Canon EOS 77D Test

Seit gut 2 Monaten fotografiere ich mit einer neuen Hauptkamera. Was ich von ihr halte, erfährst du in meinem Canon EOS 77D Test!

Canon EOS 77D Test

Canon EOS 77D Test

Meine Vorgeschichte – Wechsel von der 700D

Meine Genres sind die Landschafts- und Architekturfotografie. Ich fotografiere seit 2005. Begonnen habe ich mit einer Canon EOS 300D mit 6 Megapixeln, danach folgten 450D, 5D, 700D und nun eben die Canon EOS 77D. Ich bin sehr an das Canon Bedienkonzept gewöhnt. Das merke ich immer dann, wenn ich mal mit anderen Kameras fotografiere und je nach Kamera dann merklich länger brauche, um die entsprechenden Einstellungen zu finden.

Wieso wollte ich eine neue Kamera?

Mit der Canon EOS 700D habe ich etwa 5 Jahre fotografiert. Sie war für mich ein solides Arbeitstier, an dem ich besonders das Klappdisplay zu schätzen gelernt habe. In den letzten Jahren hat sich aber in der Kameraentwicklung schon einiges getan. Megapixel sind dabei für mich nicht ausschlaggebend. Wichtiger sind Handling, Rauschverhalten und insbesondere Dynamikumfang. Hier hat Canon in den letzten Jahren einen kleinen Winterschlaf gehalten, deshalb habe ich immer auf gewisse Sony Kameras rüber geschielt.

Ein Wechsel zu Sony würde für mich jedoch einen kompletten Systemwechsel bedeuten. Ich müsste also meine Objektive ersetzen, da ich nicht mit Objektivadapter arbeiten möchte. Damit wären die Kosten schnell im mittleren vierstelligen Bereich, wenn nicht noch mehr. Glücklicherweise hat Canon mittlerweile etwas nachgezogen und Kameras mit Sensoren auf den Markt gebracht, deren Dynamikumfang besser als vorher ist.

Oberseite der 77D

Oberseite der 77D

Ich denke, dass die 77D meine letzte Spiegelreflexkamera sein wird. Systemkameras überholen gerade die Spiegelreflexkameras und haben in Sachen Größe, Gewicht und Sucher vielerlei Vorteile. Da ich aber eben eine bestehende Ausrüstung habe und die Wechselkosten wie beschrieben immens sind, habe ich noch einmal eine Spiegelreflexkamera gekauft.

Entscheidung zwischen 200D, 77D und 80D im Media Markt

Ich wusste also, dass ich bei Canon Cropkameras bleiben will, denn ich habe schon meine Erfahrungen mit Vollformatkameras wie der 5D gemacht und weiß, dass ich die aktuell nicht brauche. Der logische Schritt wäre nun eine 800D gewesen.

Ich wollte die neue Kamera auf jeden Fall vorher in die Hand nehmen, da mir die Haptik wichtig ist. Im Media Markt in Dessau waren 200D, 77D und 80D vorrätig. All diese Kameras wären für mich grundsätzlich in Frage gekommen. Eine 800D gab es nicht, laut Verkäufer werden bestimmte Canon Modelle nur noch direkt über Fachhändler verkauft.

Im Vergleich zur 800D hat die 77D ein Schulterdisplay und ein Daumenrad. Der erleichtert die Bedienung etwas und besonders das Daumenrad ist etwas, was viele Canon Nutzer nach dem Upgrade auf eine Zweistellige nicht mehr missen möchten. Der Aufpreis zwischen 77D und 800D beträgt etwa 100 Euro. Die meisten Tests, die ich vorher gelesen hatte, sagten, dass sich dieser Aufpreis lohnt.

Daumenrad der 77D

Daumenrad der 77D

Zurück zum Media Markt. Die 200D ist eine gute Kamera, allerdings war sie für meine großen Hände zu klein. Also lag die Entscheidung zwischen 77D und 80D. Die 80D ist noch ein Stück größer, also für meine großen Hände auch besser geeignet. Allerdings ist sie auch ein Ende schwerer wegen des Magnesium Bodys. Auf Wanderungen ist das nicht so angenehm. Was mir sofort auffiel, als ich die 77D in die Hand nahm, war der veränderte Griff im Vergleich zu meiner 700D. Dieser ist nämlich ein Stückchen tiefer als vorher. Dadurch greift sich die Kamera viel besser.

Was für mich aber der ausschlaggebende Punkt war, wieso ich mich statt der 80D für die 77D entschieden habe, war das Daumenrad. Das geht bei der 77D sehr angenehm und präzise. Bei der 80D fühlte es sich dagegen sehr ‚plastic‘ an. Ich weiß, dass das eine ungenaue und subjektive Beschreibung ist, aber ‚plastic‘ trifft es einfach am besten. Das Rad der 80D macht einen viel gröberen Eindruck und das “Klicken” geht wesentlich schwerer. Das Rad der 77D macht dagegen einen feineren und präziseren Eindruck.

