So ist Madeira 06 entstanden

Heute möchte ich dir wieder einmal zeigen, wie eines meiner Fotos aus Madeira entstanden ist. Ich nehme dich von der Planung bis zum fertigen Bild mit.

Um dieses Bild geht es heute:

Madeira 06

Madeira 06

Reise nach Madeira 2017

Im Mai 2017 war ich für eine Woche auf Madeira zum Fotografieren. Die Insel wird auch als Blumeninsel bezeichnet und hat das ganze Jahr über sehr angenehmes mildes Klima.

Die Reise war als reine Fototour geplant. Schon seit vielen Jahren gehe ich nur allein oder mit anderen Fotografen fotografieren. Nur so habe ich auch die nötige Ruhe und Zeit dafür. Auf Madeira war ich in dieser Woche allein unterwegs.

Ich hatte mir eine Unterkunft im Norden der Insel ausgesucht, von wo aus ich vor allem die Nordküste halbwegs schnell erreichen konnte. Dort waren für mich die interessantesten Fotospots. Doch natürlich habe ich auch an verschiedenen anderen Orten auf der Insel fotografiert. Einer davon war der zentral gelegene Berg Pico do Arieiro.

Vorbereitung

Scouting

Bei der Vorbereitung zur Reise schaue ich mir von der jeweiligen Gegend immer Bilder auf verschiedenen Plattformen wie DeviantArt oder Fotocommunity an. Ein Blick in die Google Bildersuche empfiehlt sich ebenfalls. So kriege ich relativ schnell ein Gefühl dafür, welche Orte ich dann fotografieren möchte.

Madeira Fotos auf DeviantArt

Madeira Fotos auf DeviantArt

Ich mache mir eine Liste dieser Orte und schaue mir auch in Google Maps an, wo die Orte genau liegen. Zudem nutze ich The Photographers Ephemeris (TPE), um mir anzuschauen, wann und wo dort Sonnenauf- und Sonnenuntergang sind.

The Photographers Ephemeris - Richtungen für Sonnenauf- und Sonnenuntergang am Pico do Arieiro

The Photographers Ephemeris – Richtungen für Sonnenauf- und Sonnenuntergang am Pico do Arieiro

Wetterplanung

Für eine Landschaftsaufnahme an der Küste oder in den Bergen zum Sonnenuntergang habe ich am liebsten leichte bis mittlere Bewölkung. Dann gibt es nämlich die Chance, dass die Wolken nach Sonnenuntergang von unten angestrahlt werden. Diese Konstellation hat Potential für interessante Farben.

Für den Montag meiner Reise war für die zweite Tageshälfte mittlere Bewölkung vorausgesagt. Insofern entschied ich mich an diesem Abend für einen Ausflug zum Pico do Arieiro.

Eine Wetterplanung und die Überlegung wo ich dann genau hinfahre mache ich während der Reise immer eher kurzfristig. Oftmals sind die Wettervorhersagen nur einen Tag im Voraus verlässlich, insofern habe ich dann immer meine Liste der Locations für diese Reise im Kopf und entscheide von Tag zu Tag, wohin es geht.

Auf Madeira hatte ich erfreulicherweise sehr abwechslungsreiches Wetter, wie man in meinem Portfolio dieser Tour sieht.

Madeira Portfolio

Madeira Portfolio

Zeitplanung

Wie ich im letzten Beitrag zur Bildentstehung von Madeira 09 geschrieben habe, fahre oder laufe ich selten eine Location zum Sonnenauf- oder -untergang an, die ich mir vorher abseits vom Scouting per Internet nicht schon einmal vor Ort selbst angesehen habe.

Da der Anfahrtsweg jedoch mehr als eine Stunde von meiner Unterkunft weg war und ich durch die Hauptstadt Funchal fahren musste, entschied ich mich ohne vorherigen Besuch zum Sonnenuntergang direkt hinauf zu fahren.

TPE - Zeiten von Sonnenauf-, Sonnenuntergang und Mondzeit

TPE – Zeiten von Sonnenauf-, Sonnenuntergang und Mondzeit

Laut TPE sollte der Sonnenuntergang um 20:59 Uhr sein. Wenn man eine Zeitangabe zum Sonnenuntergang liest, dann ist das der Moment, an dem die Sonne vollständig unter dem Horizont verschwunden ist.

Ich bin gern eine Stunde vorher da, um mich mit der Umgebung vertraut zu machen und mir die Bildkompositionen auszusuchen. Dementsprechend fuhr ich 19 Uhr an der Unterkunft los und war 20:10 Uhr am Parkplatz des Pico do Arieiro.

Entstehung der Aufnahme

Tagsüber sind viele Besucher dort oben. Als ich ankam, standen auf dem Parkplatz vielleicht fünf Autos. Das ist einer der Vorteile, wenn man zu dieser Zeit an sonst touristisch stärker besuchten Orten fotografiert: Es ist viel weniger los.

Ich hatte genug Zeit dafür, mich umzusehen, einige Schritte zu laufen und die Landschaft auf mich wirken zu lassen, bevor ich die Kamera aufbaute. Neben dem Fotografieren in Richtung Sonnenuntergang probierte ich auch Aufnahmen in die entgegengesetzte Richtung. Mit dem Sonnenuntergang im Rücken hat man oft sehr weiches Licht, was verhältnismäßig einfach zu fotografieren ist.

