10 Tipps fĂŒr bessere Bildkomposition in der Fotografie + 12 Übungen + 2 Hacks

Bildkomposition und Bildgestaltung ist ein sehr komplexes Thema. Selbst wenn man die Grundregeln kennt, lernt man in diesem Gebiet nie aus.

Es ist als Fotograf extrem wichtig zu verstehen, wie das menschliche Auge und die visuelle Wahrnehmung funktionieren. Heute möchte ich dir 10 Tipps an die Hand geben, mit denen du schnell bessere Resultate erzielst.

Wie ich Bildkomposition mit einem Eye-Tracking System getestet habe

WĂ€hrend des Studiums habe ich mich in meinem Praxissemester mit Benutzerfreundlichkeit von Software beschĂ€ftigt. Dieses Themengebiet wird auch Usability genannt. FĂŒr ein lokales Unternehmen habe ich getestet, wie oft ein Button in einem E-Mail Newsletter geklickt wird, wenn er unterschiedliche GrĂ¶ĂŸen und Farben hat. Teil dieses Tests war, 15 Leute in das Usability Labor einzuladen, sie den Newsletter lesen zu lassen und eben auch zu klicken. Dabei habe ich mithilfe eines Eye-Tracking Systems den Blickverlauf der Testpersonen nachvollziehen können.

Zu dieser Zeit habe ich bereits fotografiert und fand es natĂŒrlich unglaublich spannend zu wissen, wie Menschen meine Bilder wahrnehmen. Ich habe also den angesetzten Testzeitraum etwas grĂ¶ĂŸer dimensioniert. Nachdem die Testpersonen den Newsletter gelesen hatten, habe ich ihnen noch fĂŒnf Landschaftsfotos von mir gezeigt. Mit dem Eye-Tracking konnte ich genau sehen:

  1. Wohin schauen die Betrachter als Erstes
  2. Wie bewegt sich das Auge ĂŒber das Bild
  3. An welchen Stellen verweilt der Blick
  4. Zwischen welchen Punkten springt der Blick hin und her
  5. Wo driftet der Betrachter aus dem Bild heraus
  6. Wie lange schaut sich der Betrachter das Bild tatsÀchlich an

Durch diesen Test wurde eine Sache, die ich vorher bereits gelesen hatte, noch einmal klar: Mit der richtigen Bildgestaltung kann man einen Betrachter gezielt durch das Bild “lenken”. Wenn man diese Regeln der Wahrnehmung kennt und versteht, kann man sein Bild ganz bewusst gestalten.

Warum Bildkomposition so wichtig ist

Ich habe aus dem Test und aus GesprĂ€chen bei Ausstellungen viele SchlĂŒsse bezĂŒglich Bildkomposition ziehen können. Wie oben beschrieben, handelt sich um ein sehr komplexes Thema. Zugleich ist es fĂŒr mich eines der Themengebiete der Fotografie, welches den grĂ¶ĂŸten Hebel fĂŒr bessere Bilder ausmacht.

Heute möchte ich dir 10 Tipps mit auf den Weg geben, wie du deine Fotos mit einer gezielten Bildkomposition verbesserst:

1. Das Hauptmotiv nicht mittig setzen

Wahrscheinlich ist das die erste Regel, die du jemals gelesen hast, wenn du dich schon einmal mit Bildkomposition befasst hast. OberflĂ€chlich betrachtet habe ich damals gedacht: Das machen KĂŒnstler nur, damit ihr Bilder “anders” aussehen. Aber natĂŒrlich ist das nicht der Grund. Wenn man sein Motiv mittig platziert, kann das Bild schnell langweilig werden. Besser ist es, sein Motiv bewusst außerhalb der Mitte zu platzieren und dadurch dem Betrachter einen Startpunkt fĂŒr seine visuelle Reise durch das Bild zu geben.

Wo kann ich denn mein Motiv sonst platzieren? Zwei gute Grundregeln sind die Drittel-Regel und der goldene Schnitt.

Berchtesgaden 07

FrĂŒhling am Königssee, Nationalpark Berchtesgaden.

2. Das Bild einfach halten und ganz bewusst ausfĂŒllen

Viele angehende Fotografen machen den Fehler, zu viele Dinge im Bild zu zeigen. Erst kĂŒrzlich hat mir meine Mutter einige Urlaubsbilder gezeigt. Die Bilder hatten gute Grundvoraussetzungen: schöne Landschaften, schöne Motive und schönes Licht.

Das Problem war: Auf jedem Bild war zu viel drauf.