Der Sucher der 77D ist ein Stückchen kleiner als der der 80D. Da ich aber viel vom Stativ aus und deshalb mit dem Bildschirm arbeite, wiegt dieser Punkt nicht so schwer für mich. In Summe waren also Gewicht und Daumenrad die beiden wichtigsten Unterschiede, wieso ich mich für die 77D entschieden habe.

Das neue 18-55mm Kitobjektiv

Das neue EF-S 18-55mm F/4-5.6 IS STM ist besonders um die 50 mm noch etwas schärfer als das vorherige EF-S 18-55mm F/3.5-5.6 IS STM. Das macht dann einen Unterschied, wenn du nur ein Objektiv aus diesem Brennweitenbereich mitnehmen möchtest. Natürlich ist ein 50mm 1.8 STM noch einmal schärfer, aber der Unterschied ist nicht mehr so groß.

Das neue EF-S 18-55mm 1:4-5.6 IS STM Kitobjektiv

Das neue EF-S 18-55mm 1:4-5.6 IS STM Kitobjektiv

Nach den ersten Wochen mit der 77D und dem neuen Kitobjektiv habe ich gemerkt, dass mein Exemplar links oben zwischen 18 und 35 mm nicht ganz scharf war. Ich vermute eine Dezentrierung oder ähnliches. Wir sprechen aber hier von Jammern auf hohem Niveau. Insgesamt ist das Objektiv schon ordentlich scharf. Es ist zudem etwas kompakter als sein Vorgänger.

Haptik dank Griff, Daumenrad und Schulterdisplay verbessert

Wie ich schon zu Beginn schrieb: Die 77D greift sich wesentlich besser als die 700D. Der Griff ist etwas tiefer und dadurch habe ich diesen Kamerateil mit meiner rechten Hand mehr umschlossen. Sehr interessant, was eine solch kleine Veränderung von 3 mm mehr Tiefe ausmacht.

An das Daumenrad gewöhne ich mich langsam. Die Bedienung ist etwas schneller damit, allerdings hatte ich auch mit meiner “alten” 700D nicht das Gefühl, dass ich damit langsam war.

Auf dem Schulterdisplay sind die wichtigstens Infos ablesbar

Auf dem Schulterdisplay sind die wichtigsten Infos ablesbar

Umso schneller habe ich mich an das Schulterdisplay gewöhnt. Hier hat man die wichtigsten Einstellungen schnell auf einen Blick. Wenn ich aus der Hand fotografiere, schaue ich öfter auf das Schulterdisplay, vom Stativ aus nutze ich mehr das Hauptdisplay.

Einer der Hauptgründe für mich: mehr Dynamikumfang

Nun zum wichtigsten Wechselargument für mich – der Dynamikumfang. In der Landschaftsfotografie spielt der Dynamikumfang einer Kamera eine entscheidende Rolle. Gemeint ist damit, innerhalb welchen Bereiches eine Kamera Details in den hellsten und dunkelsten Bildbereichen aufzeichnen kann. Ist ein Teil des Bildes unterbelichtet, sind die dunklen Stellen einfach nur Schwarz. Ist ein Teil überbelichtet, sind diese Stellen nur noch weiß. Eine Kamera mit gutem Dynamikumfang zeigt bei einer korrekten Belichtung in allen Bildbereichen Details. Das ist natürlich vom Motiv und der Lichtsituation abhängig.

77D vs 700D Vergleich von DxOMark

77D vs 700D Vergleich von DxOMark

Der Dynamikumfang wird in Blendenstufen angegeben. Meine 700D hatte 11.2 Blenden Dynamikumfang, die 77D hat 13.3 (siehe DxOMark). Das sind mehr als zwei volle Blenden zusätzlich. Das habe ich beim Fotografieren schon sehr stark gemerkt. Szenen, von denen ich mit der 700D wusste, dass ich diese nicht mit einer einzelnen Belichtung aufnehmen kann, sind oftmals mit der EOS 77D problemlos machbar.

Beeindruckend: akkurate Belichtungsmessung

Einen guten Teil zu diesem positiven Aspekt trägt auch die akkurate Belichtungsmessung bei. Diese arbeitet meines Erachtens nach viel präziser als die der 700D. Ich habe das Gefühl, dass die Kamera für Szenen, wo es machbar ist, so etwas wie expose to the right anwendet. Im Zusammenspiel mit dem größeren Dynamikumfang bekomme ich so oftmals mit der Zeitautomatik AV exakt die Belichtung, an die ich mich sonst halbmanuell mit der 700D herantasten musste. Von dieser neuen Belichtungsmessung bin ich sehr beeindruckt.

Ein zweischneidiges Schwert: die Suchergröße

Der Sucher ist von der Größe her fast genauso wie der meiner 700D. Auch die Einblendungen stimmen überein, bis auf, dass es jetzt eine sehr genaue Wasserwaage im Sucher gibt. Diese ist wirklich hilfreich.