Kamera, Objektiv und Zubehör

Für die Aufnahme kamen als Kamera die Canon EOS 700D (aktuell nutze ich die Canon EOS 77D) und als Objektiv das Canon EF-S 10-22mm inklusive Streulichtblende zum Einsatz.

Kameraequipment für diese Aufnahme

Kameraequipment für diese Aufnahme

Darüber hinaus habe ich das Manfrotto Befree Stativ (aktuell nutze ich das Befree GT), die Hama Wasserwaage und den Canon RS-60 E3 Fernauslöser genutzt. Filter habe ich nicht eingesetzt.

Komposition

Ich wollte unbedingt diese schroffe Landschaft fotografieren. Wenn man dort oben steht, fragt man sich, wie dort überhaupt noch Wanderwege entlang führen können. Zudem wollte ich das Farbspiel im Himmel haben, weshalb ich in Richtung Sonnenuntergang fotografierte.

Um die Größe der Landschaft zu zeigen, nutzte ich das Weitwinkelobjektiv. Ich bezog den Weg zum Gipfel mit in der Vordergrund ein, um eine Linie im Bild zu haben, an der sich das Auge entlang bewegen kann. Je weiter die Zeit voran Schritt, umso mehr Nebel bildete sich im Tal links. Auch dieses Motiv wollte ich natürlich im Bild haben.

Für den grundlegenden Bildaufbau kam grob die zwei Drittel – ein Drittel Regel zum Einsatz. Zwei Drittel Landschaft, ein Drittel Himmel. Ich fotografierte mit dem EF-S 10-22mm bei einer Brennweite von 10 mm. Damit wollte ich eine möglichst große Tiefenwirkung erreichen und all die beschriebenen Elemente im Bild mit aufnehmen.

Die Landschaft am Pico do Arieiro mitsamt Kamera

Die Landschaft am Pico do Arieiro mitsamt Kamera

Kameraeinstellungen

Die Aufnahmen entstanden bei Blende 8 und ISO 100 im AV Modus. Da der Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Landschaft immens groß war, musste ich eine Belichtungsreihe machen, um den vollen Dynamikumfang aufzunehmen. Ich wählte also eine Belichtungsreihe mit -2,0 und +2 Blenden aus.

Nach der ersten Aufnahme mit diesen Einstellungen schaute ich mir das Histogramm und die Überbelichtungswarnung an. Hier sah ich, dass selbst in der dunklen Belichtung im Himmel noch Stellen vorkamen, die überbelichtet waren. So korrigierte ich die Belichtung mehrmals in drittel Blendenstufen nach unten. Die finale Aufnahme ist mit Belichtungsmessung -1 Blende und dann eben mit einer Belichtungsreihe entstanden.

Belichtungsreihe

Belichtungsreihe

Zu diesem Zeitpunkt war es bereits 19 Minuten nach Sonnenuntergang. Auch wenn sich nicht ganz das erhoffte Farbschauspiel zeigte, fanden sich doch in den Wolken einige angenehm weiche Farbtöne wieder, die sich auch in dem Licht auf der Landschaft widerspiegelten.

Nachdem die letzten Farben im Himmel verschwunden waren, genoss ich noch einige Minuten die Stimmung. Danach packte ich mein Fotoequipment wieder zusammen und fuhr zurück zur Unterkunft.

Nachbearbeitung

Daheim am PC sortierte ich die Bilder der Reise aus und entschied mich, die letzten Aufnahmen von diesem Abend weiter zu bearbeiten.

Von der Belichtungsreihe nutzte ich die helle Belichtung für die Landschaft und die dunkle Belichtung für den Himmel. Für meine Nachbearbeitung kommt das Adobe Creative Cloud Foto-Abo zur Anwendung. Beide Bilder entwickelte ich im Adobe RAW Converter:

Einstellungen in Adobe Camera RAW

Einstellungen in Adobe Camera RAW

Danach setzte ich beide Belichtungen in Adobe Photoshop mit Hilfe von Ebenenmasken zusammen. Zudem kamen zwei Einstellungsebenen für Kontrast und Farben zum Einsatz.

Madeira 06 Ebenen in Photoshop

Madeira 06 Ebenen in Photoshop

Wie genau meine Bildbearbeitung aussieht, zeige ich in meinem Videokurs Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie.

Das finale Bild

So sieht das finale Ergebnis dann am Ende aus:

Madeira 06

Madeira 06

Ich hoffe ich konnte dir zeigen, welche Planung, Ausführung und Nachbearbeitung in diesem Bild stecken. Da ich zum ersten Beitrag von diesem Format erfreulicherweise schönes Feedback bekommen habe, werde ich mit Sicherheit noch mehr solcher Beiträge schreiben. Auf den letzten Reisen habe ich nämlich genau dafür die Schritte hinter der Kamera noch ausführlicher dokumentiert. Wie immer freue ich mich über deine Fragen und Gedanken in den Kommentaren!

> Mehr Beiträge über die Entstehung meiner Bilder

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