Crop oder Vollformat – Ein aktueller Vergleich

Lohnt es sich, in eine Vollformatkamera samt Objektiven zu investieren? Ich stelle einen aktuellen Vergleich bezüglich der Schärfe an.

Einer meiner meistgelesenen Artikel ist “Wieso ich vom Vollformat wieder zur Crop Kamera gewechselt bin”. In diesem Beitrag erzähle ich die Geschichte, wie ich von einer Cropkamera zu einer Vollformatkamera und wieder zurück gewechselt bin. Es ist nicht nur ein viel gelesener Artikel, sondern er wird auch immer noch unheimlich viel kommentiert. 90 % der Seite machen die 123 Kommentare aus.

Den Artikel habe ich etwa 2015 verfasst. Kürzlich habe ich mit der Sony A7 III eine aktuelle Vollformatkamera getestet. Meine derzeitige Hauptkamera ist die Canon EOS 77D. Da lag es natürlich nahe, beide Kameras besonders hinsichtlich der Bildqualität miteinander zu vergleichen.

Crop oder Vollformat - Ein aktueller Vergleich

Crop oder Vollformat – Ein aktueller Vergleich

Das Test-Setup

Ich fand den Test auch deshalb spannend, weil beide Kameras mit der gleichen Auflösung daherkommen. Aus den 24 Megapixel Sensoren kommen Bilder in 6000 x 4000 Pixeln heraus. Somit lassen sich die Bilder direkt miteinander vergleichen.

Da ich in der Landschafts- und Architekturfotografie zuhause bin, ist mein meistgenutztes Objektiv ein Weitwinkel. Dementsprechend interessiert mich auch primär, wie beide Kameras im Weitwinkelbereich gegeneinander abschneiden. Entsprechend habe ich die Objektive gewählt.

Beide Kameras repräsentieren den aktuellen Stand der Entwicklung im jeweiligen Bereich. Wenn du mehr zu den Kameras und Objektiven erfahren willst, wirst du hier fündig:

Sowohl das Canon EF-S 10-22mm als auch das Sony FE 16-35 mm F4 sind gute Linsen, sofern man beim Canon Objektiv ein gutes Exemplar erwischt.

Welche Einstellungen habe ich gewählt?

Die Testbilder sind mit Blende 8 aufgenommen und im RAW Format fotografiert. Ich habe die Aufnahmen vom Stativ aus mit Spiegelvorauslösung gemacht, um Verwackler zu vermeiden. Ich habe darauf geachtet, dass die Belichtung beider Kameras gleich ist, da ja beide Messsysteme voneinander abweichen können.

Für den Vergleich habe ich als erstes Bilder mit 10 mm am Crop gegen 16 mm am Vollformat aufgenommen. Als Zweites habe ich dann Bilder mit 22 mm am Crop und 35 mm am Vollformat gemacht.

Nach der Aufnahme habe ich die Bilder in Adobe Camera RAW entwickelt. Dort habe ich die Objektivprofilkorrekturen auf “automatisch” aktiviert. Ebenso habe ich den Weißabgleich und die Entwicklungseinstellungen auf automatisch gesetzt.

Der Vergleich

Für mich ist das primäre Kriterium hier die Schärfe. Ist die Bildqualität einer Vollformatkamera deutlich besser? Dazu habe ich mir die 100 % Ansichten der Bilder beider Kameras in Photoshop nebeneinander gelegt. Links ist immer die Cropkamera zu sehen, während sich auf der rechten Seite die Vollformatkamera findet.

Vergleich Zentrum 10/16 mm

Crop/Vollformat Vergleich bei 10/16 mm - Zentrum 1

Crop/Vollformat Vergleich bei 10/16 mm – Zentrum 1

Crop/Vollformat Vergleich bei 10/16 mm - Zentrum 2

Crop/Vollformat Vergleich bei 10/16 mm – Zentrum 2

Vergleich Ecken 10/16 mm

Crop/Vollformat Vergleich bei 10/16 mm - Ecke 1

Crop/Vollformat Vergleich bei 10/16 mm – Ecke 1

Crop/Vollformat Vergleich bei 10/16 mm - Ecke 2

Crop/Vollformat Vergleich bei 10/16 mm – Ecke 2

Vergleich Zentrum 22/35 mm

Crop/Vollformat Vergleich bei 22/35 mm - Zentrum

Crop/Vollformat Vergleich bei 22/35 mm – Zentrum

Vergleich Ecke 22/35 mm

Crop/Vollformat Vergleich bei 22/35 mm - Ecke

Crop/Vollformat Vergleich bei 22/35 mm – Ecke

Mein persönliches Fazit

Das Resultat ist sehr spannend. Im Bereich von 10/16 mm im Zentrum finde ich den Unterschied nicht signifikant. Das überrascht mich erst einmal nicht so sehr. Interessanter finde ich, dass auch die Ecken der Cropkamera mithalten können. Bei 22/35 mm sieht man einen deutlicheren Unterschied, besonders in der Ecke.