Ich fotografiere neben meinen Canon EOS Kameras auch mit einer Fujifilm X100F. Nachdem ich in den Alpen eine Woche lang mit der 77D fotografiert habe, habe ich für eine Reise nach Mallorca nur die X100F mitgenommen. Der elektronische Sucher der Fuji ist gegen den der 77D eine riesige Leinwand. Ich denke, dass der X100F Sucher mindestens die gleiche Größe wie ein Vollformatsucher hat, eher noch größer. Dagegen ist der Sucher der 77D verhältnismäßig klein. Versteh mich nicht falsch – ich habe jahrelang mit diesen Canon EOS Crop-Suchern fotografiert. Sie funktionieren tadellos. Die Größe ist eben an ein Spiegelreflexsystem und das dazugehörige Prisma gekoppelt. Da sind eben bei Systemkameras ganz andere Größen im elektronischen Sucher möglich. Mein letztes Wort zum Sucher – er macht was er soll, aber es geht heutzutage größer.

So sieht der Sucher der 77D aus

So sieht der Sucher der 77D aus

Treffsicherer Autofokus

Bei meiner 700D habe ich oftmals nur den mittleren Fokuspunkt genutzt, weil ich wusste, dass der am treffsichersten ist. Bei der 77D nutze ich alle Fokuspunkte und hatte bisher noch kein Bild, bei dem der Fokus nicht getroffen hat. Ich fotografiere allerdings auch hauptsächlich statische Motive.

Display und Bedienung: solide

Das Display ist scharf und lässt sich in fast allen Lichtsituationen gut ablesen. Mittlerweile weiß ich auch zu schätzen, wie gut und durchdacht sich Canon EOS Kameras bedienen lassen. Früher war das irgendwie selbstverständlich. Seitdem ich andere Kameras genutzt habe, weiß ich, wie gut Canon in diesem Bereich ist.

Canon EOS 77D Rückseite mit Hauptdisplay

Canon EOS 77D Rückseite mit Hauptdisplay

Was ich weiterhin, genau wie an der 700D, sehr mag, ist das schwenk- und neigbare Klappdisplay. Besonders bei Aufnahmen vom Stativ aus im Hochformat lässt sich das Display immer noch gut ablesen. Selbst bei vielen neueren Kameras ist das Display nicht schwenkbar.

Das Klappdisplay der 77D lässt sich schwenken und neigen

Das Klappdisplay der 77D lässt sich schwenken und neigen

Flotte Geschwindigkeit

Kombiniert mit einer schnellen Speicherkarte hatte ich keinen Moment, in dem ich auf die Kamera warten musste. Die Bedienung im Menü geht flott, genauso wie das Speichern.

Batterieverbrauch – Canon gewohnt gut

Nach dem Fotografieren mit Sony und Fujifilm weiß ich den Batterieverbrauch und die dazugehörige Anzeige bei Canon zu schätzen. Wenn der Akkustand voll zeigt, dann ist der Akku auch so gut wie voll. Ein Akku hält bei mir während einer Fototour in der Regel mehrere Tage, ich würde sagen 2-3. Unter günstigen Bedingungen kann ich mit meinen zwei zusätzlichen Ersatzakkus eine Woche fotografieren.

Fazit zu meinem Canon EOS 77D Test

Nach mehreren Wochen fotografieren und Fototouren durch die Alpen und am Mittelmeer bin ich sehr zufrieden mit der Canon EOS 77D. Ich denke, dass der Wechsel von der 700D es wert war. Gründe dafür sind das bessere Handling, der größere Dynamikumfang und die präzisere Belichtungsmessung. Nur der Sucher könnte etwas größer sein.

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2 Kommentare

  1. Nutzer Avatar
    Bernd C. Müller

    Wenn man schon die DXO Mark Sensorcharts bemüht, dann bin ich immer froh, dass ich mich 2010 für Nikon entschieden habe. Gerade im Dynamikbereich, welcher speziell für Landschaftsfotografie ja sehr wichtig ist, sind deren Kameras ja schon eine Klasse für sich:
    https://www.dxomark.com/cameras/brand-canon-nikon-sony/launched-between-2002-and-2018/launch_price-from-0-to-45200-usd/sensor_format-sensor_apsc/sensor_type-entryleveldslr-semiprodslr#hideAdvancedOptions=false&viewMode=list&yDataType=rankDxo
    Man muß schon etwas weiter scrollen, bis die erste Canon Kamera kommt. 😉

    • Nutzer Avatar

      Hallo Bernd,

      auf die Charts habe ich auch regelmäßig ein Auge. Immerhin ist Canon da etwas besser geworden, aber zu Nikon und Sony hin ist immer noch 1,5 Blenden platz.

      Liebe Grüße,

      Matthias

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