Als Erstes sollte man die Dinge durch gezielte Bildkomposition aus dem Bild verbannen, die den Betrachter stören. Einige Beispiele:

  • Eine Hecke, die “zufĂ€llig” mit auf dem Bild war
  • Ein Grashalm, der ins Bild ragt
  • Herumliegender MĂŒll, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht

Das sind die offensichtlich störenden Dinge. Der nÀchste Schritt ist nun, sein Bild so zu gestalten, dass nicht zu viel enthalten ist.

Wie weißt du, wann “zu viel” in einem Bild ist?

Wenn sich von den Elementen im Bild nichts mehr wegnehmen lĂ€sst, weil das Bild sonst nicht mehr funktionieren wĂŒrde.

Es ist ungemein wichtig, sein Bild ganz bewusst zu gestalten. Achte darauf, dass nur die Elemente im Bild sind, die du auch darin haben willst.

Betrachte dein Bild wie eine weiße Leinwand, die du gezielt mit Elementen fĂŒllst.

FĂŒgst du zu viele Elemente hinzu, lenkt das den Betrachter ab. Versuche daher, dein Bild mit so wenig Elementen wie möglich aufzubauen.

Meine Landschaftsbilder sind oft aus drei, maximal vier Elementen aufgebaut.

Noch ein Tipp: Mit Langzeitbelichtungen, beispielsweise mit einem ND Filter, kannst du Wasser und Himmel glĂ€tten, sodass sich deine Bildkomposition wieder in StĂŒck vereinfacht.

Hiddensee, Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Sonnenuntergang am Strand von Neuendorf, Hiddensee, Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

3. Sich auf 2-3 Hauptfarben beschrÀnken

Bildkomposition: KomplementÀrfarben im Farbkreis

KomplementÀrfarben im Farbkreis, danke an Wikimedia Commons Nutzer Golden arms

Farben steuern ganz bewusst unsere Aufmerksamkeit. Werbeplakate setzen diese Steuerung gezielt ein. Rot sticht beispielsweise ins Auge.

Farben sorgen fĂŒr bestimmte Assoziationen. GrĂŒn steht fĂŒr Hoffnung und Natur, Blau fĂŒr Ruhe und KĂ€lte, Rot fĂŒr Gefahr und Energie.

Mit der Vielfalt an Farben, die uns im Alltag umgeben, werden wir gewissermaßen ĂŒberladen. Oft wird suggeriert: bunt = gut. In der Fotografie hilft es, Farben in seinen Bildern nur ganz gezielt einzusetzen. Es gibt einige Schwarz-Weiß Fotografen, die nicht in Farbe fotografieren, weil darin zuviel Informationen versteckt sind. Wie eine zusĂ€tzliche Ebene, in der man denken muss.

Als Grundregel kannst du dir merken: Reduziere dein Bild auf zwei bis drei Hauptfarben. Das kannst du schon bei der Aufnahme berĂŒcksichtigen. Auch bei der Nachbearbeitung kannst du gezielt 2 Hauptfarben verstĂ€rken, wĂ€hrend du den Rest nicht anhebst.

Videokurs – Bildbearbeitung fĂŒr Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop

Videokurs Bildbearbeitung fĂŒr Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop

Möchtest du mehr darĂŒber lernen, wie ich meine Landschaftsfotografie Bilder mit Adobe Photoshop nachbearbeite? In meinem Videokurs bringe ich dir alle Schritte bei, die du dazu wissen musst. Egal welchen Wissensstand du hast.

Mehr ĂŒber den Videokurs erfahren

Hier ist es natĂŒrlich ungemein hilfreich, die Farblehre zu lernen. So kannst du nicht nur bewusster mit Farben, sondern auch gezielt mit KomplementĂ€rfarben arbeiten, um Farbkontraste zu erzeugen. Damit steuerst du wiederum die Aufmerksamkeit des Betrachters.

Sonnenuntergang an der Pasterze

Sonnenuntergang an der Pasterze

4. Mehr Weitwinkel fĂŒr grĂ¶ĂŸere Tiefe im Bild nutzen

Newsletter Aufmacher 1 - E-BookIn der Fotografie haben wir ein grundlegendes Problem.

Wir fotografieren etwas Dreidimensionales: die RealitÀt. Damit schaffen wir etwas Zweidimensionales: das Foto.

Damit der Betrachter das Bild jedoch intensiv und lebendig wahrnimmt, mĂŒssen wir ihm DreidimensionalitĂ€t suggerieren. Dann fĂŒhlt er sich in das Bild hineingezogen: “Als ob ich dort war”.

