kann ich nur unterstreichen. Ich sehe so viele Landschafts- und Naturbilder im Netz, bei denen ich weiß, das sie dort nicht reingehen oder so gemacht werden dürfen. Aber es wird für ein Foto (besser gesagt für die Klicks) alles gemacht. Und das diese Bilder dann eine hohe mediale Aufmerksamkeit erreichen, und für toll erklärt werden ohne das jemand mal sagt, „he das geht so nicht“ finde ich sehr schade. Das wiederum führt aber dazu, das man an manchen Orten gar nicht mehr fotografieren oder sie sogar betreten darf. Ich kenne einige Orte, die in den 90er Jahren ein Geheimtipp, etwas Besonderes waren. Heute sind diese Orte von Zäunen umgeben, es wird kassiert an Parkplätzen und Eintrittsgeldern, überall liegt Müll rum. Es ist schade, was mit unserer Natur passiert und unsere Fotos haben einen Maßgeblichen Anteil an dieser Veränderung….

    • Nutzer Avatar

      Das stimmt definitiv und ich finde es gut, dass Kilian darauf aufmerksam macht. Um aber mehr Menschen zu erreichen, müssen aber auch noch mehr Fotografen daran mitarbeiten. Vielleicht wäre es sogar sinnvoll, dazu eine gemeinsame Fotoaktion zu starten, um die Zerstörung zu dokumentieren…

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