Was leite ich am Ende daraus ab? Der Unterschied zwischen Crop- und Vollformatkamera ist bezüglich der Schärfe kleiner als angenommen. Hier kommt wieder die alte Foren-Weisheit durch: Wichtiger ist, dass man gute Objektive einsetzt. Natürlich gibt es noch weitere Aspekte wie Rauschverhalten und Tiefenschärfe/Bokeh. Für mich als Landschaftsfotograf macht es jedoch keinen großen Unterschied.

Was sagst du zu diesem Vergleich? Rechtfertigt der Schärfeunterschied für dich die Mehrinvestition? Schreib mir in den Kommentaren!

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21 Kommentare

  1. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,
    sehr spannender und hilfreicher Beitrag. Ich überlege mir zurzeit von Vollformat wieder zurück auf Crop zu wechseln. Da kam dein Beitrag gerade richtig.

    Spannend finde ich das letzte Beispiel mit den Ecken. Persönlich sehe ich da schon ein sehr deutlicher Unterschied in der Quali (beim Stein sehr gut sichtbar) zugunsten der Vollformat. Würde mich interessieren wie der Test mit Blende 4 („Allerweltsblende“) herausgekommen wäre.

    Meine Subjektive Meinung: wer die Bilder sowieso nur digital verwendet, sollte auf Vollformat verzichten. Was denkst du?

  2. Nutzer Avatar

    Crop-Format hat den Vorteil, dass die über das Objektiv abzudeckende Fläche eben deutlich geringer ist als beim Vollformat. Daher ist es deutlich anspruchsvoller Vollformatobjektive zu bauen, die bis in den Randbereich hin scharf abbilden. Ein 18-35 mm 1.8 Sigma Art für Vollformat wäre vom Glas her ein extremes Schwergewicht …
    Vollformat hat seine Stärken beim geringeren Rauschen bei höheren ISOs, und in der besseren Freistellung. Nachteile sind die meist höhere Vignettierung und der für Sport- oder Tieraufnahmen geringere Crop/Brennweitenfaktor. Kommt also wie immer darauf an, was bevorzugt vor die Linse kommt. In der dunklen Kirche bei der Hochzeit würde ich nur ungern auf Vollformat-Sensoren verzichten …

  3. Nutzer Avatar

    Ich finds sehr cool, denn auch bei mir kommt das Thema oft auf den Tisch. Ich hätte nicht gedacht, dass es tatsächlich solche geringen Unterschiede in der Schärfe gibt. Bis jetzt habe ich mich immer gegen eine Vollformat entschieden, da ich sonst fast den gesamten Objektivfuhrpark erneuern müsste, um wirklich alles aus der Kamera rauszuholen. Und ob das Sinn macht, wenn es nur ein Hobby ist, möchte ich bezweifeln ;o)

  4. Nutzer Avatar

    Die Aufnahmen bei Tageslicht sind meistens alle sehr gut. Die Unterschiede warden ab der blauen Stunde bis nachts bei der Verwendung zwischen 1600 – 6400 ISO sichtbar. Da sieht man ihn dann schon ab DIN A3 oder A2 Format.
    Hamburger Hafenfest z.B. Durch zahlreiche Gäste,Schiffe, Stegbewegungen und fließendendes Wasser sind kurze Belichtungszeiten, sprich hohe ISOs ein Muß.

  5. Nutzer Avatar

    Da ich größtenteils wild lebende Tiere fotografiere, passt für mich eine Kamera mit Cropfaktor besser. Bei Porträt- und Landschaftsfotografen sieht das vermutlich bei den meisten anders aus, da würde ich auf Vollformat Kameras setzen.

  6. Nutzer Avatar

    Naja…ich denke dass man so das generell nicht vergleichen kann, sondern es auch immer auf die einzelnen Kameras und die Serienstreuung drauf ankommt… bzw. wie gut die Objektive mit der Kamera harmonieren.