DreidimensionalitĂ€t in Bildern zu schaffen, ist mit einem Weitwinkelobjektiv wesentlich einfacher als mit einem Teleobjektiv. Das merke ich jedes Mal, wenn ich mit Brennweiten fotografiere, die grĂ¶ĂŸer als 80mm sind. Die Bilder wirken dann “platter”. Vielfach besteht das Bild dann nur noch aus FlĂ€chen, ohne Tiefe zu vermitteln.

Ab und an bekomme ich die Anfrage, von jemandem der Menschen in Straßenszenen fotografieren will, welches Objektiv er dafĂŒr kaufen soll. Als Vorschlag in der Anfrage kommt dann oft ein Tele- oder ein 85mm Objektiv. Mit solchen Objektiven ist es fĂŒr den Betrachter des Bildes schwierig, sich in die Szene einzufĂŒhlen. Die besten Streetfotografie Aufnahmen sind mit Filmkameras und einem 35mm Objektiv entstanden.

Nutze mehr Weitwinkel.

Mit Weitwinkelobjektiv meine ich nicht gleich Superweitwinkel. Es reicht vollkommen aus, wenn du dein 18-55mm Standardzoom nimmst und mehr mit 18mm fotografierst.

Der Hack: Fixiere dein Objektiv mit Klebeband bei 18mm und fotografiere zwei Wochen nur so. So schaffst du nicht nur Bilder mit mehr Tiefe, sondern setzt dich auch bewusster mit dem Bildwinkel und der Bildkomposition auseinander. Du nutzt deine FĂŒĂŸe, wenn du nĂ€her an ein Motiv heran musst.
Lilienstein

Lilienstein

5. NĂ€her ran gehen fĂŒr mehr DreidimensionalitĂ€t

Was ganz eng mit Punkt 4 zusammenhĂ€ngt: NĂ€her an das Motiv herangehen. Dies ist wieder eine Maßnahme, um mehr Tiefe im Bild zu schaffen.

Der Klassiker: Du kaufst dir ein Superweitwinkel und fotografierst alles aus der gleichen Höhe, wie vorher mit deinem Standardzoom. NĂ€mlich aus dem Stand. Die Sache ist: Wenn du weiter heraus zoomst, sind die Dinge natĂŒrlich auch kleiner. Damit ist weniger von deinem Hauptmotiv zu sehen. Also musst du nĂ€her ran. Wenn du nĂ€her am Motiv dran bist, wird sich auch der Betrachter deiner Bilder nĂ€her dran fĂŒhlen.

Ein positiver Nebeneffekt: Wenn du nÀher ran gehst, reduzierst du damit auch wieder die Anzahl der Elemente im Bild (Tipp #2).

Alpine Summer

Alpine Summer

6. Nutze Wiederholungen fĂŒr BlickfĂŒhrung

Wenn du sich wiederholende Elemente im Bild einsetzt, kannst du dadurch die Wahrnehmung steuern, Muster schaffen und ebenfalls mehr Tiefe generieren.

Wenn sich ein Element im Bild wiederholt, dann ist es dem Betrachter bereits bekannt. Sein Auge hat es schon einmal gesehen und betrachtet. Wenn dieses Element dann grundsĂ€tzlich das Gleiche ist, wie das Erste, kann sich das Auge an dieser Wiederholung entlang bewegen. Hat das Element eine andere GrĂ¶ĂŸe als das erste Element, so lĂ€sst sich damit Tiefe im Bild erzeugen. Hört sich alles etwas theoretisch an, hmm?

Bauhaus Museum 2

Bauhaus Museum 2

Die Wiederholung hier im Bild sind die abgerundeten DĂ€cher. Im Vorgrund ist das Dach nĂ€her und damit auch grĂ¶ĂŸer. Die Tiefe wird hier zum einen durch die Linien geschaffen, zum anderen durch die Wiederholung mit unterschiedlichen GrĂ¶ĂŸen.

7. Mit zulaufenden Linien fĂŒr mehr Tiefe sorgen

Dies ist ein weiterer Punkt, um im Bild mehr Tiefe zu erzeugen. Mit mehr Tiefe wirkt das Bild fĂŒr den Betrachter plastischer. Eine ganz einfache, aber sehr wirksame Maßnahme ist das Nutzen von zulaufenden Linien.

Das erste Mal bin ich vor 11 Jahren damit in BerĂŒhrung gekommen, als ich an einem BahnĂŒbergang die Schienen fotografiert habe. Die Schienen scheinen mit zunehmender Entfernung immer enger zusammenzulaufen. NatĂŒrlich hĂ€ngt das nur mit der Optik zusammen. Dieser Effekt ist umso stĂ€rker, je weitwinkliger das eingesetzte Objektiv ist. Das lĂ€sst sich genauso mit einer Straße beobachten.

GrundsÀtzlich lÀsst sich dieser Effekt mit allen parallel verlaufenden Linien einsetzen. Man muss nur nah genug herangehen.

Der Betrachter wird durch zulaufende Linien in das Bild hineingezogen. Das Auge bewegt sich gern an den zulaufenden Linien entlang.

Bildkomposition - zulaufende Linien - Skai

Skai

Videokurs Architekturfotografie: Langzeitbelichtungen in Schwarz-Weiß

Videokurs Architekturfotografie: Langzeitbelichtungen in Schwarz-Weiß

Möchtest du mehr darĂŒber lernen, wie ich Langzeitbelichtungen in Schwarz-Weiß mache? Möchtest du wissen, wie meine Serie „Dark Monuments“ entstanden ist? In meinem Videokurs zeige ich dir wie. Du lernst alle Schritte von der Vorbereitung ĂŒber Bildkomposition bis hin zur Bildbearbeitung.

Mehr ĂŒber den Videokurs erfahren

8. Bewusst Hoch- und Querformat einsetzen

Die grundlegendste Entscheidung zur Bildkomposition treffen wir schon in dem Moment, wenn wir uns fĂŒr Hoch- oder Querformat entscheiden. NatĂŒrlich gibt es Motive, bei denen es seinen Grund hat, warum sie mehr in einem der beiden Formate fotografiert werden. Sie sind von Natur aus dafĂŒr geschaffen. Welches Format du nutzt ist eigentlich eine der ersten Themen fĂŒr bewusste Bildgestaltung.

Nicht umsonst heißt das Hochformat auch Portrait-Format und das Querformat auch Landschafts-Format.

Aber was assoziiert der Betrachter mit den Formaten? Ein Querformat strahlt durch seine Form mehr StabilitĂ€t aus. Ein flach gebautes Haus wirkt auf uns stabiler als ein Hochhaus. Somit wirkt ein Hochformat Bild dynamischer. Die Auswahl der beiden Formate kann also das Hauptmotiv unterstĂŒtzen oder im Kontrast dazu stehen.

Sonnenaufgang am Cap Formentor

Sonnenaufgang am Cap Formentor, Mallorca

9. GegensĂ€tzliche Formen fĂŒr Kontrast nutzen

Kontraste lassen sich auf vielfĂ€ltige Art und Weise erzeugen. Bestimmte Wahrnehmungsmuster stammen noch aus einer Zeit, in der der Mensch in der Natur in sehr einfachen Behausungen gelebt hat. Im Wald springt uns eine rechteckige Behausung sofort ins Auge. Das war in der damaligen Zeit wichtig, um Feinde frĂŒher wahrzunehmen.

Formen werden vom Betrachter sehr gezielt wahrgenommen. Die Grundformen:

  • Kreis
  • Rechteck
  • Dreieck

Oft kommen diese Formen in unseren Bildern unbewusst vor. Ähnlich wie bei den Formaten erzeugen diese Formen unterschiedliche Assoziationen. Ein auf der Spitze stehendes Dreieck wirkt instabiler als eines, bei dem die Spitze nach oben zeigt.

Ein Kreis wirkt sehr harmonisch, wÀhrend ein auf der langen Seite stehendes Rechteck Unbeweglichkeit oder auch Sicherheit ausstrahlen kann.

Das Auge nimmt zu Beginn der Betrachtung eines Bildes alle Elemente nur als FlÀchen wahr. Details erkennt es erst danach.

Der Hack: Um dir diesen Effekt bewusst zu machen, kannst du die Augen zusammenkneifen, sodass du nur durch die Wimpern schaust. Damit wird deine Sicht unscharf und du nimmst nur noch die Grundformen wahr. So kannst du dir ansatzweise Vorstellen, was der Betrachter als Erstes wahrnimmt.
Formen können nicht nur fĂŒr sich stehen, sondern in Kombination auch Kontrast erzeugen. Stell dir die Ruhe und Harmonie eines Kreises gegen die InstabilitĂ€t eines auf der Spitze stehenden Dreieckes vor.

Diese Überlegung kann sich sehr effektiv im Zusammenspiel mit den Wiederholungen aus Punkt 6 nutzen lassen.

Riebeckplatz

Riebeckplatz

10. Kontraste gezielt als Startpunkt einsetzen

Newsletter Aufmacher 3 - Neue BeitrĂ€gePunkt Nummer 10 erlebt man in der Schwarzweißfotografie noch bewusster als in der Farbfotografie. Denn dort hat man keine Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit mit Farben zu steuern. Alles was man hat, sind unterschiedliche Helligkeiten. Damit bedeutet die Schwarzweißfotografie ein StĂŒck mehr Herausforderung. Doch die Wahrnehmung von Helligkeiten lĂ€sst sich auch bei Farbbildern beobachten.

Wusstest du, dass der Betrachter als Erstes an die Stelle im Bild schaut, an der sich der stÀrkste Kontrast befindet?

Wenn man das weiß, lĂ€sst sich diese Wahrnehmung unglaublich effektiv als Startpunkt fĂŒr die Bildbetrachtung einsetzen. In vielen FĂ€llen bedeutet der Unterschied in der Helligkeit den Kontrast. Wie oben beschrieben können aber auch Farb- oder Formenkontraste fĂŒr die erste Aufmerksamkeit sorgen.

Landschaftsfotografen setzen gern im Vordergrund ein Motiv ein, das relativ hell ist und sich vom Hintergrund abhebt. Damit wird ganz bewusst mit starkem Kontrast gearbeitet. An dieser Stelle kann der Betrachter in das Bild einsteigen. Die visuelle Reise durch das Foto kann von diesem Punkt aus beginnen.

Ilsetal

Ilsetal

Zusammenfassung

Nachfolgend noch einmal die 10 Punkte als Zusammenfassung:

  1. Das Hauptmotiv nicht mittig setzen
  2. Das Bild einfach halten und ganz bewusst ausfĂŒllen
  3. Sich auf 2-3 Hauptfarben beschrÀnken
  4. Mehr Weitwinkel nutzen fĂŒr grĂ¶ĂŸere Tiefe im Bild
  5. FĂŒr mehr DreidimensionalitĂ€t nĂ€her herangehen
  6. Nutze Wiederholungen fĂŒr BlickfĂŒhrung
  7. Mit zulaufenden Linien fĂŒr mehr Tiefe sorgen
  8. Bewusst Hoch- und Querformat einsetzen
  9. GegensĂ€tzliche Formen fĂŒr Kontrast nutzen
  10. Kontraste gezielt als Startpunkt einsetzen

Bonus: Zusammenfassung als Download

Wenn du dir die Kurzfassung der Tipps öfter ins GedÀchtnis rufen willst, dann habe ich eine pdf Datei zum Ausdrucken gebaut:

10 Tipps fĂŒr bessere Bildkomposition (PDF, 0,2 MB)

Übung macht den Meister: Aufgaben fĂŒr Bildkomposition

Wenn ich in meinen Workshops den Teilnehmern Bildkomposition und Bildgestaltung beibringe, dann mĂŒssen sie natĂŒrlich neben dem Theorie Teil auch praktisch ĂŒben. DafĂŒr gehe ich mit ihnen in die Stadt und stelle ihnen Aufgaben. FĂŒr jede Aufgabe gibt es ein Zeitfenster von 10 Minuten, um die Aufgabe zu lösen. Diese Aufgaben gehen noch ein StĂŒck ĂŒber die Tipps hinaus.

Die Aufgaben

Fotografiere

  1. Zulaufende Linien
  2. Einen starken Kontrast
  3. Aus einer ungewöhnlichen Perspektive
  4. Einen Formenkontrast
  5. Einen Farbkontrast
  6. Eine gebogene Linie
  7. Eine S-Kurve
  8. Eine Wiederholung von Elementen
  9. Eine Gruppe von Elementen
  10. Zwei Gruppen von Elementen
  11. Zwei KomplementÀrfarben
  12. Eine Kombination aus drei der vorigen Aufgaben

Diese Aufgaben sind auf den ersten Blick sehr abstrakt. Sie haben das Ziel, deine Wahrnehmung fĂŒr diese Elemente zu schulen. Damit kannst du zukĂŒnftig diese Elemente bewusster einsetzen, um bessere Bildkompositionen zu schaffen.

Meine Empfehlung: Nimm dir an einem ruhigen Sonntagmorgen 2 Stunden Zeit, zieh mit deiner Kamera los und fĂŒhre diese Übungen selbst durch. Ich kann dir garantieren, dass sich deine Wahrnehmung und Fotografie dadurch verbessert.

Die Aufgaben zum Ausdrucken

Aufgaben Download

WeiterfĂŒhrende Infos zu Bildkomposition

Ich empfehle sehr gern ein Buch, wenn es darum geht, Bildkomposition zu lernen oder zu verbessern. Der fotografische Blick von Michael Freeman behandelt alle Aspekte dieses Themas sehr gut:

Michael Freeman - der fotografische Blick

Michael Freeman – der fotografische Blick

Wenn du noch mehr ĂŒber Bildkomposition lernen möchtest, dann können dir diese Links helfen:

Es gibt auch bei YouTube ein spannendes Videos dazu:

Zum Schluss noch ein technischer Tipp. Manchen Fotografen fĂ€llt die Bildkomposition leichter, wenn sie dabei durch den Sucher statt aufs Display schauen. Deshalb habe ich in meinem beiden Artikeln fĂŒr beste Kompaktkamera und beste Systemkamera solche Kameras noch einmal herausgestellt.

> Weitere Fotografie Guides von mir

45 Kommentare

  1. Nutzer Avatar
    Stefan Schnitter

    Hallo Matthias,

    beim Lesen ist mir einiges klarer geworden, was ich z.T. in der Vergangenheit mal mehr mal weniger bewusst angewandt habe. Das mit den Wiederholungen finde ich besonders interessant. Es wird mir in Verbindung mit einem verÀnderten Standort helfen Motive, die mir in der Vergangenheit schwer gefallen sind zu fotografieren, interessanter zu gestalten.

    Liebe GrĂŒĂŸe,

    Stefan

  2. Nutzer Avatar

    Hi Matthias,

    Ich habe auf den blog ĂŒbder dynamische Symetrie gelesen…jedoch sind diese interessanten Gesltaltungsanleitung schwierig in der Landschaftsfotografie umzusetzen. Meines Erachtens eher fĂŒr andere Genres geeignet.

    NatĂŒrlich ist auch Dein Artikel sehr interessant 😉

    Schöne GrĂŒĂŸe,

    Helmut

    • Nutzer Avatar

      Hallo Helmut,

      in welchem Blog hast du denn von der dynamischen Symmetrie gelesen? Das kommt nĂ€mlich in meinem Beitrag nicht vor 🙂

      NatĂŒrlich sind nicht alle Regeln auf jedes Genre anwendbar, aber so lange man sich Gedanken um den Bildaufbau macht, ist es schon eine gute Sache.

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

  3. Pingback: Fotografie BĂŒcher [Meine Top 3] + BildbĂ€nde + Zeitschriften

  4. Pingback: Spiegelreflexkamera fĂŒr Einsteiger [2019] - Der ultimative Guide!

  5. Nutzer Avatar

    Sehr sehr lebensnah erklÀrt. Auch wenn ich, wenn auch recht intuitiv, vieles schon kannte und einsetze, so könnte ich es nie in so gute erklÀrende Worte fassen.
    Hat sehr viel Spaß gemacht zu lesen, zu verstehen.
    Danke!

  6. Pingback: Traue Dich mal was! - Sven Bunk Fotografie

  7. Nutzer Avatar
    Alfred MĂŒhlbauer

    Hallo Matthias,

    immer wieder tolle und sehr gute BeitrÀge von Dir rund um das Fotohobby.
    Eine Anmerkung zum Punkt 4. Mehr Weitwinkel fĂŒr grĂ¶ĂŸere Tiefe im Bild nutze: Bitte bei Brennweitenagaben den bezug auf Crop Format geben oder vielleicht noch besser z.B. „18mm Crop / 28mm Vollformat“

    … bei der Streetfotografie nehme ich oft ein 24mm Objektiv an Crop dann ca. 38mm.

    Gruß
    Alfred

    • Nutzer Avatar

      Hallo Alfred,

      danke dir, sowohl fĂŒr deine lobenden Worte, als auch fĂŒr den Verbesserungsvorschlag. Das muss ich beizeiten mal noch ergĂ€nzen.

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

  8. Nutzer Avatar
    Regina Buß

    Hallo Matthias,
    vielen Dank fĂŒr die Auffrischung der vielen Standarts fĂŒr ein gutes Foto. Meinen letzten Urlaub empfand ich als hektisch, was sich fĂŒr mich auch in der Unzufriedenheit mit mit meinen Fotos widerspiegelt. Meine Bridgekamera kann das auch besser;).
    Ich habe vor kurzem eine Lumix fz200 zugelegt, und in diesem Zusammenhang ist mir wieder eingefallen das es Polfilter gibt.
    Graufilter möchte ich mir jetzt auch noch gönnen.
    GrĂŒĂŸe,
    Regina
    ,

  9. Nutzer Avatar
    Erich Kottnauer

    Hallo Matthias, bin eben auf Deine Seiten gestossen und war sehr angetan.
    Da fehlt der „Oberlehrer“ und der Technikfreak. Deine ruhige Art schafft Vertrauen. Ich werde Deine Artikel weiter verfolgen und u.U. auch einen Videokurs buchen – geht der Kurs Bildbearbeitung auch mit Photoshop Element 10? Bin nĂ€mlich damit schon teilweise ĂŒberfordert (76 Lenze alt) geschweige denn Lightroom.
    Ich freue mich auf deine Antwort.

    • Nutzer Avatar

      Hallo Erich,

      ich freue mich sehr ĂŒber dein Lob, danke dir! FĂŒr den Bildbearbeitungskurs brauchst du meiner Meinung nach ein Photoshop CC. Wenn du damit aktuell etwas ĂŒberfordert bist, dann arbeite dich erst einmal zwei Wochen mit den diversen Online-Tutorials etwas in das Thema ein. Danach ist dann vielleicht eher der richtige Zeitpunkt fĂŒr den Videokurs. Ansonsten erklĂ€re ich aber wirklich alle nötigen Schritte mehrfach darin.

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

  10. Nutzer Avatar
    Gabriele Danzer

    Hallo Matthias,

    ich möchte Dir zu Deiner Seite und dem Tutorial „Bildkomposition“ aufs Allerherzlichste gratulieren. Ich habe diesbezĂŒglich noch nie auch nur annĂ€hernd einen so tollen Artikel gelesen. Bin voll begeistert, sehr motiviert und werde Deinen Aufgaben demnĂ€chst mal versuchen zu meistern. Was Deine Fotos anbelangt: sie sind unbeschreiblich schön, total Ă€sthetisch und nicht wie bei vielen anderen Fotografen ĂŒbertrieben bearbeitet – genau mein Geschmack ! SelbstverstĂ€ndlich werde ich Deine Artikel weiter verfolgen! Liebe GrĂŒĂŸe Gabriele PS: Die Hama Wasserwaage hab ich gerade bestellt, danke fĂŒr den Tipp !

  11. Pingback: Vom Ferienschnappschuss zur Online Galerie – Schwabtastic4

  12. Nutzer Avatar

    Hallo Matthias,

    ein Artikel, der sich mal qualitativ von vielen anderen zum Thema Bildkomposition absetzt.
    Das Buch von Freeman ist ebenfalls so ziemlich der beste Lesetipp, den man geben kann. Ich wĂŒrde vielleicht noch „Picture This“ von Molly Bang hinzufĂŒgen, auch wenn es evtl. nur in Englisch verfĂŒgbar ist.

    Wer es noch etwas theoretische mag, sollte sich vielleicht mit Dynamischer Symmetrie und Gestalt-Theorie beschĂ€ftigen – ich habe dazu eine einfĂŒhrende Artikelserie geschrieben, die noch erweitert wird.

    Bei Interesse: https://frank.tegtmeyer.net/artikel-serie-zu-bildkomposition/

    • Nutzer Avatar

      Hallo Frank,

      ich freue mich sehr ĂŒber das Lob. Deine Artikelserie ĂŒber Bildkomposition ist ja genial! So genial, dass ich sie direkt mal im Artikel mit verlinkt habe. Vielen Dank dafĂŒr!

      Liebe GrĂŒĂŸe,

      Matthias

    • Nutzer Avatar

      Danke fĂŒr den Tipp. Die Literatur Empfehlung Hunioder Ă€hnlich kann ich nicht unterstĂŒtzen, ich finde sie nicht empfehlenswert . Das ist fĂŒr mich ein Beispiel, was nicht sein sollte. Worte Worte Worte Worte Worte Worte Bild Worte Worte Worte Bild. Zu wortlastig und zu wenig anschaulich. ( ich muss gestehen, ich habe es ĂŒber den Wortfriedhof der Einleitung hinaus nicht geschafft, am Auslöser zu bleiben.)

  13. Nutzer Avatar
    gĂŒnter wulff

    Hallo Matthias,

    Dank fĂŒr ‚die Tipps‘! Freude kam auf ĂŒber die gelungene Mischung theoretischer Grundlagen sowie Umsetzung in der Praxis

    Ich grĂŒsse Dich
    gĂŒnter

  14. Nutzer Avatar
    Eckhard Bode

    Ich habe schon sehr viele FotobĂŒcher gelesen oder durchstöbert, daher waren mir grundsĂ€tzlich viele Regeln bzw. Tipps bekannt. Trotzdem vernachlĂ€ssige ich doch immer wieder GrundsĂ€tzliches in der Praxis, Fotografieren lernt man eben nur durch Fotografieren und da finde ich die Übungungsanregungen im Blog echt klasse. Ich finde die Fotografieblogs und Links super und hilfreich und bin froh, dass ich auf Deine Seite gestoßen bin, eine echte Fundgrube und Bereicherung. Viel zu oft beschĂ€ftigt sich man im Netz mit Kameras und Objektiven, mit Mythen ĂŒber Vollformat oder kleiner usw.. Ich habe Spaß an meiner immer dabei Olympus mft Kamera und möchte fotografisch weiter kommen. Ich ĂŒberlege, ob ich mir das Landschaftsfotografievideo zur Bildbearbeitung mit Photoshop zulegen soll. Ich kenne mich mit Photoshop noch sehr wenig aus, arbeite bisher nur mit LR und NIK. Freue mich auf weitere Fotothemen ( IR Fotografie Artikel war fĂŒr mich auch sehr interessant, weiter so).
    Gruß und Danke fĂŒr die Arbeit
    Eckhard

    • Nutzer Avatar

      Hallo Eckhard,

      ich freue mich sehr ĂŒber dein Lob! Was die Bildkomposition und BĂŒcher angeht, ist es bei mir oft so, dass ich die Regeln kenne, aber wenn ich dann durch den Sucher schaue, die Bilder meist intuitiv aufnehme. Ich denke also wenig ĂŒber die Regeln nach, wenn ich im Sucher die Bildkomposition mache gibt es irgendwann einen Punkt, an dem es sich „richtig“ anfĂŒhlt.
      Wie du schon sagst, beschĂ€ftigen sich viele Seiten nur mit der Technik. Die Fotografie ist aber so viel mehr. Es fĂŒhlt sich gut an, dabei immer mehr zu lernen und sich weiter zu entwickeln.
      Was den Kurs angeht: Ich habe alle Schritte von Grund auf erklĂ€rt. Ich denke also, dass du auch mit dem Kurs zurecht kommst, wenn du bisher noch nichts mit Photoshop gemacht hast. DafĂŒr ist ja ein Videokurs auch gut: Du kannst dir die Videos einfach mehrmals anschauen, um die Schritte genau zu verstehen. Ob das Video fĂŒr dich sinnvoll ist, kannst du dir an folgender Frage beantworten. Möchtest du in Zukunft deine FĂ€higkeiten in der Landschaftsfotografie ausbauen? Wenn du noch nicht sicher bist, dann bringt es dir vielleicht auch mehr, meinen Blog noch weiter zu verfolgen und in den BeitrĂ€gen zu stöbern. Vielleicht bist du ja auch spĂ€ter an einem Punkt, an dem es fĂŒr dich dann passt.

      Danke nochmals!

      Matthias

  15. Nutzer Avatar

    Ich fange erst mit dem Fotografieren an und das ist ein Text, der mich sehr gut anleitet. Alles sehr locker geschrieben, mit wenig Technikinfos und doch hat man das GefĂŒhl, alle wichtigen Eckpunkte benannt zu sehen. Es liest sichwie ein kleiner Spaziergang und am herausragendsten finde ich die kleinen Hacks und Aufgaben. Wirklich ein gelungener Artikel, der einen sofort raus auf die Strasse lockt um alles auszuprobieren.

    • Nutzer Avatar

      Hey Sophie, ich freue mich besonders ĂŒber deinen Kommentar, weil es mir auch wichtig ist, dass sich der Beitrag gut liest und dich beim Lernen nicht ĂŒberfordert. Danke 🙂

  16. Nutzer Avatar

    Ja, wirklich sehr gute und praxisnahe Zusammenfassung, selbst fĂŒr einen schon etwas Erfahreneren, Danke! Besonders spannend fand ich den kurzen Ausflug zum Eye Tracking. Hast Du diese fĂŒnf Bilder noch und könntest daraus vielleicht einen separaten Artikel schreiben, wie sich die Augen beim jeweiligen Bild entsprechend Deiner sechs Fragen verhalten haben? Das wĂ€re super interessant!

    • Nutzer Avatar

      Ich muss mal in den Untiefen meiner Backup-Platten Graben, ob ich die Bilder, Auswertungen oder sogar die Videos dazu noch habe. Ich kann nichts versprechen, aber ich habe es in meine ToDo Liste mit aufgenommen. Danke fĂŒr die Anregung!

  17. Nutzer Avatar

    Das war das mit Abstand lehrreichste Tutorial, von dem, was ich bisher so gelesen habe. Top! Werde ich am Wochenende gleich mal ausprobieren.

  18. Nutzer Avatar
    Heinz Gerlich

    Vielen Dank fĂŒr die tollen Tipps und Übungen und ich freue mich auf den Videokurs ĂŒber die Bildbearbeitung.

  19. Nutzer Avatar
    Thomas Eichentopf

    Der Artikel hat mir sehr gut gefallen!
    Ich werde die Übungen demnĂ€chst ausprobieren und bin gespannt auf die Ergebnisse. Danke!

  20. Nutzer Avatar
    Michael Munzert

    Sehr gut gemacht, vielen Dank fĂŒr die gut erklĂ€rten Infos. Die Übungen will ich noch ausprobieren.

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