Buchempfehlung: Bruce Barnbaum – Die Kunst der Fotografie

Wer einen Blick in meine Empfehlungen wirft, wird dort nicht viele Bücher finden. Ich finde, dass es nur wenige Bücher über Fotografie gibt, die sich wirklich lohnen. Das liegt besonders daran, dass viele einfach nur die Technik beschreiben und damit eben nur an der Oberfläche der Fotografie bleiben. Kürzlich habe ich ein Buch gelesen, was viel tiefgehender ist. Darüber möchte ich heute berichten.

Der Weg zum eigenen fotografischen Ausdruck

Der Titel des Buches lautet zwar “Die Kunst der Fotografie”, doch empfinde ich den Untertitel “Der Weg zum eigenen fotografischen Ausdruck” als viel passender. Selten hat mich ein Buch über Fotografie so zum Nachdenken angeregt.

Bruce Barnbaum - Die Kunst der Fotografie

Bruce Barnbaum – Die Kunst der Fotografie

Wenn ich Sachbücher lese, nutze ich dabei auch immer ein Notizbuch. Darin schreibe ich die für mich wichtigsten Erkenntnisse auf. Ich bin von Haus aus ein sehr vergesslicher Typ. Das Notizbuch hilft mir, mich an die bedeutenden Punkte aus dem Buch auch ein halbes Jahr später noch zu erinnern.

Normalerweise habe ich dann pro Buch ein bis zwei A6 Seiten Notizen. Bei dem Buch von Bruce Barnbaum habe ich sieben Seiten geschrieben. Schon das zeigt den Gehalt für mich.

Blick ins Buch #1

Blick ins Buch #1

Um was geht es denn nun?

Das Buch hat folgende 18 Kapitel:

  1. Fotografie als Mittel der Kommunikation
  2. Was ist Komposition?
  3. Elemente der Komposition
  4. Visualisierung
  5. Licht
  6. Farben
  7. Filter
  8. Das Zonensystem für Aufnahmen auf Film
  9. Die Steuerung des Kontrasts von Schwarz-Weiß Negativen – Das erweiterte Zonensystem
  10. Der Abzug
  11. Das digitale Zonensystem
  12. Präsentation
  13. Die Zerschlagung fotografischer Mythen
  14. Fotografische Techniken und künstlerische Integrität
  15. Fotografischer Realismus, Abstraktion und Kunst
  16. Gedanken zur Kreativität
  17. Der intuitive Zugang zur Kreativität
  18. In Richtung einer persönlichen Philosophie

Damit ist es eine Mischung aus einem Teil Denken und Fühlen von Fotografie und einem Teil Technik.

Die schlechte Nachricht zuerst: Für digitale Fotografen lohnen sich die Kapitel 8-10 nicht. Für Filmfotografen sind diese Abschnitte dafür sehr bereichernd. Kapitel 11 – „Das digitale Zonensystem“ kann ich deshalb nicht empfehlen, weil man hier merkt, dass Bruce Barnbaum eher Filmfotograf ist. Die Tipps zur digitalen Fotografie fallen daher eher oberflächlich und wenig zeitgemäß aus.

Blick ins Buch #2

Blick ins Buch #2

Deshalb lohnt sich das Buch so sehr

Viel wichtiger sind für mich alle anderen Kapitel des Buches. Bruce Barnbaum stößt an, dass du für dich selbst hinterfragst, wieso du etwas fotografierst. Dass du alle Elemente des Bildes so ausrichtest, dass sie das unterstützen, was du sagen willst.

Blick ins Buch #3

Blick ins Buch #3

Als Beispiel muss ich dabei immer wieder an folgende Aussagen denken: Viele Fotografen fahren heute auf starke Kontraste ab. Sowohl Gesamt- als auch Mikrokontrast. Die Regler werden soweit gedreht, dass das Bild den gewissen Punch bekommt.

Kontrast erzeugt ein dynamischeres Bild. Was jedoch, wenn ich bei der Aufnahme eine friedvolle und ruhige Szene vor mir habe, die ich auch im Bild genauso festhalten will? Ein starker Kontrast bewirkt in der Bildstimmung genau das Gegenteil.

Und so hat Bruce Barnbaum in meinem Kopf angestoßen, dass alle Elemente und Schritte der Nachbearbeitung im Bild auf die Stimmung und die Aussage passen sollten.

Blick ins Buch #4

Blick ins Buch #4

Er berichtet von seinen Erfahrungen mit Bildkomposition, die nicht 0815 sind. Er schreibt über die verschiedenen Schritte der Visualisierung. Er sagt: Mach lieber gar kein Bild als ein Schlechtes. Er beschäftigt sich mit Licht, gibt Einsicht in den bedachten Einsatz von Filtern und gibt viele Anregungen, wie man sich selbst in der Fotografie weiterentwickelt. Wie man selbst den für sich richtigen Weg findet.

Blick ins Buch #5

Blick ins Buch #5

Selbst wenn ich nur meine Aufzeichnungen zu diesem Buch lese, bin ich gleich wieder vollkommen in den Gedanken dazu. Bruce Barnbaum schafft es, nicht seine eigene Sichtweise aufzudrücken, sondern den Leser dahin zu bringen, seinen eigenen Weg zu erkunden. Ich kann dir dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen!

Bruce Barnbaum - Die Kunst der Fotografie - Cover

Bruce Barnbaum – Die Kunst der Fotografie

9 Kommentare

  1. Nutzer Avatar
    Jörg Stappen

    Hallo Matthias,

    vielen Dank für Deinen Tip. Das Buch ist wirklich außergewöhnlich und hat bei mir neue Denkanstöße ausgelöst. So drehe ich z.B. den Kontrast und die Farben runter, wenn es die Komposition erfordert. In gegensätzlichen Fall gibt es natürlich „volles Rohr“. Aber auch die Unterteilung in „Bildstimmung“, die dem ganzen Motiv zugrunde liegt, und „Hauptmotiv“ war mir bisher nicht klar. Einfach lesen :-).

    Viele Grüße
    Jörg

  2. Nutzer Avatar

    Hi Matthias, leider ist das Buch nicht mehr verfügbar 🙁
    Ich wollte Dir dennoch für Deine vielen Tips, die Hilfe, die Mühe die Du Dir machst und Dein Engagement Dein Wissen zu verbreiten danken.
    Höchsten Respekt vor Deiner Aussage „mich macht es glücklich und zufrieden anderen Menschen zu helfen“

  3. Nutzer Avatar

    Danke für die ausführliche Vorstellung des Buches.

    Ich hab es gerade direkt bestellt und bin sehr gespannt. Toller Beitrag.

    Mehr davon! 🙂

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