    Ich habe eine Fuji X-T2 und X-T20 und zuvor eine Canon 5D III und 6D und verglichen bzw. gegen die 5D III eines Freundes verglichen.

    Die Fuji-Bilder waren OOC überall schärfer als die Bilder der Canons. Die Bilder der 6D waren dagegen schärfer als die der beiden 5D III. Verglichen dabei, hab ich Fuji 23/1,4 gegen Sigma 35/1,4 Art, dem Fuji 56/1,2 gegenüber dem Canon 85/1,8 und das Fuji 90/2 gegen das Canon 135/2 L.

  7. Nutzer Avatar

    Hi, ist der Beitrag der Versuch, sich davon abzuhalten, wieder auf Vollformat zu wechseln? Der Fuchs aus Äsops Fabel fand die Trauben auch sauer. 🙂

  8. Nutzer Avatar

    Ich verstehe die Gründe wieso Du diesen Test gemacht hast. Letztendlich hast Du aber Äpfel mit Birnen verglichen, da einige Parameter nicht der Äquivalenz entsprechen und Ergebnisse durch die Kombination Kamera/Objektiv beeinflusst sind.
    Die Unterschiede zwischen Vollformat und APS-C sind gering und treten deutlich seltener in der Praxis auf, als gerne behauptet wird und damit stimme ich Deinem Fazit zu.
    Letztendlich sucht man sich einfach den passenden Test, um damit seine Philosophie belegen zu können, damit leistet auch dieser Blog seinen Beitrag.

  9. Nutzer Avatar
    Jürgen Blenk

    Das sieht mir ein wenig zu sehr nach Pixelpeeperei aus.
    Realistisch ist doch eine andere „Versuchsanordnung“: Alle Vergleichbilder im Format 40×60 oder größer nebeneinander an die Wand. Und dann einen realistischen Betrachtungsabstand einhalten! Ich behaupte: niemand bemerkt einen Unterschied. – Ich bin einen ganz anderen Weg gegangen: ich bin auf MFT „abgestiegen“ und habe es nicht bereut. Und wenn´s für große Formate z.B. 60×90 etwas eng werden sollte, dann rechne ich mit AI Gigapixel hoch.

  10. Nutzer Avatar

    Hallo zusammen,
    interessante Diskussion! Der Vergleich ist sicher schwierig und die Ergebnisse diskutabel. Ich habe vor kurzem meine A6500 mit der A7III getauscht. Die A6500(Crop 1:1,5) ist schon toll, aber die A7III überzeugt. Die Vorteile sind neben dem besseren Dynamikumfang das reduzierte Rauschverhalten. Das Bokeh ist weicher . Der Crop-Vorteil liegt sicher im Telebereich, der jedem Teleobjektiv 1,5 x „schenkt“. Im Makrobereich ist dafür bei der APS-C Kamera der Schärfentiefe-Bereich so klein, dass kleine Blenden wiederum Beugungsunschärfen generieren können.
    Schärfe ist meiner Meinung nach nicht gleich Auflösung. Die Schärfe wird eher durch das Objektiv bestimmt.
    Die A6500 ist definitiv eine leichte, kleine Hochleistungskamera mit allen Feature, die gut geeignet fürs Bergwandern/ klettern ist.
    Grüße Stefan

  11. Nutzer Avatar

    Guten Morgen,

    mich belustigen diese Vergleiche, bestenfalls. Es ist unfair und, wie ich meine, diletantisch, das Canon EF-S 10-18/finster mit einem 16-35/4 zu vergleichen.
    Schraub` mal ein 50/1.4 oder 1.8 an die Canon und ein 85/1.4 an die Sony. Einen Schärfeunterschied wird es geben, der jedoch gering ausfallen wird.
    Positiv bemerke ich, daß Du wenigsten Zoomgläser verglichen hast.
    Die alte Weiheit: gute Gläser verwenden, Flaschenböden haben auf einer Kamera nix verloren. Dazu wäre es gut, eine nicht zu alte Kamera zu verwenden. Die Technik, sowie das Sensoralter beeinflußen das Bild.
    Gut Licht

  12. Nutzer Avatar

    Hi, Matthias schöner Beitrag der auf jeden Fall zum diskutieren anregt😜.
    Ich denke schärfetechnisch ist es egal ob APS-C oder Vollformat, beim Detailreichtum geht das schon sehr auseinander. Beim Vollformat wird das immer besser sein, ob nun 18..20…24 oder 30 Mega-Pixel. Ist ja logisch, ist ja mehr Platz vorhanden(auf den Sensor bezogen).Aber wie gesagt was die Schärfe betrifft sollte es keine Unterschiede geben, denn die wird ja durch die Optik bestimmt…ergo abhängig von der Qualität des Objektives. Und da wären wir schon bei deinem Vergleich der beiden Kameras. Du hast um den selben Bildausschnitt zu erreichen (APS-C/ KB)
    verschiedene Brennweiten genutzt. Der Unterschied der Schärfe 10 zu 16 mm im Randbereich ist deshalb nicht so gravierend, weil es beide extreme Weitwinkel sind . Bei 22 zu 35 mm ist der Unterschied da schon viel größer. 35 mm sind schon fast Normalbrennweite und 22 mm liegt immer noch im starken Weitwinkel. Und gerade bei Weitwinkelobjektiven ist die Schärfe im Randbereich nicht besonders gut, besonders im Vergleich zu Normalbrennweite oder Telebrennweiten. Ich denke wenn du das EF 16-35/ f4 Is USM für die Canon genutzt hättest, wäre kein Unterschied sichtbar gewesen, …im Schärfebereich.

    Ansonsten denke ich habe beide Systeme ihr Vor- und Nachteile…es kommt ja immer darauf an , was ich als Fotograf erreichen möchte. Es ist wie vieles Geschmackssache😜🤙🏼😎

  13. Nutzer Avatar
    Frank-Peter Reich

    Leider kann man das Fazit nicht richtig lesen,
    weil von rechts eine Werbung reinblobt !

  14. Nutzer Avatar

    Ich finde den Unterschied zwischen Crop und Vollformat nicht so groß, dass ich zur Zeit auf Vollformat wechseln würde. Man muss immer bedenken , wie man die Fotos verwendet. Wenn man keine großen Drucke benötigt, finde ich Crop sehr gut und die Mehrausgaben z. Zt. nicht notwendig.

  15. Nutzer Avatar

    Es überrascht mich nicht, dass 24 MP die gleiche Schärfe aufweisen, wenn der Sensor nicht unverhältnismäßig kleiner ist, wie z. B. bei einem Smartphone. Die für mich deutlich sichtbaren Unterschiede an den Rändern können auch vom Objektiv kommen.
    Relevanter für mich wäre das Rauschverhalten und generell die Eignung für Nacht/Astro. Da bin ich mir recht sicher, dass die A7 III hier überlegen ist, gerade wegen ihrer „nur“ 24 MP.

  16. Nutzer Avatar

    Wem es nur auf die sog. Schärfe (= Auflösung) ankommt: Vollformat mit >36MP schlägt jede APS-C Kamera mit max. 24 MP, vorausgesetzt es werden gute Objektive verwendet. Die Bilddatei enthält mehr Details, und muss beim Vergrössern weniger stark aufgeblasen werden. Bei normalen Vergr.massstäben fällt der Unterschied allerdings kaum ins Gewicht.

    Aber für mich liegt der Vorteil von Vollformat vor allem in den grösseren gestalterischen Möglichkeiten (Freistellung), der meist grösseren Farbtiefe und der höheren Dynamik, sowie dem bessern Signal-Rausch-Verhältnis.

    Im Ergebnis sind die Farbverläufe harmonischer, und die Tonwertpalette ist reicher, Farb- und Helligkeitsschattierungen werden differenzierter wiedergegeben.

    Deshalb kommt für mich nur noch Vollformat in Frage (aktuell die Sony A7rIII).

  17. Nutzer Avatar

    Wenn es rein um die Schärfe geht, sind am Vollformat die 40-50 MP Sensoren der wirkliche Vorteil. Damit bekommt man dann wirklich einiges mehr an Details aufs Bild.

    24MP mit 24MP zu vergleichen macht zwar irgendwie Sinn aber ein Vorteil vom Vollformat ist aber eben auch die höhere mögliche Auflösung.

    Trotzdem eine spannender vergleich. Hätte nicht gedacht, dass beide fast gleich auf liegen. Zumal die Sony mit dem teureren 16-35 Objektiv schon einen kleinen Vorteil hat.

    • Nutzer Avatar
      Wulf Kruempelmann

      hallo,
      hier sollte man aber berücksichtigen, dass die allermeisten Objektive diese sehr hohe Auflösung optisch nicht erreichen. Ebenso wie die 24MP bei mft optisch nur sehr selten erreicht werden, bei noch kleineren Formaten gar nicht